Eine Serie von Hiobsbotschaften erschüttert Spanien

Die Ratingagentur S&P stuft Spanien herab. Die Arbeitslosigkeit klettert mit 24,4 Prozent auf einen Rekordstand, was zu vielen Kreditausfällen führt.

Eine Serie Hiobsbotschaften erschuettert
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Eine Serie Hiobsbotschaften erschuettert
(c) AP (Alvaro Barrientos)

Madrid/Ju/Red./Ag. Spanien stürzt rasant in die Krise: Donnerstagabend senkte die Ratingagentur Standard & Poor's ihr Länderrating von „A“ auf „BBB+“, womit das Land nur noch wenige Stufen vom Ramschstatus entfernt ist. Freitagfrüh wurden zudem erschreckende Arbeitsmarktdaten bekannt: Die Arbeitslosigkeit steigt weiter, schon jeder vierte Spanier ist ohne Arbeit. Und unter den jugendlichen hat die Arbeitslosenrate mit 52 Prozent einen traurigen Höhepunkt erreicht.

 

Neue Bankenkrise droht

Das nährt Befürchtungen, dass die nächste Bankenkrise auf der iberischen Halbinsel nur noch einen Schritt entfernt ist. Denn Spanien ist ein Eigentümer- und kein Mieterland. Die hohe Arbeitslosigkeit führt aber dazu, dass immer mehr Spanier ihre Wohnungs- und Hauskredite nicht mehr bedienen können. Das bringt die Banken, die Immobilienkredite im mittleren dreistelligen Milliardenbereich „draußen“ haben, in die Bredouille. Das Volumen der „faulen“ Immobilienkredite liegt schon jenseits von 80 Mrd. Euro – und wächst schnell weiter. Experten rechnen deshalb damit, dass der Staat den Banken bald wieder mit Milliardenhilfen aushelfen wird müssen.

 

35 Prozent Arbeitslose in Ceuta

Erschreckend ist jedenfalls die Lage auf dem spanischen Arbeitsmarkt. Mit Ausnahme der nordostspanischen Industrieregionen (Baskenland, Navarra) liegt die Arbeitslosenrate überall über 20 Prozent. In vier Regionen, nämlich in Andalusien, Extremadura, den kanarischen Inseln und in Ceuta hat die Rate schon 30 Prozent überschritten. Am schlimmsten sieht es in der nordafrikanischen Enklave Ceuta aus, wo 35 Prozent arbeitslos sind. Dramatisch ist die Lage auch in der stark landwirtschaftlich und touristisch geprägten Provinz Andalusien (eine Region, die hinsichtlich Fläche und Einwohnerzahl immerhin ungefähr Österreich entspricht), in der 33,17 Prozent Arbeitslose gezählt werden.

Fast aussichtslos ist die Lage der jungen Spanier, die im Landesschnitt mit 52 Prozent Arbeitslosenrate kämpfen. In den Problemregionen sind bis zu zwei Drittel der Jungen ohne Job. Und: In Spanien leben bereits 1,7 Millionen Familien, in denen kein einziges Familienmitglied mehr Arbeit hat. Zum Vergleichszeitraum des Vorjahres ist das eine Steigerung um 342.000 oder 24,7 Prozent.

Entsprechend deprimierend klangen am Freitag die Kommentare spanischer Politiker: Nachdem die Regierung in Madrid am Vorabend noch heftig die Abstufung durch S&P kritisiert hatte („die Reformen sind nicht ausreichend berücksichtigt“), sagte Außenminister Garcia–Margallo am Freitag, die Zahlen seien „furchtbar für jeden und furchtbar für die Regierung“.

 

Reform wirkt noch nicht

Die Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy geht davon aus, dass ihre Arbeitsmarktreform den Trend bis zum nächsten Jahr stoppen und vielleicht sogar drehen wird. Die Arbeitsmarktreform erleichtert den Unternehmen das Einstellen und das Kündigen von Arbeitnehmern.

Vorerst geht es aber erst einmal weiter nach unten, denn bisher machen die Unternehmen vor allem von den erleichterten Kündigungen gebrauch.

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Grafik: Die Presse

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.04.2012)

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