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Der „Energie-Scherbenhaufen“ Europa

13.06.2012 | 18:09 |  MATTHIAS AUER (Die Presse)

Nationale Alleingänge führen zu „kompletten Fehlinvestitionen in Ökostrom“, sagt der deutsche Ökonom Bettzüge. Er fordert Quoten statt Subventionen für „grüne Energie“.

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Wien. Die deutsche Nuklearindustrie hat es immer schon gewusst. Berlin wird der Ausstieg aus der Atomenergie teuer zu stehen kommen. Und wenn die Atomkonzerne dafür selbst sorgen müssen: 15 Mrd. Euro Schadenersatz fordern E.On und RWE vom deutschen Fiskus. Aber sie sind nicht die Einzigen, die am radikalen Schwenk zu einer Energieversorgung aus Wind- und Sonnenkraft zu nagen haben.

Denn die neuen Windräder im Norden liefern oft so viel Strom, dass die Netze der Nachbarländer knapp vor dem Zusammenbruch stehen. Auf der anderen Seite bekommt der industriereiche Süden des Landes zusehends Probleme, die Stromversorgung zu sichern.

Probleme wie in der Eurokrise

Wurzel allen Übels seien die nationalen Alleingänge in Europas Energiepolitik, sagt der Kölner Ökonom Marc Oliver Bettzüge. Die Probleme seien ähnlich gelagert wie in der Eurokrise: Wie der Währungsunion ein gemeinsamer Fiskalpakt fehle, so bleibe auch der europäische Energie-Binnenmarkt ohne gemeinsame Energiepolitik nur ein Scherbenhaufen. „Im Moment produziert Europa möglichst wenig Strom für möglichst viel Geld“, sagt Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber. Die Vielzahl an nationalen Förderungen für Ökostrombetreiber sei „Gift“ für die Energiewirtschaft. Auch Bettzüge vermisst „vernünftige Preissignale“. Die Folge seien „komplette Fehlinvestitionen und mangelnde Innovation bei erneuerbaren Energien“.

„Ende der Dauerförderung“

Etliche EU-Mitglieder haben bereits reagiert und die Förderbremse gezogen. Auch EU-Energiekommissar Günther Oettinger sprach sich erst kürzlich dafür aus, „eine Art Geschwindigkeitsbegrenzung beim weiteren Zubau von erneuerbaren Energieträgern“ einzuziehen.

Bettzüge geht das nicht weit genug. Er fordert, dass die nationalen Regierungen die Energiepolitik an die EU abgeben. Brüssel solle künftig den Energiemix des Kontinents bestimmen. Um vom teuren Fördersystem wegzukommen, schlägt der Ökonom eine Quotenregelung vor, die jeden Energieversorger verpflichten würde, einen bestimmten Anteil an erneuerbarer Energie im Angebot zu haben. In welche Technologien an welchen Standorten in Europa investiert werde, würde dann nicht länger der Staat, sondern Firmen entscheiden. Und dabei vielleicht etwas weniger auf die Interessen einer starken Agrarlobby achten. Als warnendes Beispiel dienen deutsche Politiker, die Unsummen in die Förderung von Fotovoltaikanlagen gepumpt haben, um die lokale Industrie zu stützen. Nun ist eines der sonnenärmsten Länder Europas zwar flächendeckend mit Solaranlagen versorgt. Geliefert haben sie aber vorwiegend Hersteller aus China.

Auch Österreichs Energieregulator Martin Graf plädiert für ein Ende der „Dauerförderung“. Sie habe nämlich noch einen zweiten negativen Effekt: Investitionen in fossile Kraftwerke, die zur Sicherung der Energieversorgung nötig sind, rechnen sich derzeit einfach nicht. Schon wird überlegt, Gaskraftbetreiber mit Steuergeld zu locken, damit sie Kraftwerke bauen. Dann gäbe es kaum noch Stromerzeuger, die nicht am staatlichen Fördertropf hängen.

Eine Flat-Tax für Gaskraftwerke

Für den Ökonomen Bettzüge ist das eine Schreckensvision. Sein Energiewirtschaftliches Institut hat deshalb ein Gegenmodell erarbeitet, mit dem der Bau von Gaskraftwerken auch ohne staatlichen Eingriff wieder lukrativ werden soll. Betreiber könnten Strom demnach nicht nur dann verkaufen, wenn alle anderen Quellen auslassen, sondern dürften eine Art Jahresgebühr dafür einheben, dass sie bei Engpässen Strom liefern.

So könnte vielleicht ein Paradoxon der Energiewende beseitigt werden: Derzeit sind Braunkohlekraftwerke der wirtschaftlichste Weg, um die Schwankungen der „grünen“ Stromproduktion auszugleichen. Leider sind sie auch die umweltschädlichste Variante.

Auf einen Blick

Europas Energiewende stockt. Das nationale Förder-Wirrwarr für Ökostrom führt zu „kompletten Fehlinvestitionen“, sagt Marc Oliver Bettzüge, Direktor des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Uni Köln. Gleichzeitig rechnen sich Gaskraftwerke, die die Versorgung sichern sollen, nicht mehr.

Österreich wird die Energiewende inklusive Ökostromförderung und Energieeffizienz-Maßnahmen „ein paar Milliarden Euro“ kosten, schätzt die E-Control.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.06.2012)

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20 Kommentare

Zeit

Seit kurzem erst weurde ganz Europa zu einem Verbundnetz zusammen geschlossen. Die EU und damit die klimapolitik gibt es auch erst grad mal 20 Jahre. Bis die Netzstruktur angepasst und die Erzeugung perfekt läuft dauert es einfach ein wenig. Das Strom system ist ein träges.
Weil bei der Wende fehler gemacht werden und nicht alles perfekt läuft war zu erwarten weil es sowas noch nie gegeben hat auf der Welt.

Nicht immer gleich polemik panisch aufschreien: Alles bricht zusammen!! seit der Wende gab es keinen Stromausfall in Österreich. Davor einige! also bitte immer die komplexität nicht aus den Augen verlieren. Es ist ein unumgänglicher Schritt hin zur erneuerbaren Energie weil Europa nicht genug resourcen hat. Es bleibt uns gar nichts anderes übrich.
Mfg

Gast: Otto F.Krammer
21.06.2012 14:03
0 1

Mit der Verhinderung vom Donaukraftwerk Hainburg,..

haben die Grünen den Atomstrom und Fossilstrom in Österreich hoffähig gemacht,
jetzt demonstrieren sie wiederum gegen das Speicherkraftwerk Kaunertal.
Fred Sinowatz, der Unschlüssige hat eine einstweilen 26 jährige "Nachdenkpause" angesagt und es wärte Zeit, diese zu beenden.
Damals wurden gleich mehrere Industriebetriebe, zB. Waagner Biro, in den Konkurs getrieben.

wir brauchen erst einmal gute stromnetze!!!

die fahrlässigkeit der mit der energiewende betrauten politiker ist ja fast schon kriminell.

da werden milliarden für photovilthaikanlagen die großteil in china produziert werden in europa daher kaum wertschöpfung schaffen vergeudet, die aber kaum ertrag leifern und wenn dann nur zu zeiten, in denen keiner strom braucht, während die strompreise für den verbraucher davongallopieren und die energieintensive industrie gefährden!

Die politiker europa sollten vorerst einmal in die stromnetze investieren
Da gibt es zig baustellen, die nord südleitungen von z.b der nordseeküste deutschlands und dänenmarks zu den pumpspeichern salzburgs und kärntens sind völlig überlastet

schon jetzt müssen windparks oftmals tagelang vom netz gehen, weil die leitungen sonst zusammenbrechen würden, gleichzeitig müssen in österreich alte ,teure, ineffiziente, chalorische kraftwerke angeworfen werden
weil sonst in bayern und baden wüttenberg die stromnetze zusammenbrechen, was fatale auswirkungen auf ganz mitteleuropa haben könnte.

Das ganze ist einfach nur pervers!
Wir brauchen daher in deutschland unbedingt mehr 380 kv leitungen die von norden nach süden gehen, und an die pumpspeicher österreichs und der schwez angebunden sind, außerdem brauchen wir in österreich uu mehr pumpspeicher und endlich den 380kv ring!

Aber der bau von stromleitungen ist unpopulärer als das einweihen von windparks wird daher von unseren politikern gemieden!

0 1

Re: wir brauchen erst einmal gute stromnetze!!!

Was du nicht willst das man dir tut das füg auch keinem andern zu.
So einfach ist das, oder würden sie gerne unter einer 380.000 V Leitung leben. Haben sie schon einmal das Knistern u. Surren erlebt, besonders bei feuchter Luft?
Der Elektrosmog zieht ihnen da die Schuhe aus.
Nicht EINEM Menschen ist so etwas zumutbar.
Drum bin ich ja gespannt wie die duselige Merkl das mit ihren 4.000 km langen Leitung machen will.
Und eigentlich ist das ganze ja gar nicht notwendig.

0 1

Re: wir brauchen erst einmal gute stromnetze!!!

Was du nicht willst das man dir tut das füg auch keinem andern zu.
So einfach ist das, oder würden sie gerne unter einer 380.000 V Leitung zu leben. Haben sie schon einmal das Knistern u. Surren erlebt, besonders bei feuchter Luft?
Der Elektrosmog zieht ihnen da die Schuhe aus.
Nicht EINEM Menschen ist so etwas zumutbar.
Drum bin ich ja gespannt wie die duselige Merkl das mit ihren 4.000 km langen Leitung machen will.
Und eigentlich ist das ganze ja gar nicht notwendig.

Gast: Stromlose
14.06.2012 14:30
4 1

Hirnverbrannte Politik der Grünen

Diesen Energie-Scherbenhaufen haben wir den Grünen zu verdanken, die ohne Vorausschau jede alternative Energieproduktion gefördert haben und nun auch finanztechnisch ein Milliardengrab in der Fotovoltaiktechnologie speziell in Deutschland zurücklassen

Re: Hirnverbrannte Politik der Grünen

Wo bitte sitz die mehrheit der Grünen im EU-Parlament? Das wurde von den Regierenden Beschlossen und das sind alle Partein. Das hat nichts mit politischer Einstellung zu tun sondern mit nakter Notwendigkeit. EU (Keine resurcen) deshalb import durch erneurbare minimieren.
Ganz einfach und notwendig.

Die Grünen sind eine Minderheit,

das Problem sind die dahintersteckende Ideologie und die Ökologisten in allen Parteien.

Sollen jetzt teure Gasturbinen Kraftwerke subventioniert werden?

Die Ahnungslosigkeit der Politik ist unglaublich! Wieso die Presse hier für teure Gasturbinen Kraftwerke Stimmung macht? Fakt ist, dass Wind und Sonne den Strompreis langfristig senkt und schon heute zu Mittag im Süden Deutschlands deckt die PV 40% des Bedarfs. Ja die Banken glauben den Russen nicht mehr, dass Sie weitere 20 Jahre für den gleichen Preis Gas liefern werden(wichtig für die Bankability eines Gaskraftwerkes)

Und was ist mit dem Rest der Zeit,

oder wenn Flaute herrscht, ein Wölkchen vor der Sonne steht, Nacht, Nebel oder sonstwas ist?

Spitzenlast ist gut und schön, für den Betrieb unserer Zivilisation brauchen wir aber auch Grundlast.

Antworten Gast: Gast14062012
14.06.2012 14:46
0 0

Re: Sollen jetzt teure Gasturbinen Kraftwerke subventioniert werden?

"Investitionen in fossile Kraftwerke, die zur !!Sicherung!! der Energieversorgung nötig sind...

Fossile Kraftwerke dienen als Backup und können daher nie ganz vermieden werden.

Der Traum vom allmächtigen EU-Bürokratenreich

Frankreich würde sich nie von einer EU-Kommission oder einem EU-Parlament vorschreiben lassen, seinen Atompark hier und da abzubauen und dafür auf erneuerbare Energie zu setzten. Selbst die antinationalen, EU-begeisterten Grünen in Deutschland könnten eine EU-Order zum Bau neuer Atomkraftwerken in Deutschland nicht akzeptieren. Eine vollständig vergemeinschaftete, rein rationalen Gesichtspunkten folgende EU-Energiepolitik, die die politische Kultur der einzelnen Staaten ignoriert, würde genau solche Ergebnisse zeitigen! Wäre die Energiepolitik vollständig in der Hand Brüssels, wäre der deutsche Atomaustieg nicht möglich gewesen. Herrn Bettzüges EU-Großreichpläne sind glücklicherweise definitiv nicht umsetzbar.

Die EU-Staaten können und sollten ihre Energiepolitik bis zu einem gewissen Grad koordinieren. Wie aber der jeweilige Energie-Mix letztlich aussehen und wie das Ganze am Ende umgesetzt wird, wird im nationalstaatlichen Rahmen entschieden werden.

Deutschland für seinen Teil muss nun einerseits massiv den Bau von Erdkabeln/Überlandleitungen von Norden in Richtung Süden forcieren und andererseits seine Energiespeicherkapazitäten (z. B. durch Pumpspeicherkraftwerke) erhöhen.

Gast: stefan987654321
14.06.2012 12:33
1 0

knappe Güter

ein sinnvoller und koordinierter Umstieg auf regionale Energieträger verlangt intelligente Planungen und Intelligenz ist das knappste Gut das wir haben.

3 1

Es ist nichts so dünn gesponnen, es kommt alles an die Sonnen

Jetzt kommt er ans Licht, der Scherbenhaufen:
"Möglichst wenig Strom für möglichst viel Geld!"
Besser hätte man es nicht sagen können.
Jährlich versickern mindestens 600 Mio Euro in Schwarz-Grüne Kanäle, ohne einen Nutzen für den Bürger. Der darf die Öko-Gaunereien über die erhöhten Strompreise u. Netzkosten teuer bezahlen.
Und die Windkraftlobbyisten Pröll u. Niessl grinsen noch immer breit von der Homepage der IG windkraft herab u. unterstützen damit die Abzocke der kleinen Stromkunden.
Wen wundert da noch die Politikverdrossenheit?

Gast: Wasserstoffwirtschaft
14.06.2012 08:38
0 1

Die gewinne bleiben in der Region

http://biowasserstoff-magazin.richey-web.de/mitstreiter_einleitung.htm

oder

http://www.h2-patent.eu/wirtschaft.php

nationaler alleingang..und dann exportieren wir mal wieder die technologie..was bremst die politik nur wieder?

Gast: Zyni
14.06.2012 06:22
9 4

Wo linke und Grüne wüten

da bleiben nur Scherben und Ruinen zurück.

4 0

Re: Wo linke und Grüne wüten

Da haben Sie vollkommen recht.
Auffallend ist dabei auch, dass der von unseren Zwangsgebühren lebende Ökotalibansender ORF kein Wort über diese hinterhältigen Abzockmethoden bringt.
Der darf das nicht, sonst ist der Wrabetz seinen Chefsessel los u. viele grüne Redakteure ihr hoch subventionierten lukrativen Jobs.


Gast: zylmurbfi
13.06.2012 21:33
0 4

es wäre wünschenswert,

wenn wir die ölfmaffia lowerden könnten. nur wie es versucht wird, ist dilettantisch. es wird polemisiert. nützliche idioten werden motiviert sich in ungeeigneten gebieten fotovoltaikanlagen anzuschaffen. auf fossile energieerzeugung wirkt hingehackt, was das zeug hält. darunter zählen die gaskraftwerke, wie, schon etwas verständlicher die kohlekraftwerke. pellets ist momentan in. weil die nachwachsenden rohstoffe trumpfkarte sind. bei näherem besehen aber einer kritischen betrachtung auch nicht standhalten. was europa ist zeigt es immer wieder. ein loser haufen eigensüchtiger staaten, die nur eines im schädel haben: ihren eigenen vorteil.

Antworten Gast: nestbeschmutzer
14.06.2012 07:51
0 0

Re: es wäre wünschenswert,

Ja, ja, nur der eigene Schrebergarten ist schön.
es lebe die EU?

Hobbyökonom