Nabucco ist tot, es lebe Nabucco West

25.05.2012 | 18:40 |  JAKOB ZIRM (Die Presse)

Die unter Führung der OMV geplante Gaspipeline dürfte in ihrer ursprünglichen Version endgültig Geschichte sein. Die Gründe dafür sind das EU-Recht und zu hohe Kosten.

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Wien. „Die Ursprungsversion der Nabucco-Pipeline ist für uns vom Tisch.“ Mit diesen Worten sorgte BP-Manager Iain Conn am Freitag für Aufregung. Denn obwohl das Nabucco-Konsortium als auch die das Projekt unterstützende EU-Kommission darauf verweisen, dass es noch keine offizielle Absage gibt, haben die Worte des BP-Managers Gewicht. BP ist immerhin Konsortialpartner bei der Entwicklung des aserischen Gasfeldes „Shah Deniz 2“, das als entscheidender Gaslieferant für Nabucco und deren Konkurrenzprojekte gilt. Wie sieht nun die aktuelle Lage im kaspischen Gas-Poker aus? „Die Presse“ hat die Antworten:

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1 Ist das Pipeline-Projekt Nabucco jetzt wirklich tot?

Ja. Zumindest, wenn damit das Ursprungsprojekt gemeint ist, das von der türkisch-georgischen Grenze bis zum Gasknoten Baumgarten in Niederösterreich führen sollte. Denn bei der Strecke durch die Türkei wird mit ziemlicher Sicherheit die Pipeline Tanap zum Zug kommen, die von der Türkei und Aserbaidschan gebaut werden soll. Da an dieser Pipeline der aserische Gaskonzern Socar beteiligt ist, gibt es auch schon konkrete Zusagen für Gaslieferungen – etwas, was allen anderen Projekten noch fehlt. Nabucco dürfte nur noch in der gekürzten Form „Nabucco West“ ab der türkisch-bulgarischen Grenze Chancen haben.

2 Warum bauen Aserbaidschan und die Türkei nun selbst eine Pipeline?

Der Grund dafür ist das EU-Recht. Dieses schreibt nämlich vor, dass Infrastruktur nicht nur den Errichtern zur Verfügung stehen darf, sondern zum Teil auch für alternative Anbieter geöffnet werden muss. Die Konsortialpartner von Nabucco können daher nicht die volle Kapazität für eigene Gaslieferungen verwenden. Da die Türkei und Aserbaidschan nicht Teil der EU sind, wollen sie sich dieser Regelung nicht unterwerfen und bauen auf ihrem eigenen Territorium die Pipeline daher selbst.

3 Welche Konkurrenz gibt es für die verkürzte Nabucco West?

Für die Leitung des Gases von der türkisch-bulgarischen Grenze nach Westeuropa gibt es drei Konkurrenten. Die Pipeline TAP will das Gas über Griechenland nach Süditalien bringen, Nabucco West und Seep über Bulgarien, Rumänien und Ungarn nach Baumgarten. Letztere ist jedoch keine wirkliche Pipeline, sondern der Ausbau und die Verbindung bereits bestehender Netze. Dies soll vor allem Kosten sparen – konkrete Summen werden jedoch von keinem Projekt genannt. Hinter Seep steht BP selbst, da die Briten mehrmals die zu hohen Kosten von Nabucco kritisiert haben. Allerdings ist Seep noch im Anfangsstadium, bei Nabucco gibt es bereits fertige Planungen und bindende Verträge der betroffenen Länder. Im Juni soll eine Entscheidung zwischen Nabucco West und Seep getroffen werden, im kommenden Jahr folgt dann das Stechen zwischen dem Sieger und der TAP.

4 Stimmt die Grundidee hinter Nabucco noch?

Ja. In der Region des Kaspischen Meeres liegen riesige Gasvorkommen, die derzeit noch kaum gefördert werden. Der Transportweg nach Europa ist kürzer als jener aus Sibirien, von wo Mitteleuropa heutzutage den Großteil seines Gases geliefert bekommt. Neue Lieferländer würden die Abhängigkeit von Russland deutlich verringern. Zudem wird der Gasbedarf Europas in den kommenden Jahrzehnten steigen, da etwa Länder wie Deutschland aus der Atomkraft aussteigen wollen und Erneuerbare diese Lücke nicht so schnell füllen können.

5 Welche Rolle spielen Russland und der Iran bei der Sache?

Russland fürchtet um seine Stellung als wichtigster Gaslieferant Europas und versucht daher, jegliche Alternativprojekte zu torpedieren. Dies erfolgt vor allem durch Druck auf Länder wie Aserbaidschan oder Turkmenistan, die derzeit ihr Gas nur über Russland exportieren können. Daher sind diese Länder auch mit Zusagen für bislang nur geplante Alternativen zum Transport über Russland vorsichtig. Zudem gibt es einen völkerrechtlichen Streit darüber, ob die Kaspische See ein Meer oder ein See ist. Bei Letzterem hätten Russland und der Iran bei Pipelines ein Mitspracherecht. Der Iran gilt zwar selbst als potenzieller Gaslieferant für Europa. Dazu müsste es zuvor aber einen Regimewechsel geben.

Grafik: Die Presse

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.05.2012)

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47 Kommentare
 
12

Nett

dass man meinen letzten Kommentar plus die Antwort darauf vorsorglich gelöscht hat. Soviel zum Wert dieses Forums in dem sich die Presse offenbar nur das herauspickt was ihr passt. Ich kann mich nicht erinnern irgendwelche Schimpfworte verwendet zu haben oder sonst fragwürdiges Gedankengut zum Besten gegeben zu haben.

Wie wäre es dazu mit einer Stellungnahme der Presse? Anderslautende Meinungen zählen bei euch offenbar nicht viel.

vielleicht sollte man es sich nicht dauernd mit dem iran verscherzen!

und über alternative lösungen nachdenken, anstatt an einer imens langen pipeline festzuhalten die durch zig unsichere staaten geht, die diese uu zur erpressung verwenden!

meiner meinung nach könnte man genauso auf flüssiggashäfen setzen

linde hat hierfür die geeingenten technologien parat, und das potential ist enorm.

wenn man im iran einen hafen errichtet, dann könnte man von dort aus ganz leicht gas aus dem iran, qatar und turkmenistan nach europa verschiffen.

So hätte man zugriff auf fast 30% der erwiesenen erdgas reserven!
natürlich birgt das gewisse unsicherheiten, da der iran meist als nicht ganz kalkulierbar eingeschätzt wird.

denkt man sich das ganze jedoch einmal durch, so habe cih persönlich keine sorgen, dass der iran seine position ausnützt.
denn ohne öl und gas exporte ist der iran ganz schnell was divisen betrifft trocken, außerdem finde ich dass man nicht jeden USA/israel schmäh der über den iran erzählt wird glauben sollte.

selbst wenn sie an der atombombe forschen ist es doch recht unwahrscheinlich, dass sie die einsetzen werden, denn jeder weiß, dass dann der iran in schutt und asche gebombt werden würde.

Aserbeidschan braucht das Projekt "Nabucco" doch nur um es gegen andere Konkurrenten ausspielen zu können. Eine reelle Chance hat Nabucco deshalb noch lange nicht!


Gast: gast-gast
29.05.2012 10:05
0

Wo sind die 203 Millionen Förderung hingekommen?

Die NABUCCO GAS PIPELINE INTERNATIONAL GMBH hat 2010 insgesamt 203 Millionen Euro an Fördermitteln der EU erhalten. Was ist mit dem geld geschehen und wer trägt die Verantwortung für den verlust, wenn das Projekt nicht zustande kommt?
Zum Nachweis meiner Behauptung einfach http://ec.europa.eu/beneficiaries/fts/index_de.htm öffnen, bei "Empfänger" den Begriff "nabucco" eintippen...
Mehr Berichte zum Thema fand ich auch auf EU-Infothek.com:
http://www.eu-infothek.com/search/luceneapi_node/*nabucco*

Re: Wo sind die 203 Millionen Förderung hingekommen?

Dass sind doch Erdnüsse ;D
Ich könnte auch sagen in der Graf Stiftung ;D

Gast: notnaregrüb
26.05.2012 16:59
0

Fortsetzung-1-:

Das heißt aber, entweder Erdgas aus dem Iran - was politisch bedenklich wäre - oder man transportiert zusätzliches Gas aus Russland, dann beißt sich die Katze in den eigenen Schwanz! Aber Hauptsache die OMV verplempert unnötig Investitionsgeld, denn die Österreicher zahlen dieses sowieso durch höhere Treibstoff- und Heizöl-Preise.
Ich sehe nicht ein, warum ein „halbstaatliches“ Unternehmen für die Managergehälter, sowie für die steigenden Gewinne der Aktionäre produziert! Meiner Meinung nach sollten nämlich die Konsumenten von einem österreichischen Unternehmen profitieren!
Die Europäer verbrauchen zunehmend mehr Energie, die aus erneuerbaren Quellen wie etwa Sonne, Wind, Biomasse oder Wasser gewonnen wird. Den höchsten Anteil verzeichnen dabei Schweden, gefolgt von Finnland und Lettland. Österreich liegt in dieser Aufstellung zwar am vierten Platz, da hätte die OMV ein viel wichtigeres Betätigungsfeld! Hoffentlich kommt die Firmenleitung nicht auf die Idee, sich irgendwo an Atomkraftwerken zu „beteiligen“…!

Re: Fortsetzung-1-:

Jetzt würde es noch helfen wenn Sie sich auskennen würden. Erstens ist OMV nicht OMV und die OMV Gas Power GmbH, welche ein eigenständiges Unternehmen ist, hat wohl kaum etwas mit Spritpreisen zu tun.
Zweitens kommt ja in jedem Fall immer noch russisches Gas nach Europa wobei Baumgarten a.d. March ein europaweit wichtiger Punkt ist (Kompressorstation, Gasaufbereitung, Verteilung). Also würde sich mit Nabucco in jedem Fall eine Konkurrenzsituation auftun, die den Preis wohl eher senken als heben würde. Gleichzeitig würde ein österreichisches Unternehmen, das noch dazu zu einem großen Teil in öffentlicher Hand ist, für europas Gasverteilung noch wichtiger werden. Was ist daran bitte primär schlecht?
Sie sind wohl einer dieser Nörgler die sich über jeden Sch... aufregen.

Re: Re: Fortsetzung-1-:

Ach ja, ich freu mich schon auf die vielen roten Stricherln von all den Nordkoreanern da draussen. Haut drauf.

Re: Fortsetzung-1-:

Jetzt würde es noch helfen wenn Sie sich auskennen würden. Erstens ist OMV nicht OMV und die OMV Gas Power GmbH, welche ein eigenständiges Unternehmen ist, hat wohl kaum etwas mit Spritpreisen zu tun.
Zweitens kommt ja in jedem Fall immer noch russisches Gas nach Europa wobei Baumgarten a.d. March ein europaweit wichtiger Punkt ist (Kompressorstation, Gasaufbereitung, Verteilung). Also würde sich mit Nabucco in jedem Fall eine Konkurrenzsituation auftun, die den Preis wohl eher senken als heben würde. Gleichzeitig würde ein österreichisches Unternehmen, das noch dazu zu einem großen Teil in öffentlicher Hand ist, für europas Gasverteilung noch wichtiger werden. Was ist daran bitte primär schlecht?
Sie sind wohl einer dieser Nörgler die sich über jeden Sch... aufregen.

Re: Fortsetzung-1-:

Jetzt würde es noch helfen wenn Sie sich auskennen würden. Erstens ist OMV nicht OMV und die OMV Gas Power GmbH, welche ein eigenständiges Unternehmen ist, hat wohl kaum etwas mit Spritpreisen zu tun.
Zweitens kommt ja in jedem Fall immer noch russisches Gas nach Europa wobei Baumgarten a.d. March ein europaweit wichtiger Punkt ist (Kompressorstation, Gasaufbereitung, Verteilung). Also würde sich mit Nabucco in jedem Fall eine Konkurrenzsituation auftun, die den Preis wohl eher senken als heben würde. Gleichzeitig würde ein österreichisches Unternehmen, das noch dazu zu einem großen Teil in öffentlicher Hand ist, für europas Gasverteilung noch wichtiger werden. Was ist daran bitte primär schlecht?
Sie sind wohl einer dieser Nörgler die sich über jeden Sch... aufregen.

Gast: notnaregrüb
26.05.2012 16:58
1

Endlich das Nabucco-Ende!

BP erklärt Nabucco für tot! Nachdem schon andere Geldgeber abgesprungen sind, wird hoffentlich bald das Ende kommen! Die „geplante“ Nabucco-Pipeline - von der Türkei bis zum OMV-Erdgas-Verteilerzentrum im niederösterreichische Baumgarten im Marchfeld - macht uns gewollt oder nicht gewollt direkt von der Türkei abhängig und das nannte in den Anfängen der Planung unser Außenminister als „erstrebenswert“. In einem Leserbrief habe ich schon damals 2009 vor einem Bau dieser Pipeline gewarnt.
Unter der Federführung der OMV haben die Eurokraten die Bevölkerung Europas hinters Licht geführt, indem sie mit Absicht (?) der Türkei dieses Erpressungsmittel in die Hand gegeben haben. Nabucco ist und bleibt ein Risiko, wir werden es noch erleben, wie die Türkei diese „Waffe“ gegen die EU zur Durchsetzung von Wünschen einsetzen wird. Politiker werdet endlich wach! So viel bekannt ist, kann ein wirtschaftlicher Betrieb von Nabucco so und so nur mit zusätzlichen Gasmengen aus anderen Staaten funktionieren.

Re: Endlich das Nabucco-Ende!

Die Hunde bellen,die Karawane zieht weiter ! Grüße nach Neandertal.

Was alle immer vergessen

In den USA und über die USA wurde noch im Jahr 2005 hkräftig gelacht weil die im Boden nach Shale gas stocherten. Viel zu teuer und niemals wirtschaftlich raunzten viele.

Heute ist die USA als Gasimporteur tot und wird jetzt ein neues Saudi Arabien weil die Shale Erschliessungskosten so unglaublich runtergerasselt sind. Jetzt noch einmal das selbe Szenario in Europa wo riesige Mengen an Gas zumindest aus Polen und der Ukraine zu erwarten sind. Haben wir etwas aus den USA Erfahrngen gelernt. Natürlich nicht. Wie könnten wir auch.

Erdgas aus viele tausend Kilometer weit entfernten Feldern zum Konsumenten zu bringen ist Schwachsinn. Die russischen Leitungen gibt es auch nur weil es einen Kruschtschow nicht im geringsten kümmerte ob die Rohre jemals kostendeckend arbeiten werden können. So wie unsere Regierung übrigens. Die denkt auch das Kostendeckung nur ein böses Marktwort ist und solange der Steuerzahler nur brav abdrückt ja eh alles in Ordnung ist.

Nabucco war und bleibt Schwachsinn und so ist es auch zu denken das azerisches Gas jemals nach Europa kommt. Der türkische Markt saugt das ganz locker weg.

Re: Was alle immer vergessen

Nein,wir verlegen dass Rohr !

Habe einen Freund der hat derzeit schon 20.000 Euro minus gemacht mit seinen Nabucco-Aktien.

Na ja, der OMV wird's ziemlich egal sein. Geht's der OMV gut, geht's dem österreichischen Steuerzahler schlecht. Bleibt abschließend festzuhalten. :-((

Gast: Genn U
25.05.2012 20:06
7

Gut!!

Dass wir mit den Türken nichts mehr zu tun haben, die Russen sind wesentlich zuverlässiger.

Re: Gut!!

Heimat bist du großer Söhne !
Der Zahntechniker und seine Leuchten.
Jetzt noch den Lugner zum Präsidenten
machen,und alles ist in Butter ;D


Antworten Gast: hanso
26.05.2012 15:54
1

Re: Gut!!

warum schieb ihr alles auf die türken?
sie haben ja damit nichts zu tun!
dankt einfach eu und omv!!

und ob die russen so verlässlich sind hat man ja immer gesehen!!

schon wieder neid neid neid uns hass
solche RASSISTEN gibt es hier!!!!

Re: Gut!!

Warum überfallt ihr denn den verlaesslichen Partner so oft?

Antworten Gast: Gaslifarant
25.05.2012 21:28
5

Re: Gut!!

egal was ihr WELCHER A.. abrissen: über die Türkei, führt kein andre WEG.. kapisch!?

1

Nö ...

.... nix kapisch.

Das gebrabbel kann keiner lesen.

Na ja, die Deutschen waren offenbar klüger, denn die haben...

...ihre Pipeline durch die Ostsee gelegt. Man sollte auch etwas von Geographie und Geschichte verstehen bevor man ein Projekt dieser Größenordnung plant. Aber dies wird ja jetzt dank der neuen Mittelschule viel besser. ;-)

Re: Na ja, die Deutschen waren offenbar klüger, denn die haben...

Österreich sollte auch die Pipeline,übern Neusiedlersee legen ;D

Re: Re: Gut!!

Deutsch ist eine schwere Sprache was?

Jedenfalls sind mir die Russen auch lieber. Man sollte nicht vergessen das die Russen auch zu Sowjetzeiten immer zuverlässig geliefert haben.

Re: Re: Re: Gut!!

Lieber als wer ?


 
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