Amazon: Keine Handys für Österreich-Kunden

22.04.2012 | 18:19 |   (Die Presse)

Mehrere Produkte werden nicht mehr aus Deutschland nach Österreich geliefert. Grund ist die umstrittene Urheberrechtsabgabe. Heimische Rechteverwerter fordern sie von Amazon ein. Der Händler weigert sich.

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Wien/Rie. Es ist derzeit ein kleines Glücksspiel, beim Onlinehändler Amazon in Deutschland USB-Sticks, Handys, MP3-Spieler oder auch Speicherkarten für Fotoapparate zu bestellen. Wer seinen Einkaufskorb damit gut gefüllt hat, wird bei Eingabe der Lieferanschrift in Österreich von Amazon enttäuscht. „Dieser Artikel“, lässt die Webseite des Händlers wissen, „kann nicht an die ausgewählte Adresse versandt werden.“

Betroffen von dem Lieferstopp sind „elektronische Artikel mit Speichermedien“, wie der US-Händler mit Niederlassung in Deutschland mitteilte. Darunter fielen Handys, MP3-Spieler, Festplattenrekorder, TV-Geräte mit Festplatten, Scanner, Kopierer, Faxgeräte, Rohlinge und Multifunktionsgeräte. Es gebe eine „momentane Einschränkung“ bei der Lieferung dieser Produkte nach Österreich.

Wie lange „momentan“ ist, will man bei Amazon nicht sagen. Das Unternehmen ist in der Causa überhaupt sehr schweigsam. Die Pressestelle war trotz mehrmaliger Nachfragen über einen Zeitraum von zehn Tagen nicht bereit, sich detaillierter als mit einer sehr generell gehaltenen schriftlichen Erklärung zu den Beschränkungen zu äußern: Bei dem Lieferstopp gehe es um „Produkte, mit denen urheberrechtlich geschütztes Material vervielfältigt oder wiedergegeben werden kann“. Es stehe eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs an, ob eine Abgabe „an österreichische Verwertungsgesellschaften abzuführen ist“.

 

Abgabe auf Festplatten

Hintergrund ist ein bereits jahrelang vor Gericht geführter Streit zwischen dem Internethändler und der österreichischen Verwertungsgesellschaft Austromechana, die Abgaben auf CDs, Kopiergeräte, DVDs oder Scanner unter anderem für Musiker und Textautoren einhebt. Bekannt wurde die Austromechana vor allem wegen ihres heftig umstrittenen und diskutierten Wunsches, eine Urheberrechtsabgabe auch für Festplatten zu realisieren.

„Amazon weigert sich, die anfallenden Abgaben an uns abzuliefern“, erklärt Austromechana-Direktorin Ursula Sedlaczek. Das Unternehmen argumentiere, dass seine Lieferanten bereits in Deutschland eine Urheberrechtsabgabe ablieferten, daher bezahle man keine spezielle Abgabe für Österreich (von Amazon wollte niemand dazu Stellung nehmen).

Die Austromechana hat bereits gegen andere Onlinehändler aus Deutschland geklagt und Recht bekommen. Sie liefern die Abgabe nach Österreich. Auch Amazon ist im Rechtsstreit bis hin zum Obersten Gerichtshof unterlegen. Derzeit prüft der Europäische Gerichtshof die Angelegenheit als letzte Instanz.

Weil andere deutsche Unternehmen die Abgabe bezahlen, kann man über den Marktplatz Amazon bei diesen Händlern die Waren auch weiterhin bestellen. Nur eine Bestellung direkt bei und ein Versand durch Amazon ist bei den genannten Produkten nicht mehr möglich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.04.2012)

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100 Kommentare
 
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Gast: zylmurbafi
11.10.2012 20:40
0

blöd ist nur dass sich amazon und ebay wie ja auch usrael-oelmultis wie

zecken breit gemacht haben und überall, so wie die makler ihre pfoten drinnen haben. das fördert den umsatz nicht. es bremst. es gibt mit den anbietern, die nicht über die oben genannten ganoventrusts verkaufen auch keine probleme.

Gast: zylmurbafi
11.10.2012 20:35
0

na warum wohl.

weil es internationale preisabsprachen gibt. keinen freien markt. die brüsseler konzernlakaien sorgen dafür . ein beispiel .
ein raumthermostat kostet bei einem einbieter, das lobt er im internet aus, 135 Euro. zzgl. mwst. beim kauf stellt sich heraus, dass das nur ein lockinserat war, sollte man eigentlich bei unserer konsumentalibestelle anzeigen. nutzt aber nix. die werden ja von den nutzniessern gelöhnt. vom konsumenten auch. aber was hat das arme würstl schon zu reden, in der Eu. nix.
ebay auch so eine beinahe an eine inernetklappsmühle erinnernde organisation. sie weiss vor lauter änderungen schon nicht mehr, was richtig oder falsch ist. aber abzocken, das beherrst sie. leistungen werden beinahe aufgedrängt. schön langsam geht ja die rechnung auf. die käufe lassen nach. aber deshalb weil immer weniger zaster im börsel ist.

Gast: gast78
29.04.2012 09:57
0

die gier durch die ura

dei frechheit ist, dass glawischnig, ambros, prokopetz und co als vereinsvorstände die ganze sahne abschöpfen, den wirklichen künstlern eigentlich nichts übrig bleibt und der hauptteil für rechtskämpfe gegen amazon und co ausgegeben wird.
ich habe meine konsequenzen gezogen und kaufe prinzipiell nicht mehr in österreich ein. schade eigentlich, weil damit weder der wirtschaft noch den gierigen künstlern geholfen wird.

Mein letztes Handy

hab ich deshalb in Bratislava gekauft. Die paar liter Sprit sinds mir wert, aber diese Rechteverwerter sehen von mir in Oesterreich keinen Cent mehr.

Antworten Gast: zylmurbafi
11.10.2012 20:37
0

Re: Mein letztes Handy

dass die gauner mit unseren daten regen handel treiben nur nebenbei bemerkt. nur verkaufen tuns nix. zumindest bei mir nicht. und schön langsam stelle ich ohnedies die käufe ein. ich kaufe nicht mehr bei amazon und bei ebay.

Gast: AmazonBesteller
24.04.2012 10:24
1

Service für Deutsche Post-Adresse

Selbst noch nicht genutzt - aber früher mal gelesen... Hier gibt es eine Deutsche Post-Adresse mit Paket-Weiterleitung nach Österreich: http://www.logoix.com/lagerung.html"

Ich finde die Preise nicht viel teurer, als wenn man von DE nach AT direkt liefern lassen würde.

Antworten Gast: Regelm
24.04.2012 19:47
0

Re: Service für Deutsche Post-Adresse

Ich nutze diesen Service sehr oft und bin äußerst zufrieden.

Re: Service für Deutsche Post-Adresse

logoiX ist um um einiges günstiger un besser mit Versand und Service zwischen A D

Das ist geniale Meinung zu dem Thema!

Leider bin ich nicht drauf gekommen, also zitiere ich aus dem Standard-Forum:
"LCD

23.4.2012, 16:07

Wieso will die Gastronomie nicht dem Beispiel folgen?

Für jede Küche im Privathaushalt wird eine Essensabgabesteuer eingehoben weil es Milliardenverluste durch privat gekochtes essen gibt. Die Polizei stürmt außerdem die Küchenhersteller und nimmt sie in U-Haft bis sie pleite sind.
Wäre doch eine Idee, oder?
Ansonsten wieso nimmt sich der Staat Sachen an die in Rechtsstaaten Zivilgerichtlich erledigt werden?"

Mehr braucht man dazu nicht zu sagen.

Das kann man ausdehnen


denn die Hersteller von Tellern, Besteck und Küchenrat sind auch nicht unschuldig - Tischdeckenhersteller leisten zumindest Beihilfe und Teehäferlproduzenten sind eine lange negierte Untergrundorganisation denen man per EU Edikt ebenfalls das Handwerk legen muss. Auch die Produzenten von Jausenbrettern sind verkappte Tarnorganisationen die den verbrechern sozusagen die Grundlage bieten.

Auch kommen Tapetenhersteller nicht ungeschoren davon selbst wenn sie (wie beim ORF Gesetz das auch jedermann zu Abgaben zwingt - selbst wenn er keinen Empfang und kein Empfangsgerät hat) nachweisen das ihr Produkt garnicht in Küchen geklebt werden kann.

Re: Das kann man ausdehnen

LOL, Danke! Alles nur eine Frage der Summe... Ich meinte, das Lobbying.
Wenn sich die Musikindustrie das Lobbying bei den Politikern leisten kann, dann sind die Verluste noch offenbar nicht groß genug.

Gast: L.W.
23.04.2012 17:40
3

Betrifft nicht nur Handies.

Ein Freund in Wien wollte sich über amazon.de ein sog. "Cobber" - Halstuch bestellen.

--> Fehlanzeige. Wurde nicht nach AT geliefert, also musste ich es an meine dt. Adresse liefern lassen, um ihm es dann weiterzuschicken.

Desgleichen ein anderer Freund, der wollte sich bestimmte Möbelkleinteile für die Küche bei Neckermann.de bestellen --> geht nicht mit
einer österreichische Adresse.

Was soll das, außer unnötige Portokosten zu generieren ?

So viel zum "freien" Warenverkehr innerhalb der EU. Alles nur heiße Luft, wie so vieles, was uns vor dem Beitritt alles als "besser" verkauft wurde...

Re: Betrifft nicht nur Handies.

Weil das ganze System und die Leute die dahinterstehen schon so extrem deppert sind und jeder glaubt er bekommt zu wenig ;-)


Antworten Antworten Gast: L.W.
24.04.2012 09:05
1

Re: Re: Betrifft nicht nur Handies.

Da muss ich Ihnen (leider) uneingeschränkt recht geben...

MfG L.W.


Gast: Defender
23.04.2012 16:57
9

Was soll's

gibt genug Wege das zu umgehen.

Von mir bekommt jedefalls keiner auch nur einen Cent nur weil mir pauschal unterstellt wird, dass ich mein Eigentum für illegale Taten nutzen werde.

Macht eben der Ö-Handel weniger Umsatz.

Gast: gasti
23.04.2012 16:55
10

ein dank an amazon, dass sie gegen diese raubritter-mafia kämpfen


Abgabe auf Papier

Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis man eine Abgabe auf Kopierpapier bezahlen muß, man kann darauf nämlich geschützte Werke drucken oder auch schlicht abschreiben.
Es wird Zeit, daß man dieser Pest Einhalt gebietet, die Büros abzockt, die Festplatten, CD-Rohlinge etc. ausschließlich für ihre eigenen Werke benötigen.

Antworten Gast: zylmurbafi
11.10.2012 20:43
0

Re: Abgabe auf Papier

auf dem scheisshauspapier dürfte das schon der fall sein. denn trotz der kleineren handbreite, der reduzierten lagen, der maschinellen verdickung mit luft steigen die preise weiter. was folgt
kein scheisshauspapier kaufen sondern das bidet benützen.

Monaktionismus

Wird bald kompliziert, wenn sich aus jedem Staat der Welt die sogenannten Verwertungsgesellschaften zum Abcashen anstellen. Wieso können sich diese der Rechtsform nach gewinnorientierten Unternehmen mit dem selbstitulierten NGO-Mäntelchen nicht untereinander den Kuchen aufteilen, statt die Allgemeinheit zu trietzen?
Hat da die allgegenwärtige EU versagt?
Können die Konsumenten dann auch eine Ges.m.b.H. gründen und zur Wahrung ihrer Interessen sich Abgaben zurechtstricken? Seitens der Politik ist man ja sichtlich recht angetan von Mascherln zur Geldbeschaffung und man könnte so die Konsumentenrechte stärken, sicher ein paar Gesellschafter zur Übernahme der Gewinnlast finden und gleich ein paar ordentlich bezahlte Jobs schaffen.

Wer eine deutsche Lieferadresse braucht,...

...der darf sich gerne bei mir melden.

Ich leite es auch garantiert weiter. :-)

Alles, was ueber die Grenze nach Oesterreich kommt sind ...

...

Und,

das nennt man EU mit einem sogenannten

--FREIEN WARENVERKEHR--

der EU Bürgern ermöglichen sollte ihre Waren zu kaufen wo Sie wollen. Naja die Hochsteuer-Artikel waren ja schon von vornherein ausgenommen,

tabak Zigaretten Kaffee Spirituosen etc. ja und nun fügen wir noch ein paar Waren hinzu dann noch welche usw.

wir entwickeln uns doch zurück statt voraus.
Wenn die soweiter machen haben wir in 10 Jahren wieder Zölle und Grenzkontrollen.

Antworten Gast: gasti
23.04.2012 16:58
0

Re: Und,

die sporadischen grenzkontrollen sind schon realität

und in deutschland wird man sogar geklagt wenn man aus einem eu land mit niedrigerer mwst was kauft und die differenz nicht an den zoll zahlt

Re: Re: Und,

Ja das mit MWSt in D habe ich auch gehört.

Obwohl hier eigentlich die Rechtslage der EU eindeutig scheint.

MWst ist in dem Land fällig in dem die Ware gekauft wurde, auch wenn im Zielland eine höhere MwSt gelten sollte.

Aber Ö ist ja auch nicht gerade zimperlich.

So darf man z.b. nach Ö keine Zigraretten mitbringen wenn diese keine Warnaufschrift in deutscher Sprache haben. Damit sind defacto die Freimengen z.b. aus Italien auf 0 gesetzt und zwar für alle die durch Ö fahren. Touristen aus D die durch Ö im Transit fahren dürfen auf keine Zig. aus I usw. dabeihaben.

I bestraft alle die Benzin in einem Reservekanister im Auto dabeihaben egal wieviel da drin ist. Strafe 7000 € und das Auto kann konfisziert werden.

Die Eu entwickelt sich langsam zum reisten Irrenhaus. Es sollte doch alles einfacher und gleich werden für die Bürger. Aber inzwischen muss man mehr wissen als vor dem Schengen-Abkommen.


Re: Re: Re: Und,

Eben wegen der Sache mit Italien und Reisekarnistern, führe ich immer eine Waffe mit mir, falls mich ein Mafiosi mal aufhält und das Auto konfiszieren will. Bislang aber haben die Mafiosi noch glück gehabt.
Und was Zigaretten betrifft: Wir wissen sowieso was auf den Warnungen drauf steht, und zwar auswendig. Die Regelung in welcher Sprache es sein soll ist also nichts weiter als der Versuch das EU-Recht umzugehen.

 
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