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Niederlande: Dicke und Raucher sollen vom Chef bestraft werden

22.06.2012 | 18:34 |  Von unserem Korrespondenten HELMUT HETZEL (Die Presse)

Der niederländische Arbeitsminister Henk Kamp fordert, dass starke Raucher und extrem Dicke vom Arbeitgeber sanktioniert werden dürfen. Wer sich nicht fit für den Job hält, müsse eben die Konsequenzen tragen.

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Den Haag. Wer als Arbeitnehmer mehr als zwei Päckchen Zigaretten am Tag raucht oder mehr als 140 Kilo auf die Waage bringt, der darf von seinem Arbeitgeber bestraft werden. „Wer für seine Arbeit von einem Arbeitgeber bezahlt wird, der muss dafür sorgen, dass er fit ist. Der Arbeitgeber sollte eingreifen können, wenn seine Arbeitnehmer nicht bei guter Gesundheit sind“, meint der niederländische Arbeitsminister Henk Kamp.

Der Minister ließ allerdings offen an welche Strafen er für starke Raucher oder übergewichtige Arbeitnehmer denkt. Eine Entziehungskur für Raucher etwa? Oder eine gezwungene Abmagerungskur für zu dicke Arbeitnehmer? Nach Meinung von Minister Kamp sind Arbeitnehmer ferner dazu verpflichtet, nicht nur körperlich fit zu sein, sondern sich auch weiterzubilden und sich schulen zu lassen, wenn dies für die Ausübung ihres Berufs nötig sei. Nur dann sei gewährleistet, dass sie ihren Beruf ausüben können.

„Allerdings liegt das in der Verantwortung jedes Arbeitnehmers selbst. Sie sollten nicht dazu gezwungen werden. Man sollte sie positiv motivieren“, meint der Minister. Vom größten niederländischen Gewerkschaftsverband FNV kommt Widerspruch: „Arbeitgeber haben in erster Linie dafür zu sorgen, dass ihre Arbeitnehmer in Sicherheit und in einer gesunden Umgebung ihrer Arbeit nachgehen können“, sagt FNV-Sprecher Leo Hartveld. „Man kann Arbeitnehmer nicht zu einem bestimmten Lebensstil zwingen. Falls sie Probleme mit ihrer Gesundheit haben sollten, dann ist ein Arzt dafür zuständig und nicht der Arbeitgeber.“

Henk Kamp von der liberalen Volkspartei ist dafür bekannt, mit provokanten Thesen und Forderungen an die Öffentlichkeit zu gehen. Vor allem im Wahlkampf. In den Niederlanden wird am 12. September ein neues Parlament gewählt. In seiner Funktion als Verteidigungsminister ehrte Kamp 2006 niederländische UN-Soldaten für ihren Einsatz in Bosnien. Doch gerade jenes UN-Kontingent steht im Verdacht, beim Massaker von Srebrenica tatenlos gewesen zu sein. Die Ehrung sorgte für internationale Empörung. Kamp war es auch, der 2007 meinte, Immigranten, die sich nicht integrieren wollen, soll man strafrechtlich verfolgen.

 

Keine dicken Busfahrer mehr

Nun nimmt der 61-Jährige Dicke und Raucher aufs Korn. Beifall bekommt er vom Nahverkehrsunternehmen Connexxion. Dieses ließ wissen, dass das Unternehmen keine Busfahrer mehr einstellen wolle, die rauchen oder zu dick sind. „Wenn unsere Busfahrer rauchen oder Übergewicht haben und ihre Arbeit darunter leidet, dann müssen wir eingreifen“, sagt eine Connexxion-Sprecherin. „Es geht schließlich auch um die Sicherheit der vielen Fahrgäste, die wir täglich transportieren.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.06.2012)

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42 Kommentare
 
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Na da bin ich gespannt...

...wie lange es dauert, bis die ersten Diskriminierungsklagen gegen dieses Busunternehmen eintrudeln ;).

Naja, wenn dieses Unternehmen zu viel Geld hat...
Ich kann denen aber gerne meine Kontonummer geben, wenn die unbedingt Geld loswerden wollen ;).

Gast: mich juckts zu schreiben
23.06.2012 16:17
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ein Körnchen Wahrheit

Bin empört, was die angedachte Kontrolle der Lebensgewohnheiten durch den Dienstgeber betrifft. - Jedoch möge sich jeder, der Krankengeld bezieht, bewusst sein, daß seine Gesundheit nicht nur "sein Bier" ist, also mitnichten nur seine Privatangelegenheit, sondern daß er zum Beispiel nicht Arzttermine und Therapie-Termine verzögern oder verschleppen darf ("Mein Arzt war auf Urlaub", "habe nur sehr sporadische Physiotherapie-Termine bekommen", "es ist mein gutes Recht nur zum Homöopathen Dr Streichel zu gehen"). Weiters ist es nicht seine Privatangelegenheit, ob er das Wort "Schonung" ernst nimmt, ob er die Medikamente (die er beim Arzt nicht beeinsprucht hat) schluckt oder nicht.-- Eine gewisse, wenn auch mit Augenmaß durchgeführte, Kontrolle der Sozialversicherung ist sinnvoll. Und da könnte auch die Lebensart dazugehören. Nach der Rehabilitation eines Herzinfarktes z.B. könnte ein gewisses Kontrollrecht der Krankenkasse eingeräumt werden. Die lebt ja schließlich nicht nur von Dienstnehmer-, sondern auch von Dienstgeber- Beiträgen.

Re: ein Körnchen Wahrheit

Ja, aber so ist eben das Leben ;). Menschen haben das Recht, sich selbst zugrunde zu richten.
Mal ganz abgesehen davon, dass man sowieso nicht kontrollieren kann, ob jemand seine Medikamente schluckt oder nicht. Oder wollen Sie jemanden durch Laborangestellte verfolgen lassen, damit diese den Patienten alle paar Stunden Blut abnehmen, um dieses auf die Wirkstoffe zu kontrollieren?

Antworten Antworten Gast: mich juckts zu schreiben
23.06.2012 19:02
0 1

Re: Re: ein Körnchen Wahrheit

Menschen haben NICHT immer das Recht, sich selbst zugrunde zu richten. Das beginnt an sich schon bei Familienvätern, die Risikosportarten ausüben. Und das gilt auch für Berufe, von denen Menschenleben direkt abhängen.- Und wenn schon jemand sich zugrunde richtet, sollte das auf eine, für die Allgemeinheit, nicht allzu teure Art geschehen.- Blutdruck, Lungenfunktion, Laborwerte bei Diabetes, Alkohol und Fettstoffwechselstörungen, Kohlenmonoxid in der Ausatemluft und im Einzelfall auch Medikamenten-Blutspiegel: das kann und soll man (nur) in Extremfällen messen.-- Mir geht es aber weniger um Kontrolle, sondern darum, daß das Bewusstsein, daß meine Gesundheit auch Gesundheit für meine Familie und meine Arbeitskollegen und meinen Betrieb ist, ausgeprägter sein könnte.

Re: Re: Re: ein Körnchen Wahrheit

Ja, das ist ihre persönliche Meinung. Doch das Gesetz sieht es eben anders. Selbstmord ist keine Straftat. Folglich kann auch das langsame sich-selbst-Zugrunderichten nicht bestraft werden.

Gast: ein Tütchen gefällig?
23.06.2012 14:26
1 0

Die Betreiber von Coffee-Shops sind hier wohl nicht gemeint?

man will den braven '"Gewürzhändlern" dabei sicher keine Steine in den Weg legen. Ist ja auch alles ganz harmlos...

0 1

Re: Die Betreiber von Coffee-Shops sind hier wohl nicht gemeint?

sicher harmloser als zigaretten u mcdonalds- solange pur geraucht wird!

Ein weiteres

Beispiel dafür das für die Politiker scheinbar der Kalender rückwärts läuft und das 4x so schnell wie vorwärts.

Anders ist es kaum zu erklären, das laufend Vorschläge der Politik kommen, die eher ins 17-18 Jahrhundert passen.

Die Politik will scheinbar und immer unverhohlener zurück zur Sklaverei.
Demnächst werden wir hören, die Arbeitnehmer sind Leibeigene der Unternehmer.

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Re: Ein weiteres

wüsste nicht, was das mit dem 17./18. Jahrhundert zu tun. Und mit Sklaverei.

Antworten Antworten Gast: Hutbürger
23.06.2012 13:53
1 2

Als nächstes müssen dann Brillen- und Kontaktlinsenträger

jeden Tag Augenübungen machen und eine verpflichtende Karotten-Diät einhalten.

Re: Als nächstes müssen dann Brillen- und Kontaktlinsenträger

Glauben Sie mir, wenn das was nützen würde, würde ichs gerne machen...

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Re: Re: Als nächstes müssen dann Brillen- und Kontaktlinsenträger

Muß es wohl - haben Sie je ein Kaninchen mit Brille gesehen?

Re: Re: Re: Als nächstes müssen dann Brillen- und Kontaktlinsenträger

Hihi, ja schön wärs.
Nein, hab ich nicht. Aber wenn, dann würde ich mir ernsthafte Sorgen machen ;).

Ich hätte einen besseren Vorschlag!

Redeverbot für Politiker die die Zeit der Wähler vergeuden mit unnötigen und unpraktikablen Vorschlägen!
Die Länge des Redeverbotes mit der Presse würde sich nach der Blödheit des Vorschlages richten.
Leider wird das nicht kommen. Seufz!

Re: Ich hätte einen besseren Vorschlag!

auch so ein militanter Raucher oder doch ein stark Übergewichtiger!

Antworten Antworten Gast: krxlma
23.06.2012 16:55
2 1

Re: Re: Ich hätte einen besseren Vorschlag!

Was hat das mit militant zu tun. Sind sie wirklich so blind und merken nicht was da passiert? Heute sind es die Raucher, morgen die Alkoholiker, dann die, die hi und da ein Gläschen Wein trinken, irgendwann kommen dann die, die gerne Sport betreiben - denn ausgeleirte Bänder und Gelenke legt sich ein Sportler ja fahrlässig zu, ... - irgendwann muss dann jeder extra GKK-Beiträge zahlen, denn wieso kommen die anderen dazu das zu bezahlen!
Hier werden Menschen von der Politik und den Medien bewußt gegeneinander aufgehetzt. Man wähle eine Gruppe, die eine Minderheit da stellt, oder die sich nicht wehrt und schwört den Rest gegen sie ein. Wenn das in ihren Augen gut ist, dann sind sie zu bedauern, denn irgendwann erwischt es auch sie.

Wo ist die PC geblieben?..........


Gast: hunter666
23.06.2012 08:46
0 2

sollen sie doch

fressen und tschicken soviel sie wollen, Hauptsache sie lassen die Nichtraucher in Ruhe!!

0 0

Re: sollen sie doch

das ist wiederum das Problem der Nichtraucher und Schlanken. Bitte nicht vermengen.

Also tägliche,öffentliche Abwage mit nachfolgendem öffentlichem Lächerlich-machen und mobbing


Schöne, neue Welt !!

Gast: Derartiges hat mein Chef auch gemacht...
23.06.2012 07:47
0 1

Die Moral der Geschichte....

Nach zwei Monaten, war schon gefestigt in einer neuen Firma, hatte mein Büro in dem ich tun und lassen konnte was ich wollte, kam die Einlandung zum essen das Mama und Papa sagen konnte, dann das schreiben ich möge zurückkommen, bekomme ein Büro, war bereit das 3 fache an Gehalt zu zahlen und das 16 mal im Jahr, zwei Jahre später ein Fall für den Konkursrichter.

Die neue Firma hat mir weit weniger Geboten finanziell, ich sah dennoch nicht den geringsten Grund nach dem Entgegenkommen die Firma so kurz wieder zu verlassen, von allem abgesehen war das Betriebsklima bei weitem besser dort.

Die Moral der Geschichte, Firmen die meinen so handeln zu können sei drei mal angesehen, in den allermeisten Fällen stimmt etwas nicht, bis hin zum anstehenden Konkurs. da meide ich dann auch den Kauf der Produkte, wie einer Drogeriekette die in letzter Zeit sicher nicht sehr positiv in den Zeitungen aufgefallen ist, letzteres war einer der stursten persönlichen Aktionen, hatte ich doch eine Filiale vor der Haustüre und dennoch keinen Groschen/Cent dort ausgegeben.

Gast: GastII
23.06.2012 07:29
0 0

Interessant, wie solch ein Gesetz aussehen könnte.

Mal die Welt umdrehen, wie es dann im Gesetz der Holländer ungefähr stehen könnte:

(1) Der Dienstnehmer hat für die Sicherheit und den Gesundheitsschutz seines Dienstgebers in Bezug auf alle Aspekte zu sorgen, die ihre dienstliche Tätigkeit betreffen. Die Kosten dafür dürfen auf keinen Fall zu Lasten der Dienstgebers gehen. Der Dienstnehmer hat die zum Schutz des Lebens, der Gesundheit und Sittlichkeit seines Dienstgebers erforderlichen Maßnahmen zu treffen, einschließlich der Maßnahmen zur Verhütung arbeitsbedingter Gefahren, zur Information und zur Unterweisung sowie der Bereitstellung einer geeigneten Organisation und der erforderlichen Mittel. .....


Gast: Bedrijfsarts
23.06.2012 07:07
0 1

Wundert mich nicht mehr

Solche Aussagen wundern mich von Niederländern nicht mehr. Der Niederländer ist gewöhnt sehr direkt zu sein. Aber das Gesundheitssystem in Holland ist schlecht. Hausarzt kann man nicht auswählen. Die Versicherung kostet im Monat gleich einmal 150 Euro pro Monat (und soll teurer werden). Die ersten 300 Euro darm an zukünftig selbst bezahlen. Der Betriebsarzt (wohl am meisten vom Arbeitsgeber abhängig) bereits die Funktion des österr. Chefarztes aus (Wem ist denn so etwas eingefallen). Er überrascht mich nur immer wieder, warum es in den Rankings direkt über oder unter Österreich steht (Obwohl die Systeme so anders sind).

PS.: Der niederländischen gewerkschaften tun gar nichts. In Belgien streiken sie fast jeden Tag.

Re: Wundert mich nicht mehr

genau, deswegen geht es den Belgiern ja so gut,gell ?

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Re: Wundert mich nicht mehr

Wie man weiß, sind die Holländer bessere Kaufleute als die deutschen.

Gast: qwe rtz
23.06.2012 06:12
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Es ist nicht Aufgabe eines Dienstgebers..


..seine Dienstnehmer für nicht angepasste Sportlichkeit oder Lebensführung zu sanktionieren. Wenn die Betreiber von "Connexxion" Mumm hätten, dann würden sie auch folgerichtig ab sofort keine Raucher und keine Dicken mehr als Fahrgäste akzeptieren.

Es ist bedenklich, wie höchst private Belange immer mehr in eine Frage von Moral und Ethik umgedeutet werden: Wer raucht oder dick ist, ist nicht mehr nur einfach Raucher oder eben dick --- nein, er verhält sich unmoralisch, und muss daher gesellschatlich geächtet werden.

Eine der großen Errungenschaft unserer Zivilisation ist die Freiheit zur Individualität --- die Freiheit, ein sperriges, uneinsichtiges, nicht stromlinienförmiges Individuum zu sein.

 
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Hobbyökonom