Ein Politiker macht Karriere bei der Telekom Austria

Kolumne Ein mazedonischer Ex-Minister, zuständig für Telekommunikation, steht auf der Payroll der Telekom Austria. Und wird nun auch befördert. Finanzminister Hans Jörg Schelling muss sich jetzt unangenehme Fragen gefallen lassen.

Carlos Slim
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Carlos Slim
Carlos Slim hat bei der Telekom Austria ein Wörtchen mitzureden. – (c) REUTERS (CARLOS JASSO)

Plötzlich war er weg. Im Herbst 2011 ist Martin Walter noch sehr öffentlich als neuer Compliance-Manager der Telekom Austria präsentiert worden. Mit Jahresende 2016 hat er den Konzern verlassen, still und leise.
Vor fünf Jahren ist er geholt worden, um den skandalgebeutelten Konzern bei der Compliance, also bei den Benimm-Regeln, auf Vordermann zu bringen. Die Telekom lobte damals via Presseaussendung Martin Walters Expertise: Die Modernisierung des Compliance Managements sei eine „wesentliche Maßnahme zur Sicherstellung sauberer Geschäfte“. Alles wird gut, lautete also die Devise des Konzerns, der gerade wegen des handfesten Skandals rund um mutmaßliche Parteispenden und gelebter Symbiose mit der Politik ins Mark getroffen worden war.
Jetzt ist Walter gegangen. Aus „persönlichen Gründen“, wie eine Konzernsprecherin und auch er selbst der „Presse“ erklären. Das leuchtet auch durchaus ein: Martin Walter ist Deutscher, und es zieht ihn offenbar wieder in seine Heimat.
Außerdem soll er sich mit Telekom-Chef Alejandro Plater eher nicht so gut verstanden haben. So etwas kommt vor: Plater hatte ihn ja auch nicht in den Konzern geholt – und es wäre nicht das erste Mal, dass die Chemie zwischen einem neuen Chef und einem verdienten Mitarbeiter nicht stimmt. Im Konzern wird allerdings berichtet, dass es im Laufe des vergangenen Jahres auch handfeste Diskussionen zwischen dem Telekom-Chef und seinem Compliance Officer gegeben habe. Es ging dabei um die Bestellung eines neuen Mitarbeiters.
Der ist seit dem 1. September 2016 in Amt und Würden. Seine offizielle Funktion: Leiter der International Regulatory & European Affairs der Telekom Austria. Auf gut Deutsch: Seit September 2016 hat die Telekom Austria einen neuen Lobbyisten auf ihrer Payroll. Es ist Ivo Ivanovski,  ehemaliger Minister in Mazedonien, seinerzeit zuständig für Informations- und Kommunikationstechnologie. Und Plater hat mit ihm Großes vor: Am Freitag teilte er den Telekom-Mitarbeitern mit, dass Ivanovski zusätzlich den Bereich Mergers & Acquisitions für den Konzern leiten wird.

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