London. Um den öffentlichen Sektor effizienter zu machen, will die britische Regierung ihre Angestellten künftig aufgrund mangelnder Leistung feuern können. Das erklärte Francis Maude, Minister des Cabinet Office, des Büros des Premierministers, am Dienstag. Es sollen Rankings erstellt werden, um die Leistung der Staatsdiener zu beurteilen. Die schlechtesten zehn Prozent sollen entlassen werden. Es sei der Versuch, mit Anreizen zur erhöhten Produktivität den Staatsapparat wie ein privates Unternehmen zu führen.
Ein Angriff auf den öffentlichen Dienst sei dies aber nicht, beteuerte Maude. Auch viele Beamte sähen den Apparat als „zu bürokratisch, hierarchisch und mehr auf Prozesse als Ergebnisse fokussiert“ an. Schon vor einem Monat ist der Plan der Regierung ans Licht gekommen. Dem „Daily Telegraph“ gegenüber hat Maude damals gesagt: „Es ist ein Mythos, dass man öffentlich Bedienstete niemals feuern kann.“ Dabei beklagte er, dass dies allerdings schwierig sei, wenn der Grund dafür die Arbeitsleistung betreffe.
Opposition kritisiert Pläne
Zudem zitierte die Zeitung eine Quelle aus Regierungskreisen mit den Worten: „Sie sind faul. Es gibt keine Führung. Du wirst sie nicht los.“ Daher gebe es große Probleme mit der Servicequalität im öffentlichen Sektor. „90 Prozent zu feuern und den verbleibenden zehn bessere Bezahlung anzubieten“, würde demnach die Arbeit „revolutionieren.“
Wie auch die Opposition kritisiert die Gewerkschaft der öffentlich Bediensteten PCS den Vorstoß. PCS-Generalsekretär Mark Serwotka meinte, dass es keine „underperformance“ im öffentlichen Sektor gebe. „Die Menschen arbeiten schon jetzt unter sehr stressigen Bedingungen.“ Wenn das Service erhöht werden solle, müsse die Beschäftigtenzahl angehoben und nicht gesenkt werden. Die Gewerkschaft, die zuletzt mehrere Streiks gegen Schnitte im öffentlichen Budget unternahm, ließ offen, ob sie bald wieder auf die Straße gehen werde.
Großbritanniens öffentlicher Sektor beschäftigt 434.000 Arbeitskräfte, der geringste Wert seit dem Zweiten Weltkrieg. Bei Antritt der konservativ-liberaldemokratischen Regierungskoalition im Mai 2010 waren es noch 500.000. Die Zahl der Beamten konnte durch andere Maßnahmen zur Effizienzsteigerung bereits gesenkt werden.
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