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Ohne Facebook keine Freunde? Von wegen

23.06.2012 | 18:03 |  von Matthias Auer (Die Presse)

Im Schatten des Giganten Facebook erfinden sich alte Rivalen neu, junge setzen zum Überholen an. Eines haben viele Nischennetzwerke dem Riesen voraus: Sie leben nicht von Werbung alleine.

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Eine Milliarde Menschen werden im Herbst Mitglied bei Facebook sein. Damit versammelt Firmengründer Mark Zuckerberg immerhin jeden zweiten Internetnutzer weltweit in seinem Online-Netzwerk. Kein Wunder, wenn frühere Konkurrenten da die Segel streichen. So wie der deutsche Holtzbrinck-Verlag, der kürzlich das einst populäre StudiVZ de facto beerdigt hat.

Aber nicht alle kapitulieren vor dem scheinbar übermächtigen Gegner. Alte Bekannte erfinden sich neu und erleben in lukrativen Nischen einen zweiten Frühling. Neue Konkurrenten wachsen so rasch, dass das weltgrößte Netzwerk alt aussieht. Die Überlebensstrategien von Facebooks Rivalen:
Myspace. Es ist erst vier Jahre her, da stand Myspace noch an der Spitze der digitalen Netzwerke. Doch mit dem Aufstieg von Facebook versank die Plattform rasch in der Bedeutungslosigkeit. Die Nutzer flohen in Scharen, bis Medienmogul Rupert Murdoch die Seite mit einem kolportierten Verlust von über einer halben Milliarde Dollar abstieß. Er habe Myspace „in jeder erdenklichen Weise“ falsch geführt, räumte Murdoch danach ein. Und tatsächlich, seit der Sänger Justin Timberlake gemeinsam mit Specific Media das Kommando übernommen hat, geht es wieder aufwärts. Sie machten aus Myspace wieder das, was es einst war: Das Forum schlechthin für Musikfans im Internet. Mit 42 Millionen Liedern ist Myspace mittlerweile auch die größte Musiksammlung im Internet. Rund 30 Millionen Titel stammen von Musikern ohne Plattenvertrag. Zu Jahresbeginn wurde der Einsatz belohnt. 40.000 neue Nutzer kamen täglich zu Myspace. Mittlerweile kratzt die Plattform wieder an der 30-Millionen-Marke.


Google+. In wenigen Tagen feiert das soziale Netzwerk des Internetkonzerns Google seinen ersten Geburtstag. Seit seinem Start sollen sich über 90 Millionen Nutzer für das „Facebook für Erwachsene“ angemeldet haben. Die Eintrittshürde ist allerdings nicht gerade hoch: Jeder, der einen der vielen Google-Dienste nutzen will und dafür ein neues Konto bei der Suchmaschine anlegt, wird automatisch auch Mitglied bei Google+. Und auch wer nur die Suchmaschine benutzt, bekommt bei Anfragen mittlerweile auch das eingeblendet, was die Nutzer von Google+ zu dem Thema zu sagen haben. Rechtzeitig vor dem Geburtstagsfest legte Google+ nach Daten des Marktforschers Experian Hitwise noch einmal deutlich zu. Zwei Aprilwochen haben demnach gereicht, damit das Netzwerk um 37 Prozent wächst und den Newcomer Pinterest überholt. Ähnlich wie Facebook hat es Google vor allem auf die Daten der Nutzer abgesehen. Doch obwohl der Konzern eigens die Video-Chat-Funktion „Hangouts“ eingeführt hat, um die Nutzer zum Verweilen einzuladen, hängen die Mitglieder nicht gerne auf Google+ herum. Im Jänner hielten sie sich im Schnitt gerade einmal drei Minuten auf der Seite auf, schätzt comScore. Facebook konnte seinen Werbekunden im selben Zeitraum immerhin 400 Minuten mehr Verweildauer versprechen.

Pinterest. Pinterest ist Facebook auf Speed. In neun Monaten stieg die Mitgliederzahl von 50.000 auf 17 Millionen Nutzer, schätzt comScore. Facebook hat dafür 16 Monate, Twitter 22 Monate gebraucht. Erst im Mai sammelte das im Vorjahr gegründete Unternehmen hundert Millionen Dollar ein. Schon wird die erst drei Dutzend Mitarbeiter starke Firma auf 1,5 Milliarden Dollar geschätzt und an die Börse gedrängt. Dabei ist Pinterest nicht mehr als ein digitales schwarzes Brett. Egal ob man eine Vorliebe für Katzenfotos, selbstgestrickte Handpuppen oder Kuchenrezepte hat. Auf Pinterest finden sich fast immer Gleichgesinnte, die sich genau darüber austauschen wollen. Der große Vorteil gegenüber Facebook: Die Mitglieder bei Pinterest reden auch gerne über Produkte. Die Bereitschaft, nach intensiven Gesprächen über Ventilatoren auch in den Link zu einem Online-Shop zu klicken, ist hoch. Im Februar fanden mehr Internetnutzer von Pinterest auf Firmenseiten als die von Facebook, Google+, LinkedIn und YouTube zusammen.


LinkedIn. Während Facebook an der Börse eine Blamage erlebt hat, feiern die Anleger LinkedIn als Star. Anders als Facebook trennt LinkedIn das Private vom Beruflichen. 150 Millionen Nutzer weltweit sind nur aus einem Grund auf der Plattform: Sie wollen Karriere machen. Für das Unternehmen lohnt sich die Spezialisierung offenbar. Während Facebook noch immer nicht genau weiß, wie es die Daten einer knappen Milliarde an Nutzern am besten zu Geld machen soll, hat LinkedIn ein ausgefeiltes Geschäftsmodell parat. Das unberechenbare Zugpferd von Facebook, die Werbung, spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Lediglich ein Viertel der Einnahmen kommen direkt aus der Werbung. Den Löwenanteil von 50 Prozent spielt LinkedIn als Personalvermittler für Unternehmen ein. Die Firmen können dabei entweder gegen Gebühr Stellenanzeigen schalten oder die Datenbank gezielt nach geeigneten Bewerbern durchforsten. Ein knappes Fünftel der 188 Millionen Dollar Umsatz, die das Unternehmen heuer im ersten Quartal gemacht hat, steuerten Karrierehungrige bei, die sich eine Premium-Mitgliedschaft geleistet haben.

Xing. Das deutsche Pendant zu LinkedIn hat zwar ein ähnliches Geschäftsmodell, weltweit aber deutlich weniger Erfolg als der US-Rivale. Erst im Frühling kündigte der Eigentümer, die Hubert Burda Medien Holding an, die Märkte im Ausland nicht länger bearbeiten zu wollen. Seine Zukunft sieht das Unternehmen im deutschsprachigen Raum. Hier zählte Xing zu Jahresbeginn 5,3 Millionen Mitglieder. Mehr als doppelt so viel wie LinkedIn. In den kommenden Jahren soll sich die Mitgliederzahl verfünffachen. Vor allem Frauen will Xing in Zukunft gezielt ködern. Im Vorjahr kamen weltweit 800.000 neue Mitglieder hinzu. In Summe hat das Karrierenetzwerk damit 11,7 Millionen Nutzer. Der Umsatz stieg 2011 um ein gutes Fünftel auf 66,2 Millionen Euro. Die Schließung der Tochterfirmen in Spanien und der Türkei riss die Firma letztlich in die roten Zahlen.


StudiVZ, MeinVZ, SchülerVZ. Seit wenigen Tagen ist es offiziell. Der deutsche Holtzbrinck-Verlag hat keinen Plan mehr für StudiVZ, das einst so populäre Herzstück der VZ-Netzwerke. Lediglich SchülerVZ, ein Netzwerk für Minderjährige, dürfte nach den angekündigten Umstrukturierungen noch aktiv weiterbetrieben werden. Denn hier macht Facebook dem Unternehmen zumindest offiziell noch keine Konkurrenz. Bisher müssen Facebook-Mitglieder zumindest 13 Jahre alt sein. Doch da sich das bald ändern dürfte, steckt SchülerVZ sein Feld offenbar noch kleiner ab: Schritt für Schritt soll das Schülernetzwerk in eine Lernplattform umgewandelt werden. In StudiVZ und MeinVZ will der Holtzbrinck-Verlag nichts mehr investieren. Das Angebot wird wohl weiterlaufen bis auch der letzte Nutzer die Plattform verlassen hat. Immerhin machten die VZ-Netzwerke im Vorjahr noch Gewinn. Noch vor zwei Jahren konnte die Seite 460 Millionen Zugriffe im Monat verbuchen. Zuletzt waren es gerade noch 50 Millionen.


Personal. Personal ist so etwas wie die Antithese zu Facebook. Unternehmensgründer Shane Green will den Nutzern das zurückgeben, was Mark Zuckerberg ihnen genommen hat: das Recht an ihren Daten. Personal-Mitglieder kontrollieren selbst, mit welchen persönlichen Informationen sie die Personal-Datenbank füttern und wer – zu welchem Preis – darauf Zugriff haben darf. Als Herzstück des bisher mit elf Millionen Dollar finanzierten Projekts soll eine Börse entstehen, an der die Nutzer Daten wie etwa ihre Einkaufsgewohnheiten selbst an Firmen verkaufen können, die genau daran Interesse haben. Dann würden nicht länger die sozialen Netzwerke allein, sondern die Menschen von den digitalen Spuren profitieren, die sie im Internet hinterlassen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.06.2012)

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12 Kommentare
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Die beste Plattform...

...ist immer noch 4chan.

T_elecom A_ustria in B_ulgaria (M_tel) has threatened me with c_utting off my f_ingers



if I do not participate in their cartel in the telecommunication industry in B_ulgaria. It have been done through involuntary implanted small device similar to h_earing a_pparatus in my s_inuses, connected to n_erves, controlled wireless with their network. Many politicians and Government servants in B_ulgaria are controlled in a similar manner.
-D_etsche t_elecom was fined 100 mill for bribing a Balkan country regulator, where the other palyer is T_elekom A_ustria.
-The corruption scanal in T_elekom A_ustria led to the resignation of a former C_hacellor.
http://convergingtechnology.eu/threats-for-developing-countries/

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Re: T_elecom A_ustria in B_ulgaria (M_tel) has threatened me with c_utting off my f_ingers

There's a very simple solution for your problem: go to the next supermarket, buy a roll of aluminium foil and make yourself a hat out of it. As long as you make sure you're wearing at least three layers, those wireless transmissions will be stopped.

Additionally, appealing to the FSM might help.

Diaspora

Leider steht hier nichts von dem Projekt Diaspora

Antworten Gast: _fred_
23.06.2012 22:02
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Re: Diaspora

was sollte da auch stehen? es gibt darüber nichts zu berichten.

Re: Re: Diaspora

Naja. Ist halt eine gute Idee, die leider zu lange braucht um verwirklicht zu werden. ICh finde schon, dass es in so einem Artikel Erwähnung finden könnte.

Re: Re: Re: Diaspora

Diaspora* ist ja schon verwirklicht! (Wenn auch erst in der Alpha-Phase) Ihr seid herzlich eingeladen es Euch mal anzuschaun!

http://pod.asap-soft.com/u/tarator

Viele Anfänger tun sich etwas schwer das System hinter Diaspora zu verstehen und den Einstieg zu schaffen.
Wenn Ihr fragen dazu habt oder Hilfe braucht, stehe ich gerne mit Rat und Tat zur Seite!

Re: Re: Re: Re: Diaspora

Ich glaube ich wollte da mal vor fast 2 Jahren rein. Nicht einmal eine Homepage gefunden. Aber Danke für den Link.

Re: Re: Re: Re: Diaspora

"Viele Anfänger tun sich etwas schwer das System hinter Diaspora zu verstehen und den Einstieg zu schaffen."

Somit gänzlich für die Masse ungeeignet.

Re: Re: Re: Re: Re: Diaspora

Ehrlich gesagt hatte ich in meiner Facebook-Anfangszeit auch Probleme damit das Prinzip hinter Facebook zu verstehen... Hat eine Zeit lang gedauert, bis ich kapiert habe warum es da eigentlich geht... Hat bei mir ein paar Stunden/Tage gedauert bis ich das Prinzip überzuckert habe. (Woher kommen die ganzen Einträge!? Wo verschwinden meine Daten hin!? Was soll das jetzt sein!? etc...)

Aber wenn man lernwillig ist, schafft man so einiges ;)
Mir persönlich ist es wichtiger meine Daten selbst in der Hand zu haben! Ich weiß, dass viele darüber anders denken (oder sich darüber wenig bis überhaupt keine Gedanken machen...).
Dafür nehme ich schon mal eine Stunde in Kauf und mach mich über das System schlau! Wie gesagt: Alles nur eine Frage der Wertigkeit!

Re: Re: Re: Re: Diaspora

Ich hab mich auf der Seite schon ziemlich lange eingetragen und bis heute keine Einladung bekommen. Aber bei Gelegenheit werde ich mir das nochmal anschauen.

Re: Re: Re: Re: Re: Diaspora

Auf diesem Pod brauchst du keine Einladung, du kannst dich einfach so anmelden...

Hobbyökonom