Deutsche Konzerne bieten Ratingagentur S&P die Stirn

23.04.2012 | 08:58 |   (DiePresse.com)

Es ist beispiellos: Zwölf deutsche Konzerne lehnen sich gegen die weltgrößte Ratingagentur auf. Sie werfen Standard & Poor's Preistreiberei vor.

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Zwölf deutsche Konzerne proben den Aufstand gegen die weltgrößte Ratingagentur Standard & Poor's (S&P). In einem gemeinsam verfassten Brandbrief werfen sie S&P Preistreiberei vor, wie "Financial Times Deutschland" (FTD) berichtet. Der Vorwurf: Der aktuelle Gebührenvorschlag laufe "auf eine Verdopplung der Preise, wenn nicht sogar mehr" hinaus.

Der Brief wurde bereits vor einigen Wochen verfasst und ist beispiellos. Noch nie zuvor haben sich mehrere Konzerne gemeinsam gegen die Preispolitik einer Ratingagentur aufgelehnt.

"Einseitig festgelegte Gebührenordnung"

Damit sie am Markt zu guten Bedingungen Kapital aufnehmen können, benötigen Unternehmen und Staaten gute Ratings der drei großen Agenturen Standard & Poors, Moody's und Fitch, die rund 95 Prozent des weltweiten Bewertungsmarkts dominieren. Bislang wurden daher auch hohe Gebühren akzeptiert, schreibt "FTD". Einige Konzerne würden schon jetzt mittlere sechsstellige Beträge zahlen.

Die deutschen Konzerne stoßen sich vor allem an der Art und Weise, wie ihnen die Preiserhöhung vermittelt wurde. Bei dem neuen Preismodell handle es sich "um eine einseitig festgelegte Gebührenordnung", die "von den Kunden als Faktum hinzunehmen ist".

S&P weist Vorwürfe zurück

Ein S&P-Sprecher weist darauf hin, dass die Gebühren für europäische Konzerne durchschnittlich um weniger als fünf Prozent steigen werden. Allerdings gebe es bei einigen Großkonzernen "potenziell stärkere Erhöhungen".

Unterzeichnet haben den Brief die DAX-Konzerne Bayer, Continental, Daimler, Lufthansa, Deutsche Post, Eon, Henkel, Linde, RWE, Siemens und VW sowie der nicht börsennotierte Medienkonzern Bertelsmann.

(Red.)

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12 Kommentare
Gast: Julia56
24.04.2012 22:03
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Stop Rating Agencies

Eine wichtige Initiative versucht endlich, auf die Gefahr der immer mächtiger werdenen Ratingagenturen aufmerksam zu machen. Auf dieser Seite:

http://www.stopratingagencies.eu

findet ihr übersichtlich gestaltete Zahlen & Fakten zum Thema, wie zum Beispiel:

Fakt #2: Warren Buffet ist der wichtigste Eigentümer der Agentur Moody’s.

Moody‘s ist die Dachgesellschaft von Moody’s Investors Service, der Ratingagentur, und Moody’s Analytics, spezialisiert auf Risikomanagement-Software. Größter Aktionär ist Warren Buffet mit der Holding „Berkshire Hathaway“, die 12,47 Prozent der Aktien hält. Zweitgrößter Aktionär ist „Capital World Investors“ mit ebenfalls knapp über 12,38 Prozent. Weitere GroßaktionärInnen sind andere am Finanzmarkt tätige GroßinvestorInnen und Fonds. Die größten zehn AktionärInnen halten mehr als die Hälfte der Anteile.

Es geht darum, politische Gestaltungsmacht endlich wieder zurückzugewinnen, und nicht irgendwelchen dubiosen Ratingagenturen die Entscheidungen zu überlassen!

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Gut so

Da brauchen sich die Ratingagenturen nicht zu wundern. Haben sie aus dem englischen "raten" (bewerten) doch nur allzuoft das deutsche "Raten" gemacht. Denn auf viel zu viele undurchschaubare Finanzprodukte und unsolide Staatsanleihen von Pleiteländern wurde unkritisch das Triple-A draufgepickt. Paradebeispiel war die Investmentbank Lehman Brother die am Vortag der Pleite noch mit der Bestnote bewertet war. Auch Griechenland wurde ja erst langsam über mehrere Monate nach unten geratet, als eigentlich schon jedem klar war, dass es pleite ist. Wer da die Bonitäten wirklich nur riet (also schätzte) war oft besser dran, wie beim blinden Verlassen auf Topratings erstellt von angeblichen Topanalysten mit Durchblick.
Dass sich nun Firmen dagegen zu wehren beginnen ist verständlich. Denn wer Schrott bietet, kann eben keine Premiumpreise verlangen.

Gast: Pilot
23.04.2012 20:16
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Wie bitte? Die Firmen zahlen für Ihr Rating?

Das ist das erste Mal das ich das höre, und es bringt mir ein ganz neues Licht auf diese Ratinggeschichte!
LH z.B. hat zwar ein sogenanntes Investmentgraderating, aber am unteresten Rand! Wenn dies nicht unabhängig, sondern gegen Bezahlung erteilt wurde, dann ist es ja noch weniger Wert, als ohnehin schon! Dann ist dieses Rating ja eher deswegen vorhanden, DAMIT LH zahlt, denn wenn Sie kein Rating bekommen hätten, dann würde auch keine Rechnung der Agentur fällig!
Ergo erteilt die Agentur ein Rating, und kassiert!
Das ist so ähnlich wie diese "Who´s´Who" Werke, in die man sich überall einkaufen kann, um dann von sich zu behaupten, man wäre wer!
Unglaublich in welcher Welt wir heutzutage leben!!

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Re: Wie bitte? Die Firmen zahlen für Ihr Rating?

Die Firmen müssen sich meist raten lassen, denn nur gegen Vorlage eines Ratings erhalten sie Kredite. Natürlich verlangen die Ratingagenturen für diese Dienstleistung Geld.

Wie soll ein unabhängiges, unentgeltliches Rating zustandekommen? Eine staatliche Ratingagentur wäre genausowenig unabhängig und würde im Fall der EU den Pleitestaat Griechenland wohl heute noch als Triple-A benoten.

Gast: ecoComics
23.04.2012 18:10
4 0

der Auswuchs des Kapitalismus: Ratingsagenturen

. . . das sollte das Metier der Banken sein.
Großbanken zerschlagen!

Rating

Zahlt diesen amerikanischen Verbrechern überhaupt nichts mehr.
Ist doch alles nur eine geschobene Geschichte, um das Großkapital zu fördern

Gast: Die Brüder Barroso
23.04.2012 11:33
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Zwölf deutsche Konzerne lehnen sich gegen die weltgrößte Ratingagentur auf.

Schön langsam scheint Europa erwachsener zu werden.

Re: Zwölf deutsche Konzerne lehnen sich gegen die weltgrößte Ratingagentur auf.

1. Wie Wawa Redolfi bereits schrieb wird hier ja nicht das Rating als solches kritisiert, sondern einzig die Höhe der Gebühren.

2. Entsprechende deutsche Konzerne mögen vielleicht die größten innerhalb Europas sein, aber deswegen sprechen sie ja nicht im Namen anderer EU-Unternehmen. ^^

Ein bedeutungsloser Streit.

Die Konzerne haben sich doch nicht gegen das Prinzip der Kreditwürdigkeitbeurteilung ausgesprochen. Gleichzeitig scheiterten Europäer mit der Gründung der eigenen Ratingagentur.

Antworten Gast: Bahia
23.04.2012 12:30
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Re: Zwölf deutsche Konzerne lehnen sich gegen die weltgrößte Ratingagentur auf.

Es wurde ja auch Zeit. Hoffentlich macht es Schule und wir verbieten dieses Rating in Europa. Bzw. erklären es für ungültig, nichtig.

Gast: josa mario branca
23.04.2012 11:08
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Endlich wehren sich die Europäer

Die merken jetzt mal das die USA einen Wirtschaftskrieg gegen Europa begonnen hat.
Ja es ist immer gut von den eigenen Problemen abzulenken. Nur weiter so

Gast: trader1
23.04.2012 09:32
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wos wao mei leistung :-)?

rechnen wir es durch .. drei analysten eine woche (sollte ja wohl reichen um sich die wirtschaftsprüfungsberichte durchzulesen, sich die strategiepapierl vom vorstand durchzulesen und mit dennen drei stunden zu reden ... )
ein tag sagen wir weil es ganz wichtige sind 2000 euro * 3 = 6000 * 5 Tage = 30000 ...

dann sagen wir noch einen riesen gewinnaufschlag von weil es ganz wichtige sind von 300%. das sind halt wenn man aufrundet 100000 euro ..
aber beträge jenseits der million euro :-):-)???

gilt übrigens für das rating von staaten genauso, da ist auch nicht so viel mehr aufwand
dahinter :-)

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