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US-Geldpolitik: Die Geldschleusen gehen weiter auf

19.06.2012 | 17:21 |  Von Stefan Riecher (Die Presse)

Seit November 2008 befindet sich die US-Notenbank im Krisenmodus. Ein Ende ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Die Finanzwelt erwartet weitere Käufe von Staatsanleihen. Kritiker verweisen auf die Inflationsgefahr.

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Wien. Es war im November 2008 und Ben Bernanke sprach von einer „einzigartigen Ausnahmesituation“. Die US-Finanzkrise hatte ihren Höhepunkt erreicht. Deshalb orderte der Zentralbankchef den Kauf von „faulen“ Hypotheken im Ausmaß von mehr als 600 Mrd. Dollar (475 Mrd. Euro) an. Das sollte die Märkte ein wenig beruhigen. Doch es verärgerte viele republikanische Abgeordnete: „Wissen Sie überhaupt, was Sie da tun?“, fragten sie den Ökonomen. „Natürlich. Besondere Zeiten erfordern besondere Handlungen“, erklärte Bernanke.

Dreieinhalb Jahre später fährt die US-Notenbank immer noch im Krisenmodus. Seitdem der Zentralbankchef 2008 die Geldschleusen geöffnet hat, hat er sie nie wieder geschlossen. Die Leitzinsen liegen zwischen null und 0,25 Prozent, der tiefstmögliche Wert. Auf den Kauf von Hypotheken folgte der Kauf amerikanischer Staatsanleihen. Und heute, Mittwoch, wird die Federal Reserve aller Voraussicht nach weitere „außergewöhnliche Maßnahmen“ verkünden.

Schon längst diskutieren Ökonomen allerorts, ob und – wenn ja – wie viel Spielraum die Fed überhaupt noch hat. Die Bilanzsumme ist auf knapp drei Billionen Dollar angewachsen. Vor der Krise, im Sommer 2008, lag der Vergleichswert bei 700 Mrd. Dollar. Das Geld, mit dem die Zentralbank Hypotheken und Treasury Bonds kauft, fließt zumindest teilweise in die Realwirtschaft. Das trieb die Inflationsrate in den USA zwischenzeitlich auf 3,5 Prozent.

Twist oder Quantitative Easing?

„Wir gehen von einer Erhöhung der Bilanzsumme aus“, schreibt Jon Hatzius, Chefökonom von Goldman Sachs, in einer aktuellen Einschätzung. Soll heißen: Die Federal Reserve wird eine dritte Runde „Quantitative Easing“ (QE) verkünden. Dabei sorgte schon „QE II“ für große Aufregung. Von einem gefährlichen Eingriff in die Märkte sprachen viele Ökonomen, als Bernanke im November 2010 verlautete, Staatsanleihen im Ausmaß von 600 Mrd. Dollar kaufen zu lassen. Von einem notwendigen Schritt, um der angeschlagenen US-Wirtschaft auf die Beine zu helfen, sprach der Zentralbankchef.

Zuletzt mehrten sich allerdings die Anzeichen, dass die weltgrößte Volkswirtschaft immer noch nicht rund läuft. Die Arbeitslosenrate ist wieder gestiegen, auf 8,2 Prozent. Aktuelle Prognosen gehen von einem Wirtschaftswachstum für das zweite Quartal von weniger als zwei Prozent aus. „Die erste Runde des Quantitative Easing hat noch relativ viel gebracht“, meint Hatzius. Deutlich weniger positive Auswirkungen habe QE II gehabt, weshalb der Goldman-Sachs-Ökonom auch von einer neuerlichen Runde an Staatsanleihenkäufen abrät.

Doch selbst wenn die Federal Reserve am heutigen Mittwoch kein „Quantitative Easing III“ verkündet: Dass sie den Marktkräften freien Lauf lassen wird, halten die meisten Ökonomen für ausgeschlossen. Die Volkswirte von JP Morgan sagen etwa voraus, dass die „Operation Twist“ ausgeweitet wird. Dabei tauscht die Zentralbank Staatspapiere mit kurzer Laufzeit gegen solche mit längerer Laufzeit. Das erhöht nicht die Bilanzsumme. Laut Lehrbuch soll es aber der Konjunktur auf die Sprünge helfen, weil die Geldschleusen der Zentralbank voraussichtlich länger als erwartet offen bleiben.

Streit um Obamas Einfluss

Kritiker verweisen auf die Inflationsgefahr und darauf, dass die bisherigen Eingriffe der Fed wenig gebracht haben, weil die Arbeitslosigkeit immer noch hoch ist. Bernanke entgegnet, dass er nicht tatenlos zusehen könne, während sich die Lage in der Eurozone immer weiter zuspitzt. So treffe die Krise in Europa auch die US-Konjunktur hart, weil Investoren und Konsumenten weltweit Vorsicht walten ließen, argumentiert der Zentralbankchef.

Eine wichtige Rolle spielt auch die Politik. Präsident Barack Obama fordert weitere Konjunkturpakete und steht auch einem Einschreiten der Fed freundlich gegenüber. Die Republikaner stellen deshalb bereits die Unabhängigkeit der Zentralbank infrage. Bernanke dürfte sich davon nicht ablenken lassen und die Notenpresse erneut anwerfen. Von einem „außergewöhnlichen Schritt“ wird er diesmal wohl nicht mehr sprechen.

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20 Kommentare
Gast: Lumpi
25.06.2012 21:57
0 0

Wenn ich Goldman Sachs und FED lese weiss ich dass nichts Gutes kommt

Die Verursacher von Krisen werden nicht die Retter sein.

Die USA wird nicht vom Präsidenten, sondern von der FED und der Wallstreet regiert !

Und alles geschieht unter dem Schutzmantel der political correctness, die jede Kritik daran niederknüppelt.

2 0

die usa

Hat in der aktuellen Situation viel mehr zu verlieren, als Europa.
...Sie pokern mit viel höherem Einsatz!

Darum sind sie auch so erpicht darauf, dass Europa mitspielt und seinen Einsatz erhöht!

Der Zensor verhindert schon wieder jegliche Kritik an Amerika und seinen Umgang mit den Banken!!!


Gast: Gastdozent
20.06.2012 10:07
8 0

JA,aber?

die nationalen privatbanken haben doch den braten schon lange gerochen?
die EZB überschüttet sie mit prkt. zinslosen geld über die nächsten drei jahre,
die nehmen freudig dieses geld, geben aber keine kredite an die wirtschaft, sondern kaufen damit "Staatsanleihen" aber mit renditen von 6-7%.
(wie derzeit in spanien,italien,griechenland,portugal,zypern)
so kann man wunderbar bankgeschäfte auf kosten der Staatsbürger-Steuerzahler machen.
einfach wunderbar, nur die zeit läuft.....
bis zum crash! Danke EZB.

Gast: Hans im Glück
20.06.2012 09:32
4 0

Wenn das keine Sklavenhalter sind, was dann?

Drucken Geld aus dem Nichts.

Alle anderen arbeiten um diese Klopapier zu bekommen. All das nur weil es ein staatliches Monopol auf das Geld gibt.

Ich will auch mein Geld drucken.

Im freien Wettbewerb, den der Staat überwachen und regulieren soll, wird sich das beste Geld herauskristallisieren.

Nimmt endlich den Politikern und den Banken das Geldmonopol weg.

Antworten Gast: anderswo
20.06.2012 13:07
1 0

Re: Wenn das keine Sklavenhalter sind, was dann?


http://de.wikipedia.org/wiki/Fiatgeld

Der Hund und der Hirte arbeiten zusammen, wie man so schön sagt.

Na dann

wird es auch nicht mehr lange dauern bis der Goldman Sachs Jünger Draghi die Schleusen der EZB auch aufmacht.

Der Zeitpunkt wäre ja günstig, die 1 Billion Gelddusche haben Spanien und Italien ja berreits verbraten ohne das die Wirtschaft mehr Kredite erhalten hätte.

Ausserdem bricht gerade in Italien der Immobilienmarkt zusammen also könnten die Banken wieder ein bisschen Hilfe gebrauchen.

Gast: Toast
20.06.2012 08:39
9 0

Solange es Öl gibt

und solange Öl in Dollar gehandelt wird, solange können die USA Geld drucken so viel sie wollen. Der Dollar ist durch Öl im Wert gedeckt da wir alle davon abhängig sind. Dadurch steigt lediglich der Ölpreis weil der gleichen Menge Öl eine größere Menge Geld gegenübersteht. Alle anderen Waren werden dann mit entsprechender Verzögerung auch teurer. Das kann den USA aber egal sein. Denn sie können ja drucken so viel sie wollen. Bezahlen tuts der Rest der Welt.

Gast: smilefile
20.06.2012 08:34
3 0

ESM,...

"Wir (die Notenbanken) sind völlig abhängig von den Geschäftsbanken. Jeder Dollar der umläuft, sei es als Bargeld oder Buchgeld, muss von jemandem geborgt sein. Wenn die Banken reichlich Geld aus dem Nichts erzeugen, geht es uns gut, wenn nicht, verhungern wir. Es gibt nicht so etwas wie ein dauerhaftes Geldsystem. Wenn man das erst einmal wirklich verstanden hat, erscheint das Absurde dieser hoffnungslosen Situation fast unglaublich, aber so ist es. Es ist wohl der wichtigste Sachverhalt, über den intelligente Menschen sich jetzt klar werden und nachdenken müssen. Es ist so wichtig, dass ein Zusammenbruch unserer gegenwärtigen Zivilisation auf dem Spiel steht, wenn es nicht allgemein verstanden wird und die Fehler rasch korrigiert werden."
Robert H. Hemphill



Gast: Hans im Glück
20.06.2012 07:33
1 0

Silber und Gold werden sich freuen...


Was regt ihr euch auf?

Die richtig angeschmierten sind doch die Länder, die ihre Rohstoffe und Halbzeug für diese bedruckten Papierfetzen verhökern (müssen)!

Da zaubert es mir doch ein breites Grinsen ins Gesicht, wenn dann Myung-bak, Obama, Singh und Hu Jintao fordern, Europa solle endlich etwas gegen "DIE KRISE" unternehmen.
Kauft euch sonst keiner euren Rotz ab oder seid ihr mit der Farbe unseres bedruckten Papiers nicht zufrieden? :-)

Antworten Gast: nobody_is_my_name
20.06.2012 06:43
1 0

Re: Was regt ihr euch auf?

Nicht über das Geld schimpfen, die Druckmaschinen sind aus Heidelberg. Eine davon hat die CIA sogar um Schwarzgeld für den Terrorismus im Ausland zu drucken, die arbeiten dann echt kostenlos, denn das Geld kann nie eingetauscht werden.

Gast: maxonyou
19.06.2012 23:12
0 0

Max Otte

Prof. Dr. Max Otte - Cash on You

http://goo.gl/YMfrn

Gast: anderswo
19.06.2012 21:23
10 0

Die Republikaner stellen deshalb bereits die Unabhängigkeit der Zentralbank infrage.


Ist das ein Witz?

Gast: Grüne Späne
19.06.2012 20:39
3 0

US-Geldpolitik: Die Geldschleusen gehen weiter auf

Realistisch gesehen ist der US-Dollar schon länger ein nett anzusehender wertloser Fetzen aus teurem bedruckten Papier.

0 0

Re: US-Geldpolitik: Die Geldschleusen gehen weiter auf

genannt Klopapier!!

well,

let's use the European approach, seems to really work;)...

Gast: EFF EFF
19.06.2012 19:42
3 1

US-interner Machtkampf

Goldmann-Sachs befürchtet bei weiterem QE-Programmen überproportionale Wertverluste des Computergeldes, welches sowieso nix wert ist. Die Unternehmensverschuldung in den USA ist relativ gering im Vergleich zu anderen Industrienationen. Für die Finanzinstitute ist die anhaltende Wirtschaftskrise eine Stärkung ihrer Machtposition, da die Unternehmen Rücklagen abbauen müssen und ihre Kapazitäten nicht nutzen können.

Hobbyökonom