WM 2013: Frostige Stimmung in Schladming

Ein halbes Jahr vor der Ski-WM rumort es in Schladming. Geschäftsleute sind verunsichert, mit ÖSV-Chef Peter Schröcksnadel wird endlos gestritten. Jetzt wurde ein wichtiger Manager gefeuert. Eine Intrige?

SKI ALPIN - FIS Ski WM 2013, Vorberichte, PK
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Frühling 2008: Ganz Schladming ist im Freudentaumel. Das steirische Skizentrum hat sich gegen internationale Bewerber durchgesetzt und wird Austragungsort für die alpine Skiweltmeisterschaft 2013. Als die Frohbotschaft verkündet wird, sind einige der Verantwortlichen, so wird nachher erzählt, den Tränen nahe.

Frühling 2012: Ganz Schladming ist eine Baustelle. 400.000 Besucher werden zur WM erwartet, und da muss die Infrastruktur natürlich entsprechend ausgebaut werden: 400 Millionen Euro sollen insgesamt investiert werden, die eine Hälfte von privaten Investoren, die andere vom Bund. Eine neue Talstation muss her, zusätzliche Sessellifte, weitere Hotels.

Sommer 2012: Ganz Schladming ist einigermaßen irritiert. Im Ort herrschen Zwist und Hader, Intrigen und Machtkämpfe. Und jetzt ist es auch noch zum Knalleffekt gekommen: Ernst Trummer,Chef der Planai-Bahnen, die beim Management der WM federführend tätig sind, ist kurzerhand seines Amtes enthoben worden. Und das ein halbes Jahr vor dem großen Ereignis.

Dramatisch genug. Doch der Mehrheitseigentümer der Planai-Bahnen, das Land Steiermark, kennt halt keine Gnade. Und so hat der steirische ÖVP-Landeshauptmann-Stellvertreter Hermann Schützenhöfer, für Tourismus zuständig, die Abberufung ganz besonders inszeniert: mit einer eiligst einberufenen Pressekonferenz. Spannend sollte das Ganze natürlich sein, und daher erfuhren die Journalisten erst vorort von Trummers Abberufung. Trummer selbst wurde erst eineinhalb Stunden vor dem Termin von seinem Schicksal informiert. Der Aufsichtsrat eine halbe Stunde später. „Wir wollten schnell handeln“, sagt Schützenhöfers Sprecher.

Vergleichsweise undramatisch war freilich die Begründung für den radikalen Schritt: Trummer habe gegen seinen Dienstvertrag verstoßen, weil er ein Geschäftsführergehalt von einem Hotelbetreiber bezogen habe. Zum besseren Verständnis: Er bezieht acht Monate lang 4000 Euro brutto von der Errichtungsgesellschaft des Hotel Falkensteiner – an der die Planai-Bahnen 24 Prozent der Anteile halten. Sein Aufsichtsrat hat dies auch einstimmig abgesegnet.

Ist das ein triftiger Grund für die Ablöse eines Geschäftsführers? Die Spitze des Aufsichtsrates sieht das jedenfalls nicht so. Und das sind immerhin durchaus renommierte Persönlichkeiten der Wirtschaft: Aufsichtsratspräsident Candidus Cortolezis ist Wirtschaftsanwalt. Sein Stellvertreter Oswin Kois war bis vor Kurzem Vorstand der Energie Steiermark AG. Beide haben ihre Aufsichtsratsmandate postwendend aus Protest zurückgelegt.

Auch der geschasste Ernst Trummer wehrt sich. Er hat ein Gutachten des bekannten Arbeitsrechtlers Roland Gerlach anfertigen lassen. Sukkus: Die Bewilligung des zweiten Gehalts durch den Aufsichtsrat war rechtens – weil es sich beim Hotel um eine Subgesellschaft handelt.

Unschwer zu erkennen: Die Sache wird noch ein juristisches Nachspiel haben. Und: Es sieht so aus, als hätte es im Hintergrund andere Gründe für die spektakuläre Abberufung kurz vor dem WM-Spektakel gegeben.

Tatsache ist: Trummer ist seit drei Jahren Chef der Planai-Bahnen. Und er hat seinen Job, wie selbst Schützenhöfer attestiert, bestens gemacht: Das Unternehmen ist mehrfach ausgezeichnet, rund 300Mitarbeiter erzielen einen Jahresumsatz von 31 Millionen Euro. Kein Wunder, dass man Trummer die Vorbereitungen für die WM zutraute. Er galt als der richtige Mann, der die Sache unter dem großem Zeitdruck bewerkstelligen könne. Allerdings: Der Job ist auch ein diplomatischer Drahtseilakt, wie sich bald herausstellte.

Doch davon ahnte Trummer nichts, als er sich an die Arbeit machte. Und eckte gleich mit ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel an. Gar nicht gut.

Als Präsident des Österreichischen Skiverbandes ist Schröcksnadel nämlich Veranstalter der WM und also ein mächtiger Mann. Und er ist sich dessen auch nur zu gut bewusst. Allein in den vergangenen Tagen polterte Schröcksnadel immer wieder öffentlich gegen Schladming: Einmal stellte er den Nachtslalom infrage, dann kritisierte er den angeblich dürftigen Beitrag Schladmings zur WM.

Kein Wunder, dass die Politgranden des Landes einen, sagen wir, Mörderrespekt vor dem ÖSV-Präsidenten haben. So sehr, dass SPÖ-Landeshauptmann Franz Voves und Schützenhöfer vor wenigen Monaten auch schon als Mediatoren im Streit zwischen Trummer und Schröcksnadel einschritten. Da war der Krieg zwischen den beiden schon unglaublich eskaliert.

Der Grund: Trummer hatte eine gigantische Betonspange im Zielstadion errichten lassen, den so genannten „Loop“. Und den mochte Schröcksnadel so überhaupt nicht – zumal anstelle des „Loops“ ein VIP-Zuschauerbereich hätte errichtet werden können. Schröcksnadel forderte den Abriss der Spange, Trummer weigerte sich. Die Mediation war also von überschaubarem Erfolg.

Gleichzeitig war Trummer auch diversen lokalen Größen ins Gehege gekommen – beispielsweise Trainerlegende Charly Kahr, der dem ÖSV höchst verbunden ist. Trummer hatte nämlich messerscharf erkannt, dass sein Unternehmen mit dem reinen Liftbetrieb wirtschaftlich unsicheren Zeiten entgegenblickt: Dank regelmäßig notwendiger Beschneiungen steigen die Betriebskosten, und darunter leiden die Erträge. Also beschloss er, die Wertschöpfungskette zu verlängern: Es sollte ein Hüttenbetrieb dazukommen, in der Talstation wurde ein Sportartikelgeschäft angesiedelt – das Kahr Konkurrenz machen wird. Was der wohl nicht so lustig fand – detto andere Unternehmer, die plötzlich um ihre Zukunft bangten.

Wie's der Zufall so will, wurde Schützenhöfer unlängst mit einem anonymen Schreiben unter Druck gesetzt: Trummer müsse gehen, hieß es dort ultimativ.

Schützenhöfers Sprecher betont, dass die Differenzen mit Schröcksnadel jedenfalls nicht Grund für Trummers Ablöse gewesen seien. Schröcksnadels Sprecher stellt „persönliche Differenzen“ überhaupt in Abrede.

Wirklich traurig über Trummers Abschied wird der ÖSV-Präsident aber auch nicht sein: Der „Loop“ soll demnächst abgerissen werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.07.2012)

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