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Philosoph: „Gleichheit ist nicht besser als Ungleichheit“

04.05.2012 | 18:08 |   (Die Presse)

Der liberale Philosoph Anthony de Jasay stemmt sich gegen den Mythos, wonach Ungleichheit automatisch negativ sei. „Dieser beruht auf der unaufhörlichen Wiederholung der Unwahrheit“, so de Jasay.

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Wien/Jil. Manchmal braucht es einen alten Philosophen, um dem Zeitgeist etwas entgegenzusetzen. Anthony de Jasay, 89 Jahre alt, fast blind und praktisch taub, übernimmt diese Rolle nur zu gern. Er tritt einer Binsenweisheit entgegen, die heute quasi als Faktum durchgeht: dass Gleichheit innerhalb einer Gesellschaft der Ungleichheit überlegen ist und es die Aufgabe des Staates sein muss, umzuverteilen.

„Die Behauptung, Gleichheit sei besser als Ungleichheit, ist aber vollkommen willkürlich“, sagt de Jasay, der in Ungarn geboren wurde, vor dem Kommunismus flüchten musste und seit vielen Jahren in Frankreich lebt, kürzlich bei einem Vortrag auf Einladung des Hayek-Instituts in Wien. Sein Argument ist ein linguistisches: „Ich muss nicht beweisen, dass ,gut‘ besser als ,schlecht‘ ist. Das ist selbstverständlich. Die Hierarchie ist eindeutig.“ Bei „Gleichheit versus Ungleichheit“ verhalte es sich aber wie bei „lang versus kurz“ oder „schwer versus leicht“.

Da sei die Hierarchie unklar. „Alle Denkmodelle, die die Überlegenheit der Gleichheit zu beweisen versuchen, sind leicht widerlegbar“, sagt de Jasay. Von den Politikern und Aktivisten, die ständig „mehr Gleichheit“ und „soziale Gerechtigkeit“ fordern, war bei seinem Vortrag freilich niemand anwesend. Wohl, weil de Jasay sich Fragen widmet, die für viele dieser Menschen längst geklärt scheinen dürften. Dabei will de Jasay nicht die Reichen verteidigen. Er will auf die Wertneutralität des Begriffs der Ungleichheit hinweisen. Darauf, dass sie ein Symptom sein kann – aber nicht die Wurzel des Problems.

 

Tief in kollektiver Psyche

„Die Behauptung, dass alle Probleme – von Alkoholismus bis zu Schulabbruch – auf eine ungleiche Vermögensverteilung zurückzuführen sind, ist aber unwissenschaftlich“, sagt de Jasay. „Der Begriff der ,sozialen Gerechtigkeit‘ ist nur eine leere – aber hübsche – Hülle.“ Tatsächlich müsse man den Lebensstandard der Armen verbessern, um die Probleme der Gesellschaften zu lösen. Aber dies müsse nicht notwendigerweise durch Umverteilung geschehen, denn die Probleme entstünden durch absoluten Mangel, nicht durch relative Armut.

Allerdings ist de Jasay keineswegs optimistisch. Vor allem die Vereinnahmung des undefinierbaren Begriffs „soziale Gerechtigkeit“ sei ein Hindernis für eine echte Debatte: „Es ist ja unmöglich zu sagen, man ist gegen soziale Gerechtigkeit.“ Die falsche Grundidee von der „bösen Ungleichheit“ und der „guten Gleichheit“ sei schon sehr tief in die kollektive Psyche eingedrungen. „Das geschieht durch die unaufhörliche Wiederholung der Unwahrheit“, sagt de Jasay. „Und alle linksgerichteten Menschen wiederholen es immer wieder, ohne es zu hinterfragen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.05.2012)

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2 Kommentare
Gast: Merkwürdigkeiten
07.05.2012 14:46
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Anthony de Jasay, 89 Jahre alt, fast blind und praktisch taub

will nicht die Reichen verteidigen.
Anthony de Jasay (* 1925 in Aba in Ungarn) ist ein liberaler Philosoph und Ökonom. Die originale ungarische Schreibweise seines Namens laute Jaszay. Ausgebildet wurde er in Szekesfehervar und Budapest, wo er seinen Abschluss in Agrarwirtschaft machte. In den Jahren 1947-1948 war de Jasay als freier Journalist tätig und musste aufgrund dieser Beschäftigung 1948 aus Ungarn fliehen. Nach zwei Jahren in Österreich wanderte de Jasay 1950 nach Australien aus. An der Universität von West-Australien nahm er an einem Teilzeitkurs in Ökonomie teil. 1955 gewann de Jasay ein Stipendium und ging nach Oxford. Anschließend wurde er als Forschungsassistent an das Nuffield College berufen. Dort blieb er bis 1962 und veröffentlichte eine Reihe von Aufsätzen in Fachzeitschriften für Wirtschaftswissenschaften.

1962 zog de Jasay nach Paris und arbeitete als Bankangestellter. Nach kurzer Zeit machte er sich selbständig und war bis 1979 im Anlagegeschäft in mehreren europäischen Ländern und den USA tätig.

De Jasay hat sich im Ruhestand in die Normandie zurückgezogen.

Gast: Hans im Glück
05.05.2012 20:04
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Ungleichheit ist der Weg zum Wohlstand, Fortschritt und die Zukunft.

Gleichheit bringt uns nur auf die Schuldengaleere, ins die sozialistisch/kommunistische utopie.

Alle Oststaaten haben ihre Erfahrungen bis zur Wende sammeln können.

Männer sind nicht gleich mit den Frauen.
Kinder sind nicht gleich mit den Erwachsenen.
USW...

Die heutige PC will uns Schwarz für Weiss verkaufen und führt uns Schritt für Schritt in eine Sackgasse.

Hobbyökonom