Let's make money: Montag nach der Griechen-Wahl

Die Absicherung bestehender Positionen ist empfehlenswert. Warum Anleger am Montag nach der Griechen-Wahl höchst alarmiert sein sollten und Apple immer noch recht knackig aussieht.

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(c) EPA (ALKIS KONSTANTINIDIS)

Wenn diese Zeilen erscheinen, gehen die Griechen gerade zur Wahl. Genau genommen stimmen sie aber nicht über Regierungsparteien, sondern über den Verbleib im Euro ab. Der Ausgang der Wahl wird die Märkte in der kommenden Woche also extrem beeinflussen. Weil der nicht vorauszusehen ist, lässt sich auch keine Kurzfristprognose für die Börsen erstellen. Auch nicht mit Charts, denn die Griechen können mit ihren Kreuzchen in der Wahlzelle jede Chartformation spätestens Sonntagabend blitzschnell zur Makulatur werden lassen.

Wir müssen wir unsere Einschätzung diesmal also auf der „Hättiwari“-Basis von „Was wäre wenn“-Modellen treffen. Was wäre also, wenn die europafreundliche konservative Nea Dimokratia die Wahl gewinnt? Dann sehen wir in der kommenden Woche ganz ohne Zweifel ein Kursfeuerwerk an den europäischen Börsen. Denn die haben einen „Grexit“ zumindest zum Teil eingepreist.

Besonders Bankaktien dürften dann durch die Decke gehen. Es empfiehlt sich also, für diesen Fall ein bisschen Pulver trocken zu halten. Wenngleich Privatanleger, die bis Montag warten, den größeren Teil des Aufschwungs verpassen werden. Wer die Möglichkeit hat, über Internet-Broker sonntags auf außerbörslichen Handelsplattformen zu handeln, könnte da schon eher zu seinem Schnitt kommen. Empfohlen werden kann das aber nur wirklich geübten und risikobereiten Anlegern. Denn außerbörslich werden die Kurse von den Brokern selbst gemacht. Und die können auch ganz ordentlich danebengreifen.

Ein Beispiel dafür hat vor Kurzem der Börsengang von Facebook geliefert. Die Aktie wurde eine Stunde vor ihrer Erstnotiz an der Nasdaq an deutschen Handelsplattformen außerbörslich mit bis zu 67 Euro taxiert. Ehe sie dann mit umgerechnet rund 32 Euro in New York in den Markt ging. Mehr als 50 Prozent Verlust in einer Stunde– das ist an „echten“ Börsen eher selten. Dass das freundliche Szenario eintritt, ist nicht so unwahrscheinlich. Einen Hinweis darauf lieferte in der vorigen Woche die Athener Börse, an der die Kurse der griechischen Banken am Donnerstag aus heiterem Himmel um 20 Prozent nach oben schossen. Basis dafür waren Gerüchte um geheim gehaltene Last-Minute-Umfragen, die einen deutlichen Sieg der Konservativen signalisieren sollen.

Gewinnt freilich das eurokritische Linksbündnis Syriza, dann ist am Montag an den Finanzmärkten mit Sicherheit der Teufel los. Besonders Bankaktien sind dann höchst absturzgefährdet. Die Notenbanken haben sich auf diese Eventualität am Freitag durch Absprachen über eine konzertierte Krisenaktion vorbereitet, die im Wesentlichen aus einer Flutung der Märkte mit Liquidität bestehen wird. Das könnte den erwarteten Aktienabsturz ein wenig abfedern. Am Freitag haben die Börsen auf die Ankündigung jedenfalls sehr positiv reagiert.

Aktionäre sollten am Montag trotzdem alarmiert sein. Empfehlenswert ist jedenfalls die Absicherung bestehender Positionen. Am besten durch das Setzen von strikten Stopp-Limits. Die sollten aber am Sonntag schon fixiert sein, denn im Crash-Stress macht man leicht Fehler. Für Absicherungsstrategien über Derivate (etwa Put-Optionen) ist es am Montag zu spät. In solchen Krisenzeiten gilt: Am Realisieren von Gewinnen (oder kleinen Verlusten) ist noch niemand verarmt, am sturen Festhalten an krachenden „Langfristinvestments“ schon.

Betroffen werden von eventuellen Kursturbulenzen wohl auch nicht europäische Börsen sein, einen Teil seines Geldes jetzt außerhalb der Eurozone anzulegen gibt aber jedenfalls ein bisschen Sicherheit. Aufgezeigt hat in diesem Zusammenhang wieder einmal die „Presse“-Dauerempfehlung Apple(ISIN US0378331005). Die Computeraktie geht zwar seit einigen Wochen eher seitwärts, Analysten sehen das aber eher als „Luftholen“ für den weiteren Aufstieg. Die Kursziele für das derzeit bei 570 Dollar liegende Papier liegen zwischen 750 Dollar (Morgan Stanley) und 800 Dollar (Credit Suisse). Einige Analysten haben das Papier sogar mit mehr als 1000 Dollar in den Listen. Bei so viel Aufwärtspotenzial verwundert es nicht, dass die Analystenempfehlungen von „Outperform“ bis „Strong Buy“ reichen. Und das Beste für Langfristinvestoren: So, wie es aussieht, wird es das Unternehmen auch nach der Eurokrise noch geben. Was man nicht von jeder Aktie sicher sagen kann.

josef.urschitz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.06.2012)

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