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Konjunktur: China lässt Europa zittern

10.06.2012 | 18:18 |   (Die Presse)

Trotz der deutlich besseren Außenhandelszahlen warnen Experten vor der stärksten Abschwächung des chinesischen Wirtschaftswachstums seit Jahren. Derzeit kommen allerdings sehr widersprüchliche Nachrichten aus China.

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War es nur eine Delle oder befindet sich Chinas Wirtschaft tatsächlich auf dem Weg in die Flaute? Diese Frage stellen sich nicht nur Ökonomen im Reich der Mitte. Eine klare Antwort – und zwar naturgemäß in Richtung einer nur kurzfristigen Abkühlung – erhofft sich vor allem das krisengeschüttelte Europa: Es setzt nämlich darauf, von der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt aus dem Konjunkturtief gezogen zu werden.

Derzeit kommen allerdings sehr widersprüchliche Nachrichten aus China, was die Einschätzung nicht einfacher macht. Die jüngsten Daten zur chinesischen Wirtschaft bestätigen einmal mehr, dass alles relativ ist: Was in den westlichen Industriestaaten als Rekord gefeiert würde, kann in der Volksrepublik schon Sorgen bereiten. Die Industrieproduktion Chinas verharrt laut jüngsten Zahlen des Nationalen Statistikamts auf einem für die Volksrepublik sehr niedrigen Niveau. Im Mai blieben sowohl der Einzelhandelsumsatz mit einem Plus von 13,8 Prozent als auch die Industrieproduktion mit einem Wachstum von 9,6 Prozent im Jahresvergleich unter den Erwartungen der Experten. Damit schaffte die Industrie zum zweiten Mal in Folge kein Wachstum über zehn Prozent – das war zuvor fast drei Jahre lang nicht mehr vorgekommen.

Die Sachgüterinvestionen lagen mit 20,1 Prozent Zuwachs in den ersten fünf Monaten dieses Jahres um 0,1 Prozent unter dem Wert des Vorjahres. Auch diese Marke ist zum dritten Mal in Folge gefallen.

Niedrigstes Wachstum seit drei Jahren

Laut chinesischen Medien hat der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Jahreswachstumsprognose für China von 8,2 auf acht Prozent nach unten korrigiert. Für die Volksrepublik wäre es das niedrigste Wachstum seit drei Jahren. Die Regierung selbst spricht in ihrer Vorschau für heuer nur von plus 7,5 Prozent. Dieser Trend verstärkt die Sorgen von Analysten, China könnte auf den schwersten Abschwung seit Jahren zusteuern. Schon im ersten Quartal wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nur um 8,1 Prozent – das war der niedrigste Anstieg seit drei Jahren. Im Vorquartal hatte das Wachstum noch 8,9 Prozent betragen.

Die chinesische Zentralbank hat in der vergangenen Woche die Reißleine gezogen und mit der überraschenden Senkung der Leitzinsen – der ersten seit 2008 – mehr als deutlich signalisiert, dass auch sie von einer Abschwächung ausgeht.

Diese Einschätzung dürften auch die aktuellen Zahlen zum Im- und Export nicht gravierend ändern, die sich überraschend verbessert haben: Wie die Zollverwaltung in Peking mitteilte, ist das Außenhandelsvolumen im Mai im Vergleich zum Vorjahresmonat um 14,1 Prozent gestiegen – auf eine Rekordsumme von mehr als 340 Mrd Dollar. Der starke Einbruch im Außenhandel in den Monaten zuvor wurde mit der Schuldenkrise in Europa begründet – China drohte dadurch der wichtigste Exportmarkt wegzubrechen. Ob die starke Steigerung der Ausfuhren auch schon die Entspannung in Europa bedeutet? Eine Antwort auf diese Frage gibt es derzeit nicht.

Vor allem die Exporte stiegen im Mai mit 15,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr deutlich stärker als erwartet. Die Importe kletterten im Mai mit 12,7 Prozent ebenfalls deutlich – im April waren es nur 0,3 Prozent gewesen. Insgesamt wuchs Chinas Außenhandel in den ersten fünf Monaten des Jahres um 7,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Regierung peilt in diesem Jahr aufgrund der schwierigen weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen ein Handelswachstum von zehn Prozent an. Allerdings war Chinas Außenhandel im Vorjahr noch um 22,5 Prozent gewachsen. Deshalb warnen Analysten auch davor, aus den Zahlen eine Trendwende für die chinesische Wirtschaft abzulesen.

Niedrige Inflation

Positiv in die Waagschale fällt die niedrige Inflation: Auf Jahresbasis lag die Rate im Mai bei drei Prozent – der niedrigste Stand seit fast zwei Jahren. Die Erzeugerpreise, die einen Hinweis auf die künftige Inflationsentwicklung geben können, sind im Mai um 1,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gesunken. Chinas Wirtschaftspolitik müsse sich in diesem Jahr weniger der Inflationsbekämpfung widmen als vielmehr der schwächelnden Konjunktur, meinen Ökonomen. Regierungschef Wen Jiabao hat schon im Mai angekündigt, dem Wachstum wieder mehr Priorität einräumen zu wollen. Übereilte Hoffnungen auf ein eventuell geplantes neues Konjunkturprogramm wurden von offizieller Seite aber sofort gedämpft.

Ein weiterer Lichtblick ist die Binnennachfrage, die sich in China deutlich zu erholen scheint. So legte der chinesische Automarkt im Mai um fast 16 Prozent zu. Seit Anfang des Jahres konnten die Hersteller insgesamt 6,33 Millionen Pkw absetzen. Europas größter Autokonzern VW will sein Geschäft in China ausbauen und die Produktionskapazität auf vier Millionen Fahrzeuge verdoppeln, berichtet das Magazin „Focus“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.06.2012)

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14 Kommentare

Kauf keine Produkte aus China!


Re: Kauf keine Produkte aus China!

Aller Wahrscheinlichkeit nach haben Sie aber, allein um dieses Posting abzugeben, vielerlei Komponenten aus China - in Ihrem PC/Laptop/Smartphone/Tablet - in Anspruch genommen.

Re: Re: Kauf keine Produkte aus China!

Mag sein. Aber bewusst kaufe ich nichts aus China.

Dachte immer, wir haben nue EINE Erde u. es gibt kein unendliches Wachstum !!


... in einem geschlossenen System.

Eigentlich ist unser energetischer Fussabdruck schon jetzt 3 mal so gross wie langfristig möglich.

"Erst wenn der letzte Baum gefällt u. der letzte Fisch gefangen ist, wird der Mensch merken, dass man Geld nicht essen kann".


Verwirrend

Zitat:"Ob die starke Steigerung der Ausfuhren auch schon die Entspannung in Europa bedeutet?"

Ich dachte immer, nur die inländische Produktionskette generiert echtes Wachstum.

Das österreichisches Wachstum jetzt schon dadurch erzeugt wird, das wir mehr chinesische Waren kaufen, war mir neu.

Apropo verwirrend. Aus den letzten Jahren sind mir einige Artikel in Erinnerung, die bei einem Wachsstum von >10% von einer Überhitzung der chinesischen Wirtschaft schrieben.....

10 0

da sieht man wie Blöd

die Wirtschaftsexperten und Regierungen sind. Ein Wachstum von 9,6% lässt alle zittern. Es melden sich offensichtlich die Abzocker zu Wort, die Ihre Einnahmen gefährdet sehen. Das ist so wie bei unseren Banken: wenn man 800 Mio. statt 1 Mrd. verdient, dann ist das eine Katastrophe. Wie lächerlich und idiotisch von unseren sogenannten Wirtschaftsexperten und Regierung.

Gast: heavy zittering
11.06.2012 00:06
2 0

zzzz

Ich zittere permanent
vor den umfallenden Reissäcken China

Gast: Reflector
11.06.2012 00:01
0 0

Sind schon unsere Zahlen geschönt ...

... aber zu meinen, dass die chinesischen lediglich die gleiche fake Qualität wie unsere aufweisen, muss schon sehr naiv sein.

1,4% CPI .... das ist die vom ZK ausgewiesene.

Insofern verstehen sich ja CN und die EU schon sehr gut.

Real ist CN bereits in eine Rezession eingetreten.

Die Führung in CN weiss aber genau, was eine offene Wirtschaftskrise für sie bedeuten würde.

Der Anstieg des Inlandskonsums ist zu wenig und hier die 16% Autoverkaufsanstiege zu zitieren, wohl der allerletzte Strohhalm.

Dennoch wird sich diese nicht ewig mit Zahlen weglügen lassen, wer Geschäftspartner oder Zugang zu Hintergrundinfo besitzt, weiss dass die 1,4 % CPI als Witz bezeichnet werden muss, wenn z. B. im wirtschaftlich starken Südosten alleine Lohnerhöhungen von 35 - 50% keine Seltenheit waren und bei einigen Gütern die Preise sich dem westlichen Niveaus anpassen.

10 0

Ich frag mich die ganze Zeit...

...wie kann des sein, dass die (Welt)Wirtschaft permanent wachsen soll, obwohl es nur endliche Resourcen auf unserem Planet gibt?!? Ich geb ja eigentlich, wenn ich ehrlich bin, jedes Jahr weniger aus, weil meine Kosten ständig steigen. Und ich bin mir sicher, dass es dem Großteil der Menschheit so geht. Ich begreif des System echt nicht...

Antworten Gast: Reflector
11.06.2012 00:23
3 0

Re: Ich frag mich die ganze Zeit...

Es wächst ja nicht unbedingt die Gütermenge. Diese ist zwar weltweit gewachsen, aber bei weitem nicht so schnell wie die weltweiten Geldmengen.

Und hier liegt der Knackpunkt.

Die Steigerungen werden aber in Geld (USD) Äquivalent angegeben, zudem noch in ziemlich unsinnigen, wie dem BIP (GDP) also dem 'Weltumsatz', der dann bei Anstieg fälschlicherweise als 'Wirtschaftwschstum' bezeichnet wird, was natürlich Unsinn ist, denn hierin sind Steuer, Gebühren, Zinsensdienst(!) , etc. ebenso enthalten.

Bereinigt, also 'wertgesichert' gerechnet, ebenso fälschlicherweise als 'Inflationsbereinigt' bezeichnet, wird dieser dann mittels dem CPI also dem Preissteigerungsindex, der von einem Warenkorb mit verschiedenen Waren und deren Gewichtungen und sehr erfinderischen Berechnungsmethoden eruiert wird.

Deswegen haben wir in Ö auch nur 2,7 % 'Inflation' was aber richtigerweise heissen sollte, Warenpreissteigerung.

Die wirkliche Inflation (Geld / Warenmenge Relation) ist aber wesentlich höher.

Aber selbst bei dieser 'verharmlosten' jährlichen ca. 2,5 % 'Inflation' bekommt man aber eine exponentielle Absolutkurve die ins Unendliche will, ähnlich dem Zinseszins.

Und wenn die Steigung 'steil' wird, dann ist eine Fahnenstange erreicht und damit bald deren berühmtes Ende - Krisenzeit - Verwerfungen - Neubeginn.

Am Anfang dieser Entwicklung stehen wir gerade.

Nach einem Krach wird wieder ziemlich weit unten angefangen.

Also, zur 'Beruhigung', keine Bäume wachsen ewig in den Himmel.

Re: Ich frag mich die ganze Zeit...

die vorhandenen Ressourcen werden effizienter eingesetzt.

Die moderne Landwirtschaft braucht viel weniger Arbeitskräfte und produziert ein Vielfaches vom gleichen Stück Land mit

ein Auto verbraucht viel weniger an Treibstoff als 1980, auch der Dieselanteil kann heute dafür gebraucht werden.

Ihre Ölheizung verbraucht weniger, muss aufgrund anderer Bauweise weniger heizen.

Ihr Kühlschrank und PC verbraucht weniger Strom.

Kurz: aufgrund effizienterer Systeme, sei es Verbrauch oder Gewinnung, kann mehr mit den selben resourcen erreicht werden.

Re: Re: Ich frag mich die ganze Zeit...

Das stimmt. Jedoch gibt es noch Milliarden Menschen, die noch kein Auto, Zweitauto, PC, Waschmaschine etc. haben. Durch die Steigerung des Wohlstands bekommen die auch Zugang zu den Segnungen dieses Wohlstands und diese Steigerung über-kompensiert die erreichten Effizienzsteigerungen in Europa/USA.
Schön zu sehen in der Entwicklung der PKW-Sektors China's in den letzten 20 Jahren.

Re: Re: Ich frag mich die ganze Zeit...

Ja aber wenn mein Auto weniger verbraucht, dann brauche ich auch weniger Benzin, das heißt die Öl-Konzerne machen weniger Gewinn, müssen Leute entlassen etc,...

Alles in allem bleibt es in Summe eher gleich vermute ich

Antworten Gast: Messalina-X
10.06.2012 20:36
4 0

Re: Ich frag mich die ganze Zeit...

"Wem genug zu wenig ist, dem ist nichts genug." / Epikur

gilt für ALLE und JEDEN

Hobbyökonom