Ideen an sich sind wertlos“, meinte Anthony Warren, Professor für Entrepreneurship an der US-Uni Penn State und WU-Gastprofessor, im Rahmen einer Veranstaltung der Studentenorganisation AIESEC. „Was hat Google anders gemacht? Sie haben die Sache anständig gemanagt. Warum war Youtube so erfolgreich? Sie hatten ein besseres Management. Es gibt immer jemand anderen, der die gleiche Sache macht – egal mit welcher Geschäftsidee, du bist nie einzigartig.“ Unnötig daher auch die Hemmung, einem potenziellen Geldgeber (wie etwa Warren, der auch Partner in einem Venture-Capital-Unternehmen ist) seine Geschäftsidee zu verraten. Zumal er die 600 Ideen, die pro Tag an ihn herangetragen werden, nicht einmal alle anschauen, geschweige denn stehlen kann. Auf was für Fragen muss man sich als Jungunternehmer auf Kapitalsuche gefasst machen, wenn man es geschafft hat, einen Termin bei jemandem wie Warren zu bekommen? „Meine erste Frage ist: Was ist die Idee? Meine zweite: Wie groß ist der Markt? Ich investiere nur in große Märkte, ab einer Milliarde Dollar. Nächste Frage: Sind Sie der Richtige, um das Unternehmen zu führen?“
Wie findet man die richtige Idee?
Auf diese Frage sollte man nicht zu schnell mit einem Ja antworten. Denn: „Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie der Richtige sind, ist sehr gering. Ein guter Unternehmer muss wissen, wann er zur Seite treten sollte. Wollen Sie etwas kontrollieren oder etwas besitzen – also reich sein?“
Wie findet man die richtige Geschäftsidee? Entweder man findet einen Partner mit einer Idee (Warren: „Die erfolgreichsten Unternehmen werden von zwei Personen gegründet, nicht von einer allein.“) oder man findet selber eine. „Das kann man trainieren. Es gibt so viel Dummheit auf der Welt, dass man jeden Tag drei Ideen haben sollte, wie man etwas besser machen könnte.“ Die meisten Ideen würden einem kommen, wenn man für ein anderes Unternehmen arbeitet. Daher rät Warren: „Gehen Sie für drei Jahre in ein kreatives Unternehmen in einer Branche, die Sie interessiert, in einer Position am Rande des Unternehmens, wo Sie mit Kunden zu tun haben. So bekommen Sie nicht nur eine gute Geschäftsidee, sondern auch eine kostenlose Ausbildung und wertvolle Kontakte.“
Bedeutet ein Unternehmen zu gründen nicht auch ein Spiel mit sehr hohem Einsatz? „Das Risiko, das Unternehmensgründer eingehen, ist vorhanden, aber nicht übertrieben hoch“, sagt Reinhard Prügl vom TU/WU Entrepreneurship Center Vienna. „75 Prozent der in Österreich gegründeten Unternehmen existieren auch noch nach fünf Jahren.“ Ein Unternehmer zu sein sei ein „Lifestyle“, meint Warren. „Es ist ein wunderbares Leben, aber ein sehr hartes.“ In einem Start-up-Unternehmen gebe es keine Marketing- oder Rechtsabteilung. „Da musst du jede mögliche Funktion übernehmen – und das meistens ohne entsprechende Erfahrung. Ein Unternehmer ist jemand, der an sich selbst glaubt, aber trotzdem ständig offen für Anregungen, für neue Chancen ist.“ Selber hat Warren bisher drei Unternehmen gegründet und in zahllose investiert. Wenn er mal nicht so gut drauf ist, meint seine Frau zu ihm: „Anthony, du siehst so traurig aus – magst du nicht ein Unternehmen gründen?“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.05.2007)

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