Den Haag. Wer als Arbeitnehmer mehr als zwei Päckchen Zigaretten am Tag raucht oder mehr als 140 Kilo auf die Waage bringt, der darf von seinem Arbeitgeber bestraft werden. „Wer für seine Arbeit von einem Arbeitgeber bezahlt wird, der muss dafür sorgen, dass er fit ist. Der Arbeitgeber sollte eingreifen können, wenn seine Arbeitnehmer nicht bei guter Gesundheit sind“, meint der niederländische Arbeitsminister Henk Kamp.
Der Minister ließ allerdings offen an welche Strafen er für starke Raucher oder übergewichtige Arbeitnehmer denkt. Eine Entziehungskur für Raucher etwa? Oder eine gezwungene Abmagerungskur für zu dicke Arbeitnehmer? Nach Meinung von Minister Kamp sind Arbeitnehmer ferner dazu verpflichtet, nicht nur körperlich fit zu sein, sondern sich auch weiterzubilden und sich schulen zu lassen, wenn dies für die Ausübung ihres Berufs nötig sei. Nur dann sei gewährleistet, dass sie ihren Beruf ausüben können.
„Allerdings liegt das in der Verantwortung jedes Arbeitnehmers selbst. Sie sollten nicht dazu gezwungen werden. Man sollte sie positiv motivieren“, meint der Minister. Vom größten niederländischen Gewerkschaftsverband FNV kommt Widerspruch: „Arbeitgeber haben in erster Linie dafür zu sorgen, dass ihre Arbeitnehmer in Sicherheit und in einer gesunden Umgebung ihrer Arbeit nachgehen können“, sagt FNV-Sprecher Leo Hartveld. „Man kann Arbeitnehmer nicht zu einem bestimmten Lebensstil zwingen. Falls sie Probleme mit ihrer Gesundheit haben sollten, dann ist ein Arzt dafür zuständig und nicht der Arbeitgeber.“
Henk Kamp von der liberalen Volkspartei ist dafür bekannt, mit provokanten Thesen und Forderungen an die Öffentlichkeit zu gehen. Vor allem im Wahlkampf. In den Niederlanden wird am 12. September ein neues Parlament gewählt. In seiner Funktion als Verteidigungsminister ehrte Kamp 2006 niederländische UN-Soldaten für ihren Einsatz in Bosnien. Doch gerade jenes UN-Kontingent steht im Verdacht, beim Massaker von Srebrenica tatenlos gewesen zu sein. Die Ehrung sorgte für internationale Empörung. Kamp war es auch, der 2007 meinte, Immigranten, die sich nicht integrieren wollen, soll man strafrechtlich verfolgen.
Keine dicken Busfahrer mehr
Nun nimmt der 61-Jährige Dicke und Raucher aufs Korn. Beifall bekommt er vom Nahverkehrsunternehmen Connexxion. Dieses ließ wissen, dass das Unternehmen keine Busfahrer mehr einstellen wolle, die rauchen oder zu dick sind. „Wenn unsere Busfahrer rauchen oder Übergewicht haben und ihre Arbeit darunter leidet, dann müssen wir eingreifen“, sagt eine Connexxion-Sprecherin. „Es geht schließlich auch um die Sicherheit der vielen Fahrgäste, die wir täglich transportieren.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.06.2012)
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