Norwegen: Eine Rose für Anders Breiviks Mutter

23.04.2012 | 17:47 |  Von unserem Korrespondenten Hannes Gamillscheg (Die Presse)

Im Kreuzverhör am Montag entblößt der Attentäter von Oslo weiterhin seine Kälte und seinen Größenwahn. Rund um das Gerichtsgebäude in der norwegischen Hauptstadt wächst das Blumenmeer der Trauernden an.

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Oslo. Das Rosenmeer ist zurück. Es hat nicht die Ausmaße wie nach den Attentaten des 22. Juli, als ganz Oslo von Blumen übersät war. Aber aus den Hunderten, die die Umzäunung des Gerichtsgebäudes in der norwegischen Hauptstadt in den ersten Prozesstagen schmückten, sind Tausende geworden.

Lizelle Vatndal hat 77 gelbe Rosen mitgebracht und an das Gitter gebunden. Jede ist mit einem Zettel mit einem Namen versehen, 77 Rosen für die 77 Opfer des rechtsradikalen Massenmörders Anders Breivik. Auf einem Zettel steht Benedikte Vatndal, das war ihre kleine Schwester, erschossen auf Utøya. „Erst jetzt gehen mir die Dimensionen des Verbrechens auf“, sagt Lizelle, „bisher hatte ich mich nur auf meine eigene Sorge konzentriert.“

Eine Rose unterscheidet sich aber von den anderen, sie ist rosa und der Frau gewidmet, die in diesen Wochen vielleicht noch mehr leidet als alle, die ihre Kinder verloren haben. „Liebe Frau Breivik“, steht da, „wir halten einander an den Händen. Hinterbliebene, Angehörige und Mitmenschen.“

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Halbherzige Entschuldigung

Deren Sohn saß auch am Montag wieder im Kreuzverhör der Ankläger und fügte dem Bild seiner Kälte und seines Größenwahns neue Dimensionen hinzu. „Auch ich habe am 22. Juli meine Familie und meine Freunde verloren. Der einzige Unterschied war, dass ich dies wählte“, erwiderte er auf die Frage, ob er verstehen könne, was die Angehörigen der Opfer fühlen.

An jene, die zufällig das Regierungsgebäude passierten und von der Bombe getötet oder verletzt wurden, richtete er eine „große Entschuldigung“. Doch als Staatsanwältin Inga Bejer Engh nachhakte und wissen wollte, ob dies auch für die Familien der anderen Opfer gelte, kam ein klares „Nein“. Es habe zu diesem Zeitpunkt „kein besseres Ziel“ gegeben als das Sommerlager der sozialdemokratischen Jugend AUF.

Zwar gebe es viele Menschen, „die den Tod mehr verdienten als die AUFer“, etwa Politiker und Journalisten, sagte er. Doch unter den Jugendlichen habe eine große Zahl Führungsaufträge gehabt, und die auf Utøya anwesenden Samariter der „Norwegischen Volkshilfe“ seien „Teil der Asyllobby“. Daher seien sie alle „legitime Ziele“ gewesen. Er habe sich selbst indoktriniert, seine politischen Gegner als „Monster“ zu sehen. Zu wissen, dass auch sie Menschen seien, mache seine Tat „so grausam“. Doch er würde es wieder tun. Sein Argument ist die „unerträgliche Ungerechtigkeit“, in der er sich im multikulturellen Norwegen wähnt.

Fasziniert von Islamisten

Zu den „Forderungen“, die Breivik ursprünglich stellte, um überhaupt vor Gericht auszusagen, zählte die Auflösung des Parlaments und die Einsetzung eines „Wächterrats“ militanter Nationalisten, mit ihm selbst an der Spitze. Jetzt, da es seine höchste Ambition ist, als zurechnungsfähig eingestuft zu werden, lehnte er es ab, die Forderungsliste zu kommentieren.

Sie sei heutzutage „völlig unrealistisch“, müsse dies jedoch nicht bleiben. „Vor zehn Jahren hätte auch niemand geglaubt, dass im Nahen Osten militante Islamisten regieren würden“, bewies Breivik erneut seine Faszination für radikal islamistische Bewegungen.

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10 Kommentare

der ist nichts

anderes al ein "gegenstück" zu radikale is lam isten...nur schlauer und besser vorbereitet..... !

Gast: Johan C.
24.04.2012 12:09
2

Um Breivik zu "verstehen",

muß man die tiefsten seiner Wurzeln anschauen.

Wie ist er aufgewachsen? Welches Umfeld?
Das hier sagt vieles aus, z.B:
http://m1.krone.at/krone/S28/object_id__274296/hxcms/rssmobile.html
(gut, die Info kommt von der Krone, aber sie gibt ungefährt einen Deut, in welche Richtung es geht).

Breivik lebt in seiner (Alb-)Traumwelt, weil er mit der realen nicht zurechtkommt.

Wer sonst hätte ein Motiv, sich selbst zum "Ritter" zu schlagen? Ich kenne jemanden, der auch zu solchen Ansichten neigt - er ist extrem unglücklich mit seinem Leben, permanent unzufrieden, zwischen Selbstbeschuldigung und Schuldzuweisungen - manchmal äußert er sich furchterregend, aber nicht in der Ich-Form. Aber auch er spricht über "die Größten", "die Stärksten", "Ritter" etc.

Eigentlich ist der Prozess gegen Breivik vollkommen wertlos - es ist wie ein Prozess gegen einen emotional Behinderten.

Interessant wären die Aussagen des Umfelds von Breivik dazu - Aussagen der Mutter, des Vaters, des Stiefvaters... dann würde vielleicht auch die Öffentlichkeit verstehen.

Antworten Gast: Moons
24.04.2012 17:06
1

Re: Um Breivik zu "verstehen",

Die haben nur vergessen zu erwähnen der Vater war/ist ein reicher Sozialist (erklärt auch das Ziel des sozialistischen Jugendlagers) und die Mutter war/ist eine Emanze - von der typischen Patchworkfamilie aufgrund Scheidung & Co. mal ganz abgesehen - stand in der Presse übrigens viel besser als im Krone Blattl...

Gast: Valery
24.04.2012 11:00
0

Dieser Prozess ist eine tolle Bühne für diesen Verbrecher

Medien sollten "verantwortungsvoll" berichten. Was tatsächlich geschieht ist, dass jedes Wort des Massenmörders in die ganze Welt verbreitet wird. Sicher gibt es genugGgestörte, dies sich ihn als "Held" zum Vorbild nehmen.
Hoffentlich kommt keiner auf die Idee, ihn zu kopieren.

Gast: Saiffenstayn
24.04.2012 10:06
3

nur so weiter ....

Je mehr er (Blödsinn) redet und je mehr Menschen davon hören ...
umso m,ehr "schadet er der SACHE, für die er all das angestellt hat"

Denn da müssen doch Vielen "die Augen aufgehen" ...

wohin solche Ideen die Welt bringen ....


Gast: Demokratius
24.04.2012 07:38
13

bewies Breivik erneut seine Faszination für radikal islamistische Bewegungen

Was diese Radikalen so planen:
11. Israel (the Gaza strip, the West bank and Jerusalem)
- Assist Israel in deporting all Muslim Syrians (also referred to as “Palestinians”) from the
Gaza strip, the West bank and Jerusalem. These territories will be included in Israel.
However, Jerusalem will come under joint Christian-Jewish administration.
- Demolish the abomination known as the Al-Aqsa mosque and the Dome of the Rock in
Jerusalem and rebuild the Temple of Salomon – the Third Temple as described in the
Book of Ezekiel, chapters 40-42. The Third Temple will become a place of worship for
both Jews and Christians. The Dome of the Rock is regarded as occupying the actual
space where the Temple once stood.
- Jerusalem will once again become a city shared by Christians (50%) and Jews (50%).
(S. 1320)
http://ia700700.us.archive.org/33/items/2083_A_European_Declaration_of_Independence/2083_A_European_Declaration_of_Independence.pdf

Gast: Ösi
23.04.2012 21:27
3

Grundsätzlichmuss ich jetzt festhalten: die Mutter kann nichts dafür! Sie hatte nie ein Recht auf ihr Kind. So wie überall!

Und die Mutter in die Geschichte reinzuziehen ist eine Frechheit!
Vom wem auch inszeniert: eine Frechheit!
Der Staat hat zu garantieren, weil wir Bürger unser Recht auf Verteidigung abgegeben haben. Der Staat garantiert, der Staat haftet,
Egal was Breivik bekpommt. Unabhängig davon haftet der Staat.
Kein anderer. Kein Opfer hat ein Vertragsverhältnis mit dem Anders, nur mit dem Staat!

so schats aus!
Ösenpower

Gast: badeschwamm
23.04.2012 17:57
1

Ich verstehe nicht,

warum Breiviks Meinung zu den psychiatrischen Gutachten von irgendeiner Bedeutung sein soll.

Traurig die ganze Sache

Glaubt der er ist der Erlöser?

Antworten Gast: mysterium
23.04.2012 18:05
3

Re: Traurig die ganze Sache

Er war Freimaurer.

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