Eine Serie von Hiobsbotschaften erschüttert Spanien

27.04.2012 | 19:11 |   (Die Presse)

Die Ratingagentur S&P stuft Spanien herab. Die Arbeitslosigkeit klettert mit 24,4 Prozent auf einen Rekordstand, was zu vielen Kreditausfällen führt.

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Madrid/Ju/Red./Ag. Spanien stürzt rasant in die Krise: Donnerstagabend senkte die Ratingagentur Standard & Poor's ihr Länderrating von „A“ auf „BBB+“, womit das Land nur noch wenige Stufen vom Ramschstatus entfernt ist. Freitagfrüh wurden zudem erschreckende Arbeitsmarktdaten bekannt: Die Arbeitslosigkeit steigt weiter, schon jeder vierte Spanier ist ohne Arbeit. Und unter den jugendlichen hat die Arbeitslosenrate mit 52 Prozent einen traurigen Höhepunkt erreicht.

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Neue Bankenkrise droht

Das nährt Befürchtungen, dass die nächste Bankenkrise auf der iberischen Halbinsel nur noch einen Schritt entfernt ist. Denn Spanien ist ein Eigentümer- und kein Mieterland. Die hohe Arbeitslosigkeit führt aber dazu, dass immer mehr Spanier ihre Wohnungs- und Hauskredite nicht mehr bedienen können. Das bringt die Banken, die Immobilienkredite im mittleren dreistelligen Milliardenbereich „draußen“ haben, in die Bredouille. Das Volumen der „faulen“ Immobilienkredite liegt schon jenseits von 80 Mrd. Euro – und wächst schnell weiter. Experten rechnen deshalb damit, dass der Staat den Banken bald wieder mit Milliardenhilfen aushelfen wird müssen.

 

35 Prozent Arbeitslose in Ceuta

Erschreckend ist jedenfalls die Lage auf dem spanischen Arbeitsmarkt. Mit Ausnahme der nordostspanischen Industrieregionen (Baskenland, Navarra) liegt die Arbeitslosenrate überall über 20 Prozent. In vier Regionen, nämlich in Andalusien, Extremadura, den kanarischen Inseln und in Ceuta hat die Rate schon 30 Prozent überschritten. Am schlimmsten sieht es in der nordafrikanischen Enklave Ceuta aus, wo 35 Prozent arbeitslos sind. Dramatisch ist die Lage auch in der stark landwirtschaftlich und touristisch geprägten Provinz Andalusien (eine Region, die hinsichtlich Fläche und Einwohnerzahl immerhin ungefähr Österreich entspricht), in der 33,17 Prozent Arbeitslose gezählt werden.

Fast aussichtslos ist die Lage der jungen Spanier, die im Landesschnitt mit 52 Prozent Arbeitslosenrate kämpfen. In den Problemregionen sind bis zu zwei Drittel der Jungen ohne Job. Und: In Spanien leben bereits 1,7 Millionen Familien, in denen kein einziges Familienmitglied mehr Arbeit hat. Zum Vergleichszeitraum des Vorjahres ist das eine Steigerung um 342.000 oder 24,7 Prozent.

Entsprechend deprimierend klangen am Freitag die Kommentare spanischer Politiker: Nachdem die Regierung in Madrid am Vorabend noch heftig die Abstufung durch S&P kritisiert hatte („die Reformen sind nicht ausreichend berücksichtigt“), sagte Außenminister Garcia–Margallo am Freitag, die Zahlen seien „furchtbar für jeden und furchtbar für die Regierung“.

 

Reform wirkt noch nicht

Die Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy geht davon aus, dass ihre Arbeitsmarktreform den Trend bis zum nächsten Jahr stoppen und vielleicht sogar drehen wird. Die Arbeitsmarktreform erleichtert den Unternehmen das Einstellen und das Kündigen von Arbeitnehmern.

Vorerst geht es aber erst einmal weiter nach unten, denn bisher machen die Unternehmen vor allem von den erleichterten Kündigungen gebrauch.

Grafik: Die Presse

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.04.2012)

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  • Minister: "Spanien in einer Krise enormen Ausmaßes"

    S & P stuft Spanien herab / Bild: Reuters Spanies Rating wurde um zwei Stufen gesenkt, die Arbeitslosigkeit steigt weiter an. "Die Zahlen sind furchtbar", so der spanische Außenminister.

  • Standard & Poor's stuft Spanien herab

    Angesichts der schwachen Wirtschaftskraft sei es wahrscheinlich, dass sich die Haushaltsprobleme des Landes weiter verschärften, hieß es zur Begründung in New York. Die Kreditwürdigkeit sei daher von "A" auf "BBB+" gesenkt worden.

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    Bild: Josef Bollwein Die Ratingagentur Fitch hat Großbritannien das "AAA" aberkannt. "DiePresse.com" zeigt, wie unterschiedlich Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit in den USA und den einzelnen EU-Staaten bewerten.

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    Bild: (c) Die Presse (Clemens Fabry) Ratingagenturen erstellen keine objektiven Urteile, sagt der deutsche Ökonom Karl-Heinz Brodbeck. Je mehr Geld ein Rating bringt, desto besser ist die Note. Der "Presse" erklärt er, wie ein besseres Rating aussieht.

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71 Kommentare
 
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Arbeitsmarktreform

"Die Arbeitsmarktreform erleichtert den Unternehmen das Einstellen und das Kündigen von Arbeitnehmern."
Mag schon gut für die Statistik sein, aber nicht unbedingt für die Arbeitsbedingungen.

Man könnte die Arbeitszeit senken. ..

... die Löhne anheben Pragmatisierung auch in der Privatwirtschaft und einen Mindestlohn einführen.
Lt. ÖGB macht uns das wohlhabender und sichert die Arbeitsplätze.

Re: Man könnte die Arbeitszeit senken. ..

sorry, aber:
alle diese punkte hat spanien schon längstens umgesetzt....

Arbeitet dort überhaupt noch wer?


Jeder wusste

Spanien ist genauso ein Land wie Griechenland. Sind auch im Sueden und schlafen gerne und lange. Dafuer wird in der Nacht getanzt und gefeiert. Wen wunderts ?
Das einzige : Ihr duerft wieder zahlen, wie schon gehabt. Immer und immer mehr. Aber dafuer seid Ihr ja in der EU, das Privileg hat schliesslich nicht jeder!

Jetzt sind alle wieder überrascht und machen auf erschüttert!

Wer nicht nur Mainstreammedien liest wusste das bereits vor einem Jahr dass Spanien an der Reihe sein wird. Ebenso bald Belgien, aber psssst, nicht weitersagen, soll ja wieder eine Überraschung sein, lol

wusste das bereits vor einem Jahr

Das war schon bei der Einführung des Euros vorherzusehen, daß genau dies eintreffen wird. Aber aus vorgeschobenen "politischen Notwendigkeiten" hat man eben den Sachverstand ausgeschaltet und sich gedacht "wird schon gehen und wenn nicht, dann bin ich hoffentlich schon im Ruhestand!"
Erstaunlich ist bestenfalls die Geschwindigkeit wie die Eurozone zerbrökelt und das trotz Finanzhilfen aus EU, Banknotenpresse und politischem Wohlwollen!

Re: Jetzt sind alle wieder überrascht und machen auf erschüttert!

Ich muss zugeben, ich bin tatsächlich überrascht; nicht, dass Spanien wirtschaftliche Probleme hat - das war schon lange bekannt und damit auch die Entwicklung absehbar.

Es ist aber etwas anderes, von einer Immobilienblase und hoher Staatsverschuldung zu lesen - oder von 52 % Jugendarbeitslosigkeit. So schlimm habe ich es mir nicht vorgestellt. Das macht einen als Vater dann doch nachdenklich.

Re: Re: Jetzt sind alle wieder überrascht und machen auf erschüttert!

Also es ist schon gut 20 Jahre her. Da waren in Spanien, wegen irgend welcher Schwierigkeiten, Ausschreitungen. Jedenfalls haben unsere Medien davon berichtet und da wurde so nebenbei erwähnt, daß die Jugendarbeitslosigkeit bei ca. 50 % liegt.
Also so neu ist dieses Problem in Spanien gar nicht!

Antworten Antworten Gast: Tempa
28.04.2012 18:14
3

Re: Re: Jetzt sind alle wieder überrascht und machen auf erschüttert!

Eigentlich sollte wirklich niemand überrascht sein.
Ein Artikel von 2010:
http://www.wirtschaftsfacts.de/?p=4561

Anscheinend baute Spanien im letzten Jahrzehnt teilweise pro Jahr mehr Wohnungen als Deutschland,England und die Niederlande zusammen.Absehbar, wann auf jedem Spanier 2 Wohnungen/Häuser gekommen wären.
Eigentlich müsste(wie im Fall Gr.) jedermann klar gewesen sein, das das Irrsinn war.Natürlich profitierte bis vor einiger Zeit praktisch jeder davon.Bauern verkauften für viel Geld Land.Architeken planten,Bauarbeiter bauten,Makler verkauften, Banken vergaben Kredite und viele andere verdienten mit.Und überall verdiente auch der Staat mit.
Die Politiker hätten es wissen müssen, aber gerade die waren die Könige der Narren:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,459762,00.html

Eigentlich hätten unzählige (spanische und internationale) Ökonomen schon seit vielen Jahren auf diese Dinge hinweisen müssen.Aber eigentlich will niemand im Boom vor dem Platzen der Blase sich äussern oder auf die spärlichen Warnungen hören:
http://www.welt.de/print/wams/finanzen/article13450713/Die-Blase-die-keiner-sehen-will.html

Re: Re: Jetzt sind alle wieder überrascht und machen auf erschüttert!

Genauso

Re: Re: Jetzt sind alle wieder überrascht und machen auf erschüttert!

wer spanien kennt, wusste ja, dass arbeitsmarkt und baubranche dort dasselbe sind. nachdem jetzt absolut nichts mehr gebaut wird, war ja klar das die arbeitslosigkeit explodieren würde...
sonst gibts ja dort nichts zu tun, ausser im tourismus. und da haben sie gewaltig abgebaut in den letzten jahren... analog zu griechenland wurde das land für das gebotene einfach viel zu teuer.

liesse sich aber übernacht remedieren... einfach die pesete zurückholen, 30% abwerten (daran führt ohnehin kein weg vorbei), und sofort wären nicht nur die bestehenden müll-immobilien leistbar (sind ja "nur" stücker 6 mio. und wurden ja für uns nordlichter gebaut), sondern auch die lohnkosten wo sie hingehören.

aber das wird erst nach dem crash geschehen, leider....

Re: Re: Re: Jetzt sind alle wieder überrascht und machen auf erschüttert!

Die Spanischen Abzocker haben Milliarden von EU Geldern verpulvert ( mit Ihren Freunden - und gemeinsam kassiert.
Der Staat ist pleite weil die Politiker das Geld zusammen mit Ihren Spezis abkassierten, jedes Projekt - noch mehr Kohle fuer alle beteiligten. Jetzt kommt die grosse Erkenntnis der Bevoelkerung. Das Geld ist bereits in sicheren Anlagehaefen in Bermuda, Cayman, Antigua, Panama. Und der Europaeische Steuerzahlertrottel muss wieder herlangen. Hihi

Re: Re: Re: Re: Jetzt sind alle wieder überrascht und machen auf erschüttert!

Der Bruder von Ministerpräsident Gonzales wurde während der Regierungszeit seines Bruders zum Millionär!

Das sagt eigentlich alles, wie dort mit öffentlichen Geldern umgegangen wird!

Re: Jetzt sind alle wieder überrascht und machen auf erschüttert!

Ach, wir warten jetzt nur noch auf Frankreich...

Re: Re: Jetzt sind alle wieder überrascht und machen auf erschüttert!

stimmt, Frankreich kommt auch dran, nur das ist ja leider nicht wirklich eine Überraschung. lg

Re: Re: Re: Jetzt sind alle wieder überrascht und machen auf erschüttert!

Ja eh nicht, nur für jene, die Sie ansprachen ist das die extra überdrüber super Überraschung...

Gast: Nick
28.04.2012 12:41
5

sind alle Krank

wenn ich 1 Billion, welche von der EZB kommen auf sagen wir mal 50 000 000 Menschen aufteile, welche sagen wir mal arm sind aber will sind das Geld wieder auszugeben dann bekommt jeder davon 20.000 Euro. Wenn dieses Geld von untenher in die Bevölkerung kommt haben wir Morgen ein Wirtschaftswachstum das kein Ökonom je für möglich gehalten hat, aber so wird das Geld wieder gestohlen und landet in der USA an der Börse, und dann weiter an den Kriegsschauplätzen, Hoffentlich hat Gott mit uns erbarmen denn eigentlich ist der Komet schon überfällig.

dann bekommt jeder davon 20.000 Euro

Nun das geht leider nicht so einfach. Wenn alle, die das Geld auch ausgeben, plötzlich ohne Wertsicherung, EU 20.000,-- bekämen, dann würde das einen Preisschub auslösen, der sich gewaschen hat.
Neues Geld sollte nur dann gedruckt werden, wenn dafür auch eine dementsprechende Leistung bzw. Werte geschaffen wurden. Nur so kann der Geldwert erhalten bleiben. Andernfalls haben wir halt DKT-Geld mit dem man sich das Häusel austapezieren kann!

Ich verstehe ja, daß Sie es gut meinen und habe Sie auch mit grün bewertet, aber das Hinterhältige an so einem Vorgehen ist ja, daß die Inflation nicht gleich einsetzt, wenn politisch das hinangehalten wird. Aber auf Dauer aufhalten läßt sich dieser Prozess auch nicht. Das werden die Amis noch schmerzlich zu spüren bekommen. Denn wenn die sich noch lang spielen und der Spritpreis steigt dort auf das Doppelte, dann ist dort der Ofen aus!

Antworten Gast: syst
29.04.2012 11:47
0

Re: sind alle Krank

Die EZB kann Geld nicht verschenken sondern nur verleihen.

Den Eurobanken wurde 1 Billion zu einem günstigen Zinssatz zur Verfügung gestellt, um damit Euro Anleihen zu kaufen.

Nicht nur Staatsanleihen der bankrotten PIGS, sondern auch von Ö, damit Montag alle ihre doppelte Pension bekommen.

Re: sind alle Krank

Wem bitte hat die EZB eine Billion (= 1 000 000 000 000; 12 Nuller) gegeben?
Hab ich da irgendwas nicht mitbekommen?

Re: sind alle Krank

sie sollten wirklich nichts öfftentlich schreiben...

Na dann Gute Nacht

Durchschnittlich 52 % Arbeitslosenrate unter den Jugendlichen? Ich möchte mir gar nicht vorstellen, was das für die Betroffenen und die Zukunft Spaniens bedeutet :-/

Re: Na dann Gute Nacht

die haben ja nicht mal eine gegenwart! null innovation, null initiative, so viel staat wie möglich, karriereziel beamter... alle leistungstraeger au spanien die ich kenne leben im ausland.

Es häufen sich bereits wieder

jene politischen Aussagen, wonach Spanien auf dem richtigen Weg ist und keine Hilfe benötigen wird. Eine Kopie der Aussagen zu Griechenland vor gar nicht langer Zeit.

Die parallel dazu angesprochene Lösung, z.B. in Deutschland, würde jedoch das Prinzip Eurobonds bedeuten. Wenn auch heute noch mit dem Wort "temporär" versehen.

Gast: Andaluz
28.04.2012 11:47
2

ruling by debt

Die faulen Immo - Kredite dürften weitaus höher sein.

http://www.andaluz.tv/nachrichten/nachricht-andalusien.php?idNot=8512&url=immobilienpreise-fallen-nur-langsam-in-andalusien-und-spanien

Fast 6 Mio leerstehende Immobilien sind eine Größenordnung, wo man ganz Österreich umsiedeln könnte. Und es stellt sich schon die Frage: warum hat man nicht nach 1 Mio, oder 2 Mio Wohnungen, stopp gesagt? Wer waren die Profiteure, wer hat das Geld bekommen?

 
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