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Russlands veraltete Industrie ist im Sturzflug

10.05.2012 | 17:51 |  Von Matthias Auer (Die Presse)

Der modernste russische Jet „Superjet 100“ ist abgestürzt. Die angekündigte Modernisierung der Industrie blieb aus. Die Tragödie ist eine schwere Schädigung des Images der gesamten Flugzeugindustrie des Landes.

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Wien. Es hätte ein Werbeflug werden sollen: Für den „Superjet 100“, dem ersten völlig neu entwickelten Passagierflugzeug aus Russland seit dem Ende der Sowjetzeit – und damit auch für die oft gepriesene Modernisierung der Industrie des Landes. Doch die Demonstration endete in einer Katastrophe. Eine knappe halbe Stunde nach dem Start im indonesischen Jakarta zerschellte vorgestern die zweimotorige Maschine am Vulkan Mont Salak. Keiner der über 40 Passagiere überlebte.

Die Tragödie ist ein wirtschaftlicher Schaden für den Hersteller Suchoi und eine schwere Schädigung des Images der gesamten Flugzeugindustrie des Landes. Denn Wladimir Putin selbst hatte den „Superjet 100“ zum zukunftsweisenden Projekt erklärt, mit dem die russischen Flugzeugbauer international endlich wieder konkurrenzfähig werden sollten. Zuvor war das Flugzeug in Kasachstan, Pakistan und Burma ohne Zwischenfälle vorgeführt worden. In die Entwicklung der Maschine waren auch etliche westliche Konzerne wie etwa Boeing eingebunden gewesen. Erst vor Kurzem erhielt die Maschine die offizielle Zulassung für die EU. Wie viele der zahlreichen Bestellungen aus Südostasien noch halten werden, ist unklar.

Superjet 100: Russlands modernster Jet

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„Die Modernisierung hat nicht begonnen“

Von Putins Versprechen, die Wirtschaft des Landes zu modernisieren, bleibt damit nur wenig. Kaum eine Industrie des Landes ist international wettbewerbsfähig. „Die Modernisierungspolitik ist nicht gescheitert, sie hat kaum begonnen“, sagt Peter Havlik, Russlandexperte am Wiener Institut für internationale Wirtschaftsvergleiche in Wien. Den schönen Worten der Politiker seien nur selten Taten gefolgt. Vorzeigeprojekte wie das Innovationszentrum in Skolkovo, dem russischen Silicon Valley, brächten nur wenig. Ökonomen kritisieren die starke Konzentration auf Einzelprojekte, andere wichtige Sektoren würden vernachlässigt.

Letztlich haben zwölf Jahre unter Putins Führung nichts daran geändert, dass Russlands Wirtschaft immer noch komplett von Rohstoffen abhängig ist. 70 Prozent aller Exporte entfallen auf Öl, Gas und Metalle. Solange der Preis für ein Fass Erdöl über 80 Dollar bleibt, werde sich daran auch nichts ändern, sagt Havlik.
Auch die russischen Unternehmen haben die Notwendigkeit zur Innovation noch nicht erkannt. Einer Studie der russischen Sberbank zufolge hat fast ein Drittel der Unternehmen ihre Anlagen zuletzt zu Sowjetzeiten erneuert.

Putins jüngster Anlauf zur Modernisierung des Landes stieß ebenfalls auf heftige Kritik. Der Präsident hatte den Ausbau des Staatskapitalismus nach dem Muster Chinas oder Südkoreas als Zukunftsvision beschrieben. Staatsfirmen sollten international wettbewerbsfähig werden.  Für Havlik ist das keine Lösung: „Der Weg kann nicht mehr Staat oder mehr Geld heißen.“ Gegen China hätte Russland mit dieser Strategie keine Chance.
Das wahre Problem sei, das sich das Investitionsklima in den vergangenen Jahren zusehends verschlechtert habe. Derzeit gebe es kaum Anreize, in die Industrie zu investieren. Im Vorjahr flossen 84 Milliarden Dollar aus dem Land ab. Das entspricht etwa fünf Prozent der gesamten russischen Wirtschaftsleistung. Verdeckt wurde diese Entwicklung einmal mehr durch den hohen Ölpreis.

Wettbewerb stärkt Willen zur Innovation

Schenkt man Putin Glauben, hat er das Problem mittlerweile erkannt. Bis 2018 müsse das Land hundert Plätze im „Ease-of-Doing-Business-Index“ der Weltbank gutmachen, gab er seinem Regierungschef Alexander Medwedjew per Dekret eine steile Vorlage. Im Vorjahr rangierte Russland in Sachen Investitionsklima noch an 120. Stelle. Zudem sollen die Staatsanteile an Unternehmen außerhalb des Rüstungs- oder Energiesektors bis 2016 verkauft werden.

Havlik setzt seine Hoffnungen lieber auf den baldigen Beitritt Russlands in die Welthandelsorganisation WTO. Durch die wachsende Konkurrenz aus dem Ausland steige der Druck zur Umstrukturierung und Modernisierung der maroden Industrie. Dass Wettbewerb den Willen zur Innovation erhöht, zeigt die Studie der Sberbank: Von den Betrieben, die in den letzten zwei Jahrzehnten keine Konkurrenz aus dem Ausland hatten, investierte nur ein Zehntel in Innovation. Von jenen, die mit Ausländern konkurrieren mussten, war es ein Viertel.

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123 Kommentare
 
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Erst mal informieren...

Ohne das fröhliche Russland-Bashing hier stören zu wollen: vielleicht sollte man sich kurz informieren, was da eigentlich vor sich gegangen ist, bevor man seine Hausmeistersicht der Dinge ( insbesonders was russische Flugzeugtechnik betrifft) zum Schlechtesten gibt:
http://avherald.com/h?comment=44f464f7&opt=0
Es handelte sich um den bereits zweiten Demo-Flug dieses Flugzeugs in einem gebirgigen Gelände mit stark wechselnden Wetterbedingungen, auf dem offenbar den Passagieren Spektakuläres in Form eines Fluges weit unterhalb der Gipfelhöhe zwischen zwei Bergen geboten werden sollte....inwieweit die Indonesische Flugsicherung bei diesem Irrsinn involviert war wird auch noch zu untersuchen sein…..mit einem „Sturzflug veralteter russischer Technik“ hat das allerdings so rein gar nichts zu tun…..der Superjet erfüllt ebenso wie Boeing und Airbus sämtliche Zulassungs-Kriterien, welche erforderlich sind um in der EU starten und landen zu dürfen. Sic.

Antworten Gast: tempa
11.05.2012 20:32
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Eigentlich nimmt der Artikel den Flugzeugabsturz nur als Aufhänger um auf die schwierige Situation der russischen Industrie hinzuweisen.

Eine der erfreulichen Entwicklungen bei russischen (Staats)medien ist nämlich, das sie kritisch und auf der selben Linie wie obiger Artikel über die oft veraltete russische Industrie schreiben.
Sei es über Werften("technologische Verfall der russischen Schiffbauindustrie" http://de.rian.ru/comments_interviews/20110713/259754272.html ) oder nachlassende Qualität russischer Waffen(veraltet - http://de.rian.ru/politics/20111215/262005170.html ) oder auch den schlechten Zustand der russischen Waffenindustrie:
"Rüstungsexperte Wladimir Dworkin stellte deshalb fest, dass etwa 30 Prozent der russischen Rüstungsbetriebe insolvent sind. Dabei machen die Investitionen in die Forschung in Russland lediglich zehn Prozent von denen in den Industrieländern aus. Die Investitionen in die Ausbildung seien noch geringer, bedauerte der Experte.

Mehr als 70 Prozent der Technologien, die der russischen Rüstungsindustrie zur Verfügung stehen, seien veraltet, fuhr er fort. Mehr als die Hälfte des Maschinenparks sei sogar zu 100 Prozent verschlissen. Das Durchschnittsalter der Mitarbeiter in den Rüstungsbetrieben liege bei über 50 Jahren, ergänzte Dworkin."
http://de.rian.ru/security_and_military/20110302/258473175.html

Diese Liste könnte man beliebig fortsetzten.Man muss ja nicht so weit wie jene russische Stewardess gehen, die den Superjet als beschissenes Flugzeug bezeichnet: http://www.spiegel.de/karriere/ausland/twitter-kommentar-zu-flugzeugabsturz-stewardess-gefeuert-a-832744.html

Gast: noch einer
11.05.2012 12:24
3 0

passt

Passt halt zur politischen Linie :

"Russlands veraltete Industrie ist im Sturzflug"

Die Absturzursache ist nicht geklärt ,
eine Fehlleistung des Piloten durchaus möglich

Antworten Gast: nestbeschmutzer
11.05.2012 13:00
1 0

Re: passt

"...eine Fehlleistung des Piloten durchaus möglich" - um nicht zu sagen: zu 99% sicher! wenn man die meist unverantwortlichen Werbeversuche der Vorführpiloten bei Flugshows sieht, wundert einem das ja wirklich nicht, dass solches passiert....

Gast: Propellix
11.05.2012 12:08
1 0

CFIT

Mittlerweile deutet alles auf einen "Controlled Flight into terrain" (=CFIT) hin. Sichere Mindestflughöhe über dem Gelände zum "Sightseeing" unterschritten, dann offenbar die Bodensicht durch Wolken verloren, und vielleicht durch lokale Abwinde hinuntergedrückt. Da hilft dann auch nichts mehr, denn soviel Schub hat kein Verkehrsflugzeug, um dann noch zu steigen.
Mein aufrichtiges Beileid an die Eingeladenen an Bord und ihre Angehörigen, die offenbar wieder einmal Opfer überzogener Verkaufsanstrengungen wurden.
Die Piloten (russische Werkspiloten) waren sicher mit den örtlichen Gegebenheiten nicht vertraut und sind schlicht zu weit gegangen; RIP.
Da kann der Herr Putin nix dafür (ausnahmsweise) und das Flugzeug schon gar nicht. Da doch gerade in der Luftfahrt Entscheidungen nach objektiven Kriterien getroffen werden, denke ich auch nicht, dass sich an den Erfolgsaussichten des Typs bei dem günstigen Preis etwas ändern wird.

Während des Kalten Kriegs

..haben die Russenn noch ungeniert westliche Technologie, u.a. die Concorde, abkupfern können! Jetzt wo es ein "freies?" Land ist, spielt es das halt nicht mehr. Und das ist dann das Ergebnis! Der Kampf um die "balance of power" war früher der einzige Antriebsmotor der Innovation, den gibt es nun auch nicht mehr! Somit ist Stillstand das Gebot dieser Dekade/n

Gast: fugazi
11.05.2012 10:30
0 0

...

der expertentreff in der presse ist immer wieder ein zuckerl...

Antworten Gast: Kibietz
11.05.2012 12:12
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Re: ...

Hättens halt auch die Baumschule fertig gemacht!
Dann könntens mitreden.

kein wunder

nach dem 2. wk hatten die Russen ja die beutedeutschen Ingenieure, die Russland technologisch bis ins Weltall hob. jetzt wo es diese nimmermehr gibt, ist die Technik eben wie a' "russische" Glühbirne...

Antworten Gast: Fujisan
11.05.2012 11:43
3 0

Re: kein wunder

Seltsam nur, das seit mehr als 50 Jahren keine einzige SOJUS abgestürzt ist, im Gegensatz zu den schönen US-Shuttles.
Und die wurde/n und werden von russischen Ingenieuren entwickelt und gebaut.

MIR für max 1 Jahr konzipiert und gebaut war, und doch mehr als 11 Jahre bestand hielt. Trotz und/oder wegen der teils dramatischen Zwischenfälle.

Im russischen Raumfahrprogramm taucht seit jeher kein einziger "deutscher" Name auf.

Und dank "Overcast" und "Paperclip" hiessen sie bei den Amerikanern plötzlich alle "von Braun", "Dornberger", "Olbricht", "Leeb", "Lindberg", etc..

Und die Kalashnikov hat wohl auch kein Deutscher, Österreicher oder Amerikaner gebaut.

Abgesehen davon bilden sie die besten Hacker der Welt aus.

Antworten Antworten Gast: almiero
11.05.2012 12:23
2 0

Re: Re: kein wunder

Übrigens die Vorlage für die legendäre Kalaschnikow oder Ak 47 war das Sturmgewehr 44 der deutschen Wehrmacht.

Gast: wer wenn nicht er
11.05.2012 09:35
2 0

"Ökonomen kritisieren die starke Konzentration auf Einzelprojekte..."

Putin ist im Geiste ein Planwirtschaftler:
- Große Prestigeprojekte zentral lenken
- die restlichen 99% nicht nur ignorieren sondern abwürgen

Der de facto nicht vorhandene Rechtsstaat tötet jede wirtschaftliche Entfaltung:
- Putin wirft nach Lust und Laune Industrielle ins Gefängnis, sobald sie sich politisch gegen ihn stellen,
- ausländische Investitionen werden mit spontan erfundenen Auflagen gequält bis sie ihre Anteile an Staatsbetriebe verkaufen, wenn Putin es so will
etc.

Die haben einfach noch nicht verstanden, dass Freiheit nicht der Nebeneffekt der Marktwirtschaft sondern deren unmittelbarer Motor ist.

Solange sich das nicht ändert werden die Russen in Armut leben, während ihre Führung Milliarden an Rohstoffeinnahmen ins Ausland transferiert...

Gast: toro
11.05.2012 09:24
1 1

Was im Forum an Weltverschwörungsblödsinn abgesondert wird: phänomenal.

Neuentwicklungen stürzen gelegentlich ab.
Gabs auch schon bei Airbus - nur ist die Wahrscheinlichkeit höher, wenn wie hier lange Zeit nichts investiert wurde und man mit Zeitdruck einen Schnellschuss setzen muss.

Sabotage hingegen? Keine hinweise...

Gast: ROTFRONT
11.05.2012 08:55
2 0

Und der klare Vodka ist etwa kein Hightech-Produkt?

Wer kann das wohl besser?
Vodka - des Demokraten reinste Seele!
Passt zu jeder Gelegenheit, ist gesund und macht alle Menschen gleich!
Und beim Autofahren nächsten Morgen hat man einen klaren Kopf.

Antworten Gast: rosa stern
11.05.2012 12:41
0 1

Re: Und der klare Vodka ist etwa kein Hightech-Produkt?

aah - ich verstehen. die haben wodka statt kerosin in tank gegeben. das ist nix guut. vodka ist nix für alles guut. nur für kopf. aber nix für flugmaschin.

0 0

never change

a running system

Gast: duni
11.05.2012 07:23
1 2

oje

Ösi Experten haben gebrochen hug

Gast: gast11
11.05.2012 06:38
4 1

Russlands veraltete Industrie

ist zzt. die einzige die, die es dem Menschen ermöglicht die Erdumlaufbahn zu verlassen...

Re: Russlands veraltete Industrie

weil in diesem segment geld keine rolex spielt.

Antworten Gast: IwanowitschGregorowistchDebrowitsch
11.05.2012 08:52
1 0

Re: Russlands veraltete Industrie

..."und nicht mehr einzutreten, wenn das so weiter geht", wolltest du wohl nach dem PunktPunktPunkt noch schreiben und hast es vergessen. Habe ich deshalb für dich nachgeholt.
Nein, nichts zu danken, geht schon in Ordnung, hab ich gern gemacht.

Antworten Gast: xxxx
11.05.2012 08:51
0 0

Re: Russlands veraltete Industrie

Naja, mehrheitlich verlassen die Dinger aber die Erdumlaufbahn nach unten.
Das ist ja das Maleur.
Verstehen Sie das?
Hallo!?

Antworten Gast: Gast No 4712
11.05.2012 08:41
1 0

Re: Russlands veraltete Industrie

Genau genommen ist die russische Industrie die einzige, denen das Risiko Menschenleben zu verlieren weniger bedeutet als der Erfolg. Die Spaceshuttle-Programm wurde aus Sicherheitsgründen eingestellt!

Suchoi

Fehler im Artikel:Hersteller Suchoi-nicht Sochoi

Leider war das nicht die erste Werbeflug-Tragedie. Auch Airbus hat ein Desaster bei der A320 Presentation erlebt http://www.youtube.com/watch?v=-kHa3WNerjU

und Boeing B52 bei einer Airshow in Fairchild Air Force Base http://www.youtube.com/watch?v=yE3l3mEM9-4

Hoffentlich werden die Erkentnisse aus dieser Tragoedie den Flugverkehr sicherer machen.

Gast: ROTFRONT
10.05.2012 23:31
0 2

Mein Ural ist unkaputtbar! Er trägt mich stolz und zuverlässig Sommer und Winter auf meinen Berg!

Und daher liebe ich ihn!
Mein Ural ist meine beste Freundin.
Mein Ural läßt mich nie im Stich!
Ich hab' nur einen Ural aber er gehört mir!

"One, two, three, four, United States Marine Corps.
Five, six, seven, eight, nine, der Ural ist voll mine!!"

Antworten Gast: WEISSFRONT
11.05.2012 08:54
1 0

Re: Mein Ural ist unkaputtbar! Er trägt mich stolz und zuverlässig Sommer und Winter auf meinen Berg!

Reitest wohl auf deinem eigenen Ding und nennst das auch noch "Ural". Welch Überheblichkeit und Aufschneiderei.

Antworten Gast: Vladimirov
11.05.2012 07:48
3 0

Re: Mein Ural ist unkaputtbar! Er trägt mich stolz und zuverlässig Sommer und Winter auf meinen Berg!

Allmächtiger, schade um jede Zeile voller Unsinn.

 
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Hobbyökonom