[Wien/stef] Die Federal Reserve fährt weiterhin im Krisenmodus: Die umstrittene „Operation Twist", bei der die US-Zentralbank Staatsanleihen mit kurzer Laufzeit verkauft und durch solche mit deutlich längerer Laufzeit ersetzt, wird nicht wie ursprünglich vorgesehen in zwei Wochen auslaufen. Stattdessen wird die Fed zumindest bis Jahresende heftig am Anleihenmarkt intervenieren.
Konkret will Notenbankchef Ben Bernanke amerikanische Treasury Bonds mit einer Laufzeit von weniger als drei Jahren verkaufen lassen und gegen solche mit einer Laufzeit zwischen sechs und 30 Jahren tauschen. Das soll den langfristigen Zinssatz nach unten drücken. Laut Lehrbuch werden dadurch Kredite billiger und das Sparen weniger interessant. Das wiederum soll Investitionen anregen und so die Konjunktur beleben.
Kein „Quantitative Easing III"
Die außergewöhnliche „Operation Twist" war im September des Vorjahres beschlossen worden. Die Fed legte den Umfang mit 400 Mrd. Dollar (317 Mrd. Euro) fest. Nun wird das Tauschprogramm um 267 Mrd. Dollar erweitert. Außerdem soll der Leitzins zumindest bis 2014 auf dem Tiefstwert von null bis 0,25 Prozent bleiben.
Die Investoren rechneten im Vorfeld der Entscheidung von Mittwochabend bereits mit einer Ausweitung der „Operation Twist". Einige erwarteten zusätzlich, dass die Zentralbank auch neue Staatsanleihen kaufen und ihre Bilanzsumme ausweiten wird. Ihnen erteilte Bernanke eine Abfuhr. Man sei zwar „vorbereitet", auch weitere Aktionen zu treffen. Derzeit hoffe man aber, dass die Ausweitung der „Operation Twist" reiche, um der stockenden Konjunktur wieder auf die Sprünge zu helfen.
Mit dem durchaus umstrittenen Kauf von Wertpapieren in großem Umfang begann die Fed bereits Ende 2008. Seitdem führte sie zwei Runden des sogenannten „Quantitative Easing" durch. Die Bilanzsumme erhöhte sich so auf knapp drei Billionen Dollar. 1600 Mrd. Dollar davon hält die Zentralbank in Form von US-Staatsanleihen. Sie ist damit die größte Gläubigerin der USA.
Kritiker verweisen darauf, dass die Notenbank einerseits den Markt heftig beeinflusse. Die Rendite für zehnjährige Treasury Bonds lag am Mittwoch bei 1,65 Prozent. Obwohl die weltgrößte Volkswirtschaft im Sommer des Vorjahres die beste Bonität Triple A verloren hat, gehen die Renditen kontinuierlich zurück - unter anderem dank der Intervention der Zentralbank. Doch erhöht das Anwerfen der Druckerpresse die Inflationsgefahr. Die Teuerung in den USA stieg im vergangenen Jahr auf 3,5 Prozent. Zuletzt reduzierte sich die Kerninflation allerdings auf zwei Prozent, weshalb manche Beobachter Bernanke wieder etwas mehr Spielraum einräumen.
Von echter Erholung keine Spur
Klar ist: Wirklich ins Laufen gebracht haben die bisherigen Eingriffe der Fed die US-Konjunktur nicht. Die Arbeitslosigkeit erhöhte sich im Mai leicht auf 8,2 Prozent. Das Wirtschaftswachstum ging auf unter zwei Prozent zurück - zu wenig, um die wachsende US-Bevölkerung mit ausreichend Jobs zu versorgen.
Bernanke sprach deshalb Mittwochabend auch von einer „Eintrübung" und einer „nicht zufriedenstellenden Lage". Sorge bereite ihm vor allem die Lage in der Eurozone. Die Schuldenkrise habe das Potenzial, die Konjunktur weltweit nach unten zu drücken, weil Investoren und Konsumenten angesichts der Unsicherheit zurückhaltend reagierten.
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