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OECD: Durst nach Öl sinkt

20.06.2012 | 18:36 |   (Die Presse)

Im Vorjahr wurde in den Industrieländern so wenig Erdöl verbraucht wie zuletzt 1995. So sank der Verbrauch der OECD-Länder um rund 600.000 Fass. Der Preis lag aber dennoch auf einem Rekordhoch.

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Wien/Jaz. „Der Ölverbrauch hat sich in den Industrieländern inzwischen vom Wirtschaftswachstum entkoppelt.“ So kommentierte am Mittwoch BP-Chefanalyst Kevin Goodwin die Ergebnisse des „Statistical Review of World Energy“ für 2012, der als aussagekräftigste globale Energiestatistik gilt. So sank der Verbrauch der OECD-Länder um rund 600.000 Fass (je 159 Liter) pro Tag (1,2 Prozent) auf den niedrigsten Stand seit dem Jahr 1995. Allerdings wurde dieser Rückgang durch einen Zuwachs von 2,8 Prozent in den Schwellenländern wieder wettgemacht.

In den Industrienationen sank im Vorjahr aber auch in Summe der Energieverbrauch um 0,8 Prozent, obwohl die Wirtschaft um knapp zwei Prozent wuchs. „Dies hing jedoch auch mit dem japanischen Wirtschaftseinbruch in Folge des Tsunamis und einem besonders milden Wetter in Europa zusammen“, so Goodwin. Eine Entkopplung des kompletten Energieverbrauchs vom Wirtschaftswachstum möchte er daher noch nicht diagnostizieren.

Der Rückgang des Ölverbrauchs in den Industrieländern sei jedoch ein stetiger Prozess, der auch in Zukunft weitergehen werde. Grund ist vor allem das gestiegene Preisniveau, das alternative Energiequellen zunehmend wirtschaftlich interessant werden lässt. So lag der durchschnittliche Ölpreis mit 111 Dollar je Fass im Vorjahr auch auf dem (nominell) höchsten Stand der Geschichte. Selbst im Jahr 2008, als der Ölpreis für einige Tage sein bisheriges Rekordhoch von fast 150 Dollar je Fass erreichte, lag der Jahresdurchschnitt noch unter 100 Dollar.

Starken Einfluss haben aber auch die eingeführten Vorschriften für Höchstgrenzen bei den CO2-Emissionen der Autos. Dadurch sank der durchschnittliche Verbrauch von Neuwagen in der EU seit 2002 von über sieben auf unter sechs Liter je 100 Kilometer. In den USA fiel die Reduktion – allerdings von deutlich höherem Niveau – mit einem Rückgang von fast elf auf neun Liter noch stärker aus.

 

Öl nur mehr für Treibstoffe

„Öl wird künftig zu einem Energieträger mit einem sehr speziellen Einsatzzweck werden – beschränkt auf den Treibstoff für Fahrzeuge“, so Goodwin. In anderen Bereichen (exklusive der stofflichen Verwendung etwa in der Kunststoffproduktion) wie der Stromerzeugung werde Öl zunehmend durch andere Energieträger ersetzt werden. Schon heute ist der Anteil von Öl am gesamten globalen Energieverbrauch mit 31 Prozent auf dem niedrigsten Stand seit dem Beginn der BP-Aufzeichnungen im Jahr 1960, so Goodwin.

Allerdings dürften davon, anders als vielfach politisch gewollt, weniger erneuerbare, sondern vor allem andere fossile Energieträger wie Gas oder Kohle profitieren. So stieg auch im Vorjahr der globale Gasverbrauch um 3,1 Prozent auf 3222,9 Mrd. Kubikmeter sowie der Kohleverbrauch um 5,4 Prozent auf 3724,3 Mio. Tonnen Öläquivalent (so viel Öl müsste man stattdessen verbrennen) an. Der Verbrauch an Kohle ist seit dem Jahr 2001 somit um rund die Hälfte angewachsen, was naturgemäß auch einen rapiden Anstieg der CO2-Emissionen nach sich zog.

Die erneuerbaren Energieträger (Sonne, Wind, Geothermie) konnten im Jahr 2011 mit einem Wachstum von 17,7 Prozent zwar den größten Zuwachs aller Energieträger vorweisen. Ihr Anteil am gesamten globalen Energieverbrauch macht mit 194,8 Mio. Tonnen Öläquivalent aber immer noch gerade einmal zwei Prozent aus. „Selbst bei den gegebenen Wachstumsraten und der finanziellen Förderung lässt sich leicht ausrechnen, wie lange es dauern wird, bis erneuerbare Energien – ohne weitere technologische Durchbrüche – einen ernst zu nehmenden Beitrag zur Energieversorgung leisten werden“, sagt Goodwin.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.06.2012)

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2 Kommentare

Wahr ist: Weniger Erdöl, mehr Erdgas, viel mehr Kohle. Alternative Energien spielen keine Rolle, der CO2-Ausstoß explodiert!


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