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Wal-Mart: In den Fängen der Korruption

24.04.2012 | 12:01 |  Von unserem Korrespondenten THOMAS VIEREGGE (Die Presse)

Mit Schmiergeldzahlungen von 24 Mio. Dollar soll der Handelsriese Wal-Mart sein Imperium in Mexiko ausgebaut haben. Der Kurs fiel prompt, die Börsenaufsicht SEC ermittelt.

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[Washington] Seit Monaten wussten Michael Duke und seine Vorstandskollegen in der Walmart-Zentrale in Bentonville in Arkansas, was auf sie zukommen würde. Aufgescheucht von Recherchen von „New York Times“-Reportern über eine Bestechungsaffäre in Mexiko suchten sie bereits im Dezember die Kooperation mit den Justizbehörden und der berüchtigten Börsenaufsicht SEC in den USA, die auch prompt Ermittlungen einleiteten.
Als das Blatt dann am Sonntag in großer Aufmachung drei Seiten lang über den Korruptionsskandal berichtete, blieb nur noch ein Tag, um das Schlimmste zu verhindern. Der Imageschaden war indes bereits angerichtet. An der Wall Street trat tags darauf das Unvermeidliche ein: Der Kurs des weltweit größten Handelsunternehmens an der New Yorker Börse brach angesichts der schlechten Presse um fünf Prozent ein. Und Michael Duke und Konsorten flatterte eine Vorladung für ein Kongress-Hearing in Washington ins Büro.

Schmutzige Praktiken

Im September 2005 hatte ein ehemaliger führender Mitarbeiter von Walmart-Mexiko, der größten Tochter der Handelskette, per E-Mail die Rechtsabteilung in der Konzernzentrale alarmiert und die schmutzigen Praktiken der Marketingoffensive südlich des Rio Grande in ihrer ganzen Dimension demaskiert. Walmart lancierte eine interne Untersuchung, die ein finsteres Bild ergab. Um rasch an Baugenehmigungen zu gelangen und Konkurrenten auszustechen, flossen insgesamt 24 Millionen Dollar an Schmiergeldzahlungen an Lokalpolitiker. Aus Angst vor einer weiteren Welle an negativen Medienberichten hielt das Hauptquartier die Ergebnisse jedoch unter Verschluss. Wegen niedriger Löhne, der teils üblen Behandlung ihrer Mitarbeiter und ruppiger Geschäftsmethoden ist das Unternehmen mehrfach am Pranger der Gewerkschaften und der Öffentlichkeit gestanden.

Walmart beförderte Eduardo Castro-Wright, den Chef der Mexiko-Tochter, sogar zum Vizepräsidenten. Der gebürtige Ecuadorianer war die treibende Kraft der aggressiven Wachstumsstrategie in Mexiko. Heute zählt der Konzern beim südlichen Nachbarn mehr als 200.000 Mitarbeiter, ein Fünftel aller Filialen befindet sich in Mexiko. In Castro-Wright dürfte Walmart also den „Sündenbock“ gefunden haben. Zufall oder nicht: Im Vorjahr hat er für Juni 2012 schon seinen Rückzug angekündigt. Der Skandal dürfte sich jedoch auf eine Reihe weiterer hochrangiger Manager ausweiten, die zumindest Kenntnis davon hatten. Auch Michael Duke, damals zuständig für das Auslandsgeschäft, wurde 2005 informiert.

Walmart hat indessen zwei Anwaltskanzleien mit dem Fall betraut, die den Schaden minimieren sollen. Dem Unternehmen droht eine hohe Strafe. Gemäß eines weit gefassten Korruptionsgesetzes können das Justizministerium und die Börsenaufsicht SEC auch Bestechung von US-Firmen im Ausland ahnden – ebenso wie die von ausländischen, börsenotierten Unternehmen in den USA. Insbesondere der deutsche Siemens-Konzern machte 2006 schmerzhaft Bekanntschaft mit dem Gesetz, gegen das die US-Handelskammer seit Jahren ankämpft. Im Zuge eines groß angelegten Korruptionsskandals zahlte der Münchner Konzern allein in den USA eine Strafe von 800 Mio. Dollar. Der langjährige Siemens-Chef Heinrich von Pierer und sein Nachfolger Klaus Kleinfeld verloren ihre Jobs.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.04.2012)

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3 Kommentare
Gast: People Of Walmart
24.04.2012 12:39
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„Die gnadenlose Ausbeutung des schwachen Arbeitrechts in den USA durch das Unternehmen Wal-Mart vereitelt die Gründung von Gewerkschaften und verletzt die Rechte seiner amerikanischen Arbeiter“, so Human Rights Watch in ihrem am 1. Mai 2007 erschienenen 210 Seiten langen Bericht „Discounting Rights: Wal-Mart’s Violation of US Workers’ Right to Freedom of Association”. Von zentraler Bedeutung, so der Bericht, sei das Ausmaß und die Aggressivität an Gewerkschaftsfeindlichkeit. Das Verhalten des Unternehmens sei auch deshalb besonders bedenklich, weil es sich um das zweitgrößte Unternehmen der Erde handle.

Im Dezember 2005 wurde Wal-Mart von einem Gericht in Kalifornien zu einer Zahlung in Höhe von 57 Millionen Dollar verurteilt. Das Geld geht an 116.000 frühere und derzeitige Mitarbeiter, denen Wal-Mart eine vorgeschriebene 30-minütige Pause verwehrte. Des Weiteren wurde Wal-Mart zu einer Strafzahlung in Höhe von 115 Millionen Dollar verurteilt, weil das Unternehmen den Mitarbeitern keine Mittagspause zugestand.

Im Oktober 2006 wurde der Konzern aufgrund unbezahlter Mehrarbeit zu einer Zahlung von 78,5 Millionen Dollar an seine Mitarbeiter im US-Bundesstaat Pennsylvania verurteilt. Nach Medienberichten sind weitere 70 Verfahren anhängig.

Derzeit laufen über 1000 weitere Verfahren gegen die Kette wegen mutmaßlicher Verstöße gegen das Arbeitsschutzrecht.

Ein Berufungsgericht in San Francisco hat eine Sammelklage von 1,6 Millionen Frauen wegen sexueller Diskriminierung gegen die Einzelhandelskette Wal-Mart für zulässig erklärt.

Walmart hatte in der Vergangenheit immer wieder mit dem Tod von Kunden für Schlagzeilen gesorgt. So wurde unter anderem eine 37-jährige Kundin der Walmart-Filiale in Jingdezhen, Jiangxi (China) zu Boden geschlagen weil sie ihren Kassenbon nicht vorzeigen wollte. Sie erlag drei Tage später ihren Verletzungen. In Houston, Texas, wurde ein Mann von Walmart-Mitarbeitern zu Boden gedrückt und gefesselt, er starb wenig später am Boden liegend durch einem Herzinfarkt.

ziemlich spastischer kommentar - ausser haltlose anschuldigungen und walmart-bashing nichts dahinter

walmart ist eines der groessten arbeitgeber in nord-amerika. die zahlen auch einen guten brocken an steuern bzw die leute, die dort beschaeftigt sind zahlen ihrerseits wieder steuern.
desweiteren sind walmart's nicht gerade klein, die zahlen daher auch jede menge an property taxes an den jeweiligen bezirk (county, ausser in louisiana, wo es parishes gibt - das ist aber eine andere story) welcher dann wieder damit die infrastruktur in dem bezirk finanziert.

desweiteren (jetzt wirds volkswirtschaftlich) hat walmart eine "best price garantie" - garantiert also die niedrigsten preise fuer alle produkte - wenn man ein produkt bei der konkurrenz guenstiger findet, kann bekommt man die differenz erstattet. das fuehrt dazu, dass man bei walmart am guenstigsten einkaufen kann als konsument und hat am wenigsten opportunitaetskosten, weil selbige produkte nicht bei der konkurrenz fuer mehr kohle gekauft werden muessen und man hat somit mehr frei verfuegbaren cash flow.
dieser cash flow kann zum konsum von anderen guetern eingesetzt werden und kurbelt somit wieder die wirtschaft an.

ein homogener kreislauf

Antworten Gast: trader1
24.04.2012 21:15
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Re: „Die gnadenlose Ausbeutung des schwachen Arbeitrechts in den USA durch das Unternehmen Wal-Mart vereitelt die Gründung von Gewerkschaften und verletzt die Rechte seiner amerikanischen Arbeiter“, so Human Rights Watch in ihrem am 1. Mai 2007 erschienenen 210 Seiten langen Bericht „Discounting Rights: Wal-Mart’s Violation of US Workers’ Right to Freedom of Association”. Von zentraler Bedeutung, so der Bericht, sei das Ausmaß und die Aggressivität an Gewerkschaftsfeindlichkeit. Das Verhalten des Unternehmens sei auch deshalb besonders bedenklich, weil es sich um das zweitgrößte Unternehmen der Erde handle.

interessanter kommentar ...falls es sie beruhigt, die werden gerade von der börse ordentlich zerrissen, .. und das tut dennen mehr weh, wie ein paar millionen dollar strafe ..

Hobbyökonom