Facebook: Vorsicht, Chef liest mit

09.06.2012 | 18:01 |  von Matthias Auer (Die Presse)

Die Wirtschaftskammer will Tachinierer künftig via Facebook entlarven. Firmen dürfen ihre Angestellten im Internet aber nicht nach Herzenslust bespitzeln, sagen Rechtsexperten. Systematische Kontrolle ist verboten.

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Alkohol ist grausam“, ließ eine Linzer Kellnerin ihre Facebook-Freunde nach einer durchzechten Nacht wissen und lieferte die Beweisfotos gleich mit. Die Wirtschaftskammer Oberösterreich ist es auch. Denn an dem Tag, als die verhängnisvolle Party stattfand, war die Kellnerin eigentlich im Krankenstand. „Vorsätzlicher Betrug am Arbeitgeber“, befand Österreichs größte Interessenvertretung und brachte den Fall in die Medien. Regelmäßig wolle man künftig derartige „Tachinierer“ via Facebook entlarven, kündigte der oberösterreichische WKÖ-Präsident Rudolf Trauner an.

Das wirft die Frage auf: Wie privat ist Facebook? Und was darf ein Arbeitgeber mit den Informationen über seine Angestellten anfangen, die er dort findet? Stolpersteine gibt es für die über 800 Millionen Mitglieder des weltgrößten digitalen Netzwerks genug. Wer sich dort unbeobachtet fühlt und seinem Unmut über Chef, Job und Firma freien Lauf lässt, riskiert schon einmal eine fristlose Entlassung. Die Gefahr, entdeckt zu werden, ist größer denn je. Denn Firmen lieben Facebook als Informationsquelle.


Firmen fordern Facebook-Passwort. Jedes dritte US-Unternehmen im Finanzbereich durchleuchtet seine Bewerber routinemäßig nach Spuren im Internet, so eine Umfrage des US-Personaldienstleisters Robert Half. Einige Firmen und Behörden in den Vereinigten Staaten gehen mittlerweile einen Schritt weiter: Sie fordern nicht nur den Facebook-Namen, sondern auch das Passwort der angehenden Mitarbeiter, um auch dort schnüffeln zu können, wo sonst nur Freunde und Bekannte Zutritt haben.

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Darf ein Arbeitgeber auch in Österreich so tief in das digitale Leben seiner Mitarbeiter eindringen und Kompromittierendes auch gegen seinen Mitarbeiter verwenden? „Grundsätzlich steht es jedem offen, Informationen aus Facebook zu verwerten“, sagt Thomas Angermair, Arbeitsrechtler bei Dorda, Brugger, Jordis. Ebenso gut hätte die Information schließlich über einen Kollegen bis zum Chef dringen können. Bei konkreten Verdachtsfällen ist es sogar erlaubt, einen Detektiv zu beauftragen oder eben nachzusehen, was die Person so auf Facebook postet. „Wenn aus den Facebook-Einträgen ein Grund für eine fristlose Entlassung ersichtlich wird, dann ist das eben so“, sagt Jakob Widner, Datenschutz- und Arbeitsrechtsexperte bei Graf & Pitkowitz.

Aber: Nicht für jeden Angestellten ist akribisch dokumentiertes Komasaufen ein gleich großes Problem. Wer Privatbanker ist und sich auf seinem Facebook-Profil regelmäßig im Vollrausch zur Schau stellt, muss durchaus mit einer Kündigung rechnen. Mit seinem Job ist das Verhalten nicht vereinbar. Eine Kellnerin hätte da sicher bessere Argumente. Auch im Krankenstand sind Partys übrigens nicht prinzipiell verboten. Lediglich dann, wenn sie der Genesung abträglich sind.


Bei Freunden darf man lästern. Kritisch wird es dann, wenn es um Rufschädigung im Internet geht. Im Grunde gilt auch hier: Steht Verhängnisvolles im Internet geschrieben, reicht es oft für eine Kündigung. Manches ist aber selbst auf Facebook privat, urteilte der Bayerische Verwaltungsgerichtshof erst kürzlich. Im konkreten Fall hatte ein deutsches Unternehmen eine Schwangere gekündigt, weil sich diese auf Facebook über einen Kunden ausgelassen hatte. Dort, wo nur Freunde und Bekannte Einblick haben, sei das aber erlaubt, so das Urteil. Öffentliche Meldungen können Mitarbeitern jedoch schnell zum Verhängnis werden.


Mein Freund, der Chef. In Österreich sehen Experten die Rechtslage nicht so klar. Wer seinen Chef beleidigt, kommt schon in Schwierigkeiten, wenn eine qualifizierte Öffentlichkeit davon erfährt. 150 Onlinefreunde sind in jedem Fall zu viel. Prinzipiell ist es immer dann ein Problem, wenn man damit rechnen muss, dass der Betroffene davon Wind bekommt. Also etwa bei jenen fast 40 Prozent der deutschen Arbeitnehmer, die sich laut Umfrage vorstellen können, mit ihrem Vorgesetzten auf Facebook befreundet zu sein. Bleibt die Rufschädigung im privaten Bereich der Seite, ist eine fristlose Entlassung aber auch dann schwer durchzusetzen, wenn sie der Betroffene lesen kann, sagt Angermair. „Dummheit allein reicht in der Regel nur für eine Kündigung.“ Eine klare Abfuhr erteilen Juristen der Idee, Facebook systematisch nach Drückebergern zu durchforsten.


Menschenwürde verletzt. Ähnlich wie bei der Überwachung am Arbeitsplatz benötigt der Arbeitgeber dafür zumindest die Zustimmung des Betriebsrates. Und zwar schon dann, wenn die Chefsekretärin alle zwei Wochen über die Profile der Mitarbeiter schaut. Diese Art der „Dauerüberwachung“ verletze vermutlich sogar die Menschenwürde, sagt Widner. Dann würde auch das O. K. vom Betriebsrat nichts helfen. Die systematische Kontrolle bliebe verboten.

Zumindest für Arbeitgeber. Anderen sind da weniger Fesseln angelegt. Die Wirtschaftskammer kann nach Lust und Laune in den privaten Profilen ihrer Facebook-Freunde stöbern. Solange sie noch welche hat.

Drückeberger?

12,9 Tage waren unselbstständig Beschäftigte in Österreich 2010 durchschnittlich im Krankenstand. Mehr als nötig, sagt die Wirtschaftskammer Oberösterreich und will „Tachinierern“ via Facebook auf die Schliche kommen. Rechtsexperten halten eine systematische Kontrolle allerdings für bedenklich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.06.2012)

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46 Kommentare
 
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Gast: facebookschmied
12.06.2012 00:34
0

Jeder ist seines Glückes Schmied

Facebook ist nur für die Freizeit da - sonst für nichts. Nur freizeitrelevantes posten - außer es handelt sich um Kommentare, die Rückschlüsse auf die generelle Zuverlässigkeit und ähnliche gefragte Qualitäten. In diesem Fall. FINGER WEG VON DER TASTATUR!

Gast: Na und?
11.06.2012 13:23
0

Die Lösung:

Keine persönlichen Daten oder Fotos ins Internet stellen.

Abgesehen davon sind leider Gottes Vereinsfunktionäre, Trainer usw. dank der ganzen Homepages auch jetzt schon kinderleicht zu sehen.

Einfach in Google den Namen eingeben und schon weiß man gar manches über den Lebenswandel einer Person.

Datenschutz wird in Österreich ganz einfach nicht ernst genommen, das ist das Problem.

Gast: so ist es !
11.06.2012 11:14
1

Eine Schweinerei sondergleichen!

Sollte da nicht einmal grundsätzlich über die Institution des Briefgeheimnisses nachgedacht werden? Ist es wirklich verfassungskonform, wenn Arbeitgeber von Angestellten die Zugangsdaten zu einem privaten Briefkasten verlangen? Wo bleiben da die Arbeiterkammer und Gewerkschaft, oder ist es bereits so, dass die Arbeitgeber in Österreich wirklich tun und lassen können, was sie wollen?
Auch von Seiten der WK sollten sie sich schämen, wenn sie derartige Schnüffelpraxis verteidigen und sogar zu einem Teil der "Unternehmenskultur" in Österreich werden lassen möchten. Worin unterscheidet sich die WK samt Mitgliedern dann noch von gerade diesen Teilen unserer Gesellschaft so verurteilten Schnüffelunternehmen STASI?
Da handelt es sich offensichtlich wirklich um sehr saubere Demokraten, wenn da wohl an die 100.000 Leuten nicht auffällt, wie dieses Vorhaben zum Himmel stinkt!
Aber vermutlich sind de Mittel von Diktaturen nur so lange schlecht und verabscheuungswürdig, solange sie nicht unseren sauberen Herren aus Wirtschaftskammer und Unternehmen selbst zur Verfügung stehen - darf dieses Vorhaben ebenfalls als eine Ausgeburt der ach so christlichen Werten verpflichteten ÖVP verstanden werden, oder machen da auch die Mitglieder aus den anderen Parteien, die einst für die Rechte der Arbeitnehmer eingetreten sind, mit?

SSKM

also ehrlich wer ist sich heute nicht mehr über die "macht" von facebook bewusst ? wer nicht damit umgehen kann verdient nichts anderes als seinen job zu verlieren. seit jahren wird über die gefahren von facebook berichtet und jeder mit ein bisschen hirn kann diese gefahren problemlos umgehen ... ich selbst nutze facebook, nutze es um mit bekannten in kontakt zu bleiben oder um gewisse "unwichtige" inhalte wie nachrichten, musik oder bilder zu teilen. wer da sein leben reinschreibt und jede minute seines lebens digitalisiert muss eben auch mit den folgen rechnen ! unwissenheit schützt vor strafe nicht ;)

Interessenvertretung

Die Wk ist eine Interessenvertretung.
Sie vertritt die Interessen der Mitglieder. Das sind eben die Unternehmen/r. Ist das so schwierig zu verstehen?

Gast: Take one und es ist ein klax to be really free
10.06.2012 15:21
4

Photoshop und Co. helfen, auf Facebook manipulierte Fotos zu posten und so denkende Mitarbeiter loszuwerden

Wenn es scheinbar keine Argumente für eine Kündigung mehr gibt, weil die Leistung und der Einsatz stimmt, dann läßt Chef eben die Wirtschaftskammer ein Argument suchen. Und wenn es nur ein retuschiertes Foto auf Facebook ist, das Herr Chef selbst retuschieren lassen hat. Photoshop & Co. als Werkzeug, um selbstständig denkende Mitarbeiter loszuwerden und sie durch Ja-Sager und Chef-Lemminge zu ersetzen.

Great New World.

Re: Photoshop und Co. helfen, auf Facebook manipulierte Fotos zu posten und so denkende Mitarbeiter loszuwerden

Retuschen sieht man! Noch dazu, wenn die sie digital existieren!

Re: Photoshop und Co. helfen, auf Facebook manipulierte Fotos zu posten und so denkende Mitarbeiter loszuwerden

ich würde nie auf die Idee kommen , einen mitarbeiter zu kündigen wo einsatz u Leistung paßt!! diese sind ja e am aussterben !!

Antworten Antworten Gast: ahsoo
12.06.2012 00:36
0

Re: Re: Photoshop und Co. helfen, auf Facebook manipulierte Fotos zu posten und so denkende Mitarbeiter loszuwerden

In welcher Branche arbeiten Sie?

Gast: antibook
10.06.2012 09:04
6

Jeder kann Facebook hacken

Für alle, die es noch nicht wissen:
Es gibt im Internet Programme mit denen man Facebook-Accounts hacken kann. Mittlerweile gibt es sogar Firmen die solche Account-Bündel verkaufen.

Weiterhin fröhliches Entfacen.

Antworten Gast: sadfsdf
12.06.2012 06:43
0

Re: Jeder kann Facebook hacken

Facebookaccounts werden üblicherweise über Phishingattacken oder das Abschnorcheln von WLAN-Daten gehackt. Gezielte Angriffe auf einzelne Accounts sind unüblich und es gibt keine Programme die das automatisch tun. Das sind selbst Trojaner. Es handelt sich bei zum Kauf angebotenen Account/Passwortpaaren in aller Regel um Zufallsfunde.

Re: Re: Jeder kann Facebook hacken

Na eben, dachte ich mir doch! :-)

Re: Jeder kann Facebook hacken

Und zu welchem Zweck? Um die Daten zu verändern, oder um sie anschauen zu können?

Re: Jeder kann Facebook hacken

Wie soll das gehen, ohne Kenntnis des Logins oder gar des Passworts?!? Das wäre eine schier unendliche Kombination an Möglichkeiten!

Antworten Antworten Gast: Moderndenkender
10.06.2012 11:32
1

Re: Re: Jeder kann Facebook hacken

...automatisierte Attacken zum Knacken von Zugangsdaten !

Re: Re: Re: Jeder kann Facebook hacken

Na dann hackt mal schön!

Re: Re: Re: Re: Jeder kann Facebook hacken

ein facebook konto kann man als laie nach 2h youtube/google knacken, einen keylogger zu schreiben können bereits die 14 jährigen burschen die frisch in der EDVO sitzen ;)

Re: Re: Re: Re: Re: Jeder kann Facebook hacken

Wenn Ihr von mir nur den Namen wisst, aber keine E-Mail und ich auch kein öffentliches Profil habe... wie soll das funktionieren?

Außer, dass Facebook selbst gehackt wird und die Passwörter nur unzureichend verschlüsselt sind :-)

Ich versteh solche Menschen nicht!

Geben Die auch Visitenkarten mit Ihrer Kreditkarten-Nummer aus?
Mir ist das unbegreiflich, wie man nur so rücksichtslos mit seiner eigenen Privatsphäre umgehen kann.

Re: Ich versteh solche Menschen nicht!

Diese Leute haben meist weder Visiten- noch Kreditkarten....

Re: Ich versteh solche Menschen nicht!

Das wurde offenbar mit Sendungen wie Big Brother über Jahre vorbereitet - egal ob absichtlich oder zufällig. Die Leute finden es so richtig toll, sich die Blöße zu geben.

Antworten Antworten Gast: anscheinend
12.06.2012 00:38
0

Re: Re: Ich versteh solche Menschen nicht!

hmmm, anscheinend... facebook ist ein siziales netzwrk und nichts anderes, alles klar?

Re: Re: Re: Ich versteh solche Menschen nicht!

Ja, und da geben sich halt die Leute öffentlich die Blöße. Ist das so schwierig zu verstehen?

wie ist es möglich

dass dienstgeber private Informationen erhalten wenn man nicht befreundet ist? kann mich da jemand aufklären?

Re: wie ist es möglich

Ein Sockpuppet kreieren und Freundschaftsanfrage stellen (oder wie immer das heisst).
Ablehnen wird das eh keiner und schon ist man mit der betreffenden Person "befreundet".

Klingt dämlich? Ist es auch, aber wir reden hier von Personen, die ein facebook-account haben....

Gast: Callisto
10.06.2012 07:43
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Einfache Gegenmaßnahme.

Die Mitarbeiter sollen einfach alle gesetz und steuerwidrigen Aktionen der Firmen die sich so verhalten melden - Schwarzarbeit, unbezahlte oder falsch bezahlte Überstunden, Beschäftigungsgesetz, ohne Rechnung, usw. usw.
Mal sehen wer mehr verliert.
Die Sozialversicherung ist z.B. ganz scharf auf solche Meldungen...... und das Finanzamt sicher auch.
Dann gibts noch die die ganzen Sicherheitsvorschriften die die Chefetagen aus Kostengründen auch ungern einhalten...

 
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