Warum die 30-Stunden-Woche keine Arbeitsplätze schafft

11.03.2013 | 11:32 |  von Wolfgang Scherf (DiePresse.com)

Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht können Arbeitszeitverkürzungen die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllen, meint Ökonom Wolfgang Scherf.

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Mitte Februar 2013 haben in Deutschland ca. 200 Politiker und Wissenschaftler in einem offenen Brief die 30-Stunden-Woche als einzig wirksames Instrument im Kampf gegen die Massenarbeitslosigkeit propagiert: "30-Stunden-Woche fordern! Ohne Arbeitszeitverkürzung nie wieder Vollbeschäftigung!" ("DiePresse.com" berichtete). Die Parole erinnert an die Auseinandersetzung um die 35-Stunden-Woche, die 1984 zum größten Streik der IG Metall in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland führte. Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht können Arbeitszeitverkürzungen die in sie gesetzten Erwartungen jedoch nicht erfüllen.

Aufgrund der anhaltend hohen Arbeitslosigkeit kam bereits in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts eine Diskussion über Arbeitszeitverkürzungen als Instrument der Beschäftigungspolitik auf. Die Gewerkschaften wollten mit der 35-Stunden-Woche die scheinbar knapp gewordene Arbeit besser verteilen. Die Arbeitgeberverbände lehnten dies mit dem Hinweis auf die Kostenbelastung ab. Die Debatte war und ist durch einseitige und unzulängliche Argumentationsmuster gekennzeichnet, die den gesamtwirtschaftlichen Handlungsspielräumen zu wenig Beachtung schenken.
Historisch gesehen sind Arbeitszeitverkürzungen nichts Ungewöhnliches. Die wöchentliche Arbeitszeit ist von über 70 auf unter 40 Stunden gesunken. Gleichzeitig ging die Jahresarbeitszeit durch Urlaub und die Lebensarbeitszeit durch längere Ausbildung sowie früheren Renteneintritt zurück. Dennoch sind die Realeinkommen stark gewachsen; eine Entwicklung, die nur durch den anhaltenden Produktivitätsfortschritt möglich war. Solange die Produktivität weiter steigt, ist nicht einzusehen, dass der Prozess der Arbeitszeitverkürzung zum Stillstand kommt. Ob er den Schlüssel zu mehr Beschäftigung liefert, steht jedoch auf einem anderen Blatt.

Arten der Arbeitszeitverkürzung

Den Ausgangspunkt aller Vorschläge, die Arbeitszeit aus beschäftigungspolitischen Gründen zu reduzieren, bildet die Vorstellung, man könne damit das Arbeitsvolumen auf eine größere Zahl von Beschäftigten verteilen. Die Strategie einer gerechten Verteilung der Arbeit ist defensiver Natur. Sie geht davon aus, dass es nicht gelingt, die vorhandene Arbeitslosigkeit über ein höheres Wachstum der Produktion abzubauen. Die weiteren Überlegungen konzentrieren sich auf die gesamtwirtschaftlichen Beschäftigungseffekte einer allgemeinen Verkürzung der durchschnittlichen Wochenarbeitszeit. Die Grundaussagen lassen sich jedoch auf andere Formen der Arbeitszeitverkürzung übertragen.
Einfache Beispielrechnungen zu den Beschäftigungseffekten einer Arbeitszeitverkürzung kommen häufig zu hohen Arbeitsmarktentlastungen. Die rechnerischen Effekte treten allerdings praktisch nie ein, da sie weder die Arten noch die Rückwirkungen von Arbeitszeitverkürzungen berücksichtigen.

Allgemein gilt für die Zahl der Beschäftigten (B) bei gegebenem Bedarf an Arbeitsstunden (A) und gegebener durchschnittlicher Arbeitszeit (W):
B = A/W = (Y/W) : (Y/A)
Die Beschäftigung nimmt ceteris paribus zu, wenn das reale Sozialprodukt (Y) steigt und wenn die durchschnittliche Arbeitszeit sinkt. Hingegen nimmt die Beschäftigung ceteris paribus ab, wenn die Arbeitsstundenproduktivität (Y/A) wächst. Dies ist der Freisetzungseffekt des Produktivitätsfortschritts, der darauf hinausläuft, dass mit der gleichen Beschäftigtenzahl eine größere Produktionsmenge oder mit einer geringeren Beschäftigtenzahl die gleiche Produktionsmenge hergestellt werden kann.

Die Gleichung für die Beschäftigtenzahl zeigt, dass die Wirkungen von Arbeitszeitverkürzungen nur vor dem Hintergrund der Produktivitätsentwicklung zutreffend abzuschätzen sind. Bei gegebener Höhe des realen Sozialprodukts, das den Arbeitsstundenbedarf insgesamt limitiert, führen Arbeitszeitverkürzungen nur dann zu einer höheren Beschäftigung, wenn sie den Produktivitätsfortschritt übersteigen (Erhöhung von Y/A). Arbeitszeitverkürzungen im Umfang des Produktivitätsfortschritts lassen das Beschäftigungsniveau dagegen unberührt. Infolgedessen muss grundsätzlich differenziert werden zwischen (1) Arbeitszeitverkürzungen, die sich im Rahmen des Produktivitätsfortschritts bewegen und (2) Arbeitszeitverkürzungen, die über den Produktivitätsfortschritt hinausgehen.

Spielraum durch Produktivitätsfortschritt

Gesamtwirtschaftlich begrenzt der Produktivitätsfortschritt den Spielraum für Reallohnsteigerungen und Arbeitszeitverkürzungen. Bei konstanter durchschnittlicher Arbeitszeit sind Lohnerhöhungen im Umfang des Produktivitätsfortschritts weitgehend preis- und beschäftigungsneutral. Die Arbeitskosten pro Stück bleiben stabil und die Nachfrage expandiert mit den Produktionsmöglichkeiten. Lohnerhöhungen, die den Produktivitätsfortschritt ausschöpfen, stabilisieren die Beschäftigung, weil der Freisetzungseffekt des Produktivitätsfortschritts durch Mehrproduktion kompensiert wird.
Der Produktivitätsfortschritt lässt sich auch durch Arbeitszeitverkürzungen ausschöpfen. In diesem Fall produziert man so viele Güter wie bisher und kompensiert den Freisetzungseffekt durch eine geringere Arbeitszeit. Eine Steigerung des Realeinkommens ist dann jedoch nicht mehr möglich, denn man kann den Produktivitätsfortschritt nicht zweimal verteilen. Nominallohnerhöhungen und Arbeitszeitverkürzungen sind also alternative Möglichkeiten der Nutzung des Produktivitätsfortschritts.

Daraus ergeben sich zwei wichtige Schlussfolgerungen für die Arbeitszeitpolitik:

  1. Arbeitszeitverkürzungen im Umfang des Produktivitätsfortschritt sind ein geeignetes Mittel, die Freisetzungseffekte der Rationalisierung auszugleichen. Sie stabilisieren das Beschäftigungsniveau, verhindern also mehr Arbeitslosigkeit, tragen aber nicht zum Abbau bereits vorhandener Arbeitslosigkeit bei.
  2. In dem Maße, in dem der Produktivitätsfortschritt durch Arbeitszeitverkürzungen ausgenutzt wird, müssen stabilitätskonforme Nominallohnerhöhungen hinter dem Produktivitätsfortschritt zurückbleiben. Dieser Tatbestand ist entscheidend, wenn es um die Frage des Lohnausgleichs geht.

Der Lohnausgleich spielt in der Diskussion über Arbeitszeitverkürzungen eine zentrale Rolle. Gewerkschaften fordern häufig Arbeitszeitverkürzungen mit vollem Lohnausgleich; Arbeitgeberverbände lehnen dies mit dem Hinweis auf die Kosteneffekte ab. Ein Teil der Differenzen dürfte darauf beruhen, dass der Begriff „Lohnausgleich" unterschiedlich interpretiert wird.
Eine Arbeitszeitverkürzung im Umfang des Produktivitätsfortschritts lässt keinen Spielraum für Lohnerhöhungen bezogen auf die Wochen- oder Monatslöhne. Die Stundenlöhne können und müssen allerdings im Umfang des Produktivitätsfortschritts steigen, damit die Wochen- bzw. Monatslöhne trotz Arbeitszeitverkürzung gleich bleiben und den Absatz des konstanten Gütervolumens nachfrageseitig weiter ermöglichen. Gemessen an den bisherigen Nominal- und Reallöhnen ist eine Arbeitszeitverkürzung im Umfang des Produktivitätsfortschritts also mit einem vollen Lohnausgleich verbunden. Gemessen an den sonst realisierbaren Lohnzuwächsen findet dagegen kein Lohnausgleich statt.

Ein Lohnausgleich im erweiterten Sinne ist allerdings grundsätzlich nicht möglich. Würde man neben der Arbeitszeitverkürzung noch eine Nominallohnerhöhung vereinbaren, so käme es zu einem Anstieg der Lohnstückkosten. Der Stundenlohn würde stärker wachsen als die Arbeitsproduktivität. Das Ergebnis wäre bestenfalls kosteninduzierte Inflation, die bei restriktiver Reaktion der Zentralbank leicht in Stagflation, also in Inflation plus Arbeitslosigkeit umschlagen kann. Dann wäre das Gegenteil der beabsichtigten Wirkungen einer Arbeitszeitverkürzung erreicht. Da selbst im günstigsten Fall kein realer Lohnausgleich erfolgt, sollte man auf derartige Forderungen im Zusammenhang mit Arbeitszeitverkürzungen verzichten.

Mehr Beschäftigung nur bei Lohnverzicht

Arbeitszeitverkürzungen im Umfang des Produktivitätsfortschritts laufen auf die Alternative „mehr Lohn oder mehr Freizeit" hinaus. Beschäftigungspolitisch ist wenig zu gewinnen, denn egal wie diese Frage beantwortet wird, die vorhandene Arbeitslosigkeit bleibt davon weitgehend unberührt. Daher ist zu fragen, ob Arbeitszeitverkürzungen über den Produktivitätsfortschritt hinaus neue Arbeitsplätze schaffen können.
Bei konstanter Produktion und kürzerer Arbeitszeit resultiert gemäß der obigen Gleichung ein Beschäftigtenzuwachs. Allerdings bleibt die Summe der Realeinkommen gleich. Da die bislang Arbeitslosen Löhne erhalten, wenn sie beschäftigt werden, muss zwangsläufig das Realeinkommen der übrigen Arbeitskräfte sinken. Immerhin haben die neu Beschäftigten auch zuvor aufgrund der Sozialleistungen einen Teil des Konsumgütervolumens absorbiert. Daher muss das Einkommen der bisher Beschäftigten nur um die Differenz zwischen Arbeitseinkommen und Unterstützungszahlungen sinken. Ein Lohnausgleich ist jedoch keinesfalls möglich.
Aus diesen Überlegungen folgt zum einen, dass Arbeitszeitverkürzungen über den Produktivitätsfortschritt hinausgehen müssen, wenn sie mehr Arbeitsplätze erzeugen sollen. Zum anderen erfordert die „gerechtere" Verteilung der Arbeitszeit einen entsprechenden Reallohnverzicht der bislang Beschäftigten.

Selbst wenn die beiden notwendigen Voraussetzungen erfüllt wären, bliebe der positive Beschäftigungseffekt ungewiss.

  1. Ein Übergangsproblem ergibt sich bereits daraus, dass die gesamtwirtschaftliche Nachfrage durch Arbeitszeitverkürzungen über den Produktivitätsfortschritt hinaus zunächst sinkt, wenn die bislang Beschäftigten ihre Arbeitszeit reduzieren und dafür auf Lohn verzichten. Erst wenn tatsächlich Neueinstellungen erfolgen, nehmen Einkommen und Nachfrage wieder zu. Der temporäre Rückgang der Nachfrage kann die Produktion beeinträchtigen. Daher sollten Arbeitszeitverkürzungen schrittweise und in den einzelnen Branchen zu unterschiedlichen Zeitpunkten eingeführt werden.
  2. Arbeitszeitverkürzungen haben zudem Rückwirkungen auf die Produktivität. Die Anpassung an kürzere Arbeitszeiten verursacht Mehrkosten durch die Umstellung der Produktion sowie die Anwerbung und Einarbeitung neuer Mitarbeiter (mit hinreichender Qualifikation). Möglicherweise muss auch der Kapitalstock vergrößert werden. Derartige Umstellungskosten bedeuten eine Verminderung des für Arbeitszeitverkürzungen verfügbaren Produktivitätsspielraums. Umgekehrt können flexible und kürzere Arbeitszeiten verbunden mit längeren Maschinenlaufzeiten die Stundenproduktivität erhöhen und damit den Verteilungsspielraum vergrößern.
  3. Das Hauptproblem einer allgemeinen Arbeitszeitverkürzung über den Produktivitätsfortschritt hinaus liegt in dem zu erwartenden Anstieg der Stückkosten. Man kann nicht davon ausgehen, dass Gewerkschaften und Arbeitnehmer zugunsten der eventuell neu Beschäftigten Lohnzugeständnisse machen. Arbeitszeitverkürzungen mit (vermeintlichem) Lohnausgleich sind genauso problematisch wie zu starke Nominallohnerhöhungen. Kosteninduzierte Inflation erzwingt den freiwillig nicht geleisteten Lohnverzicht und provoziert eine Stabilisierungskrise, in der Arbeitsplätze vernichtet statt neu geschaffen werden.


Die Voraussetzungen für eine beschäftigungswirksame generelle Arbeitszeitverkürzung dürften kaum zu verwirklichen sein. Eher kann man eine Bereitschaft zum Einkommensverzicht bei verringerter Arbeitszeit erwarten, wenn individuell flexible Arbeitszeiten auf freiwilliger Basis angeboten werden, die den Präferenzen der Arbeitnehmer entgegenkommen. Der Lohnverzicht bei geringerer Arbeitszeit wird in diesem Fall zu einer persönlichen Entscheidung, die besser zu vermitteln und umzusetzen sein dürfte. Eine Entlastung des Arbeitsmarktes ergäbe sich insbesondere dann, wenn viele Erwerbstätige einen bislang unbefriedigten Wunsch nach Teilzeitbeschäftigung haben.

Arbeitszeitpolitik ohne Durchschlagskraft

Die geringen Erfolgsaussichten einer Strategie der allgemeinen Arbeitszeitverkürzung gehen auf ihren Defensivcharakter zurück. Letztlich soll der Arbeitsmangel nur besser verteilt werden. Eine wachstumsorientierte Stabilitätspolitik ist demgegenüber darauf gerichtet, die Produktion und damit die Beschäftigung zu steigern. Aus dem höheren Sozialprodukt können zusätzliche Arbeitskräfte Einkommen beziehen, ohne dass anderen ein Opfer auferlegt werden muss. Hinsichtlich der politischen Akzeptanz hat diese beschäftigungspolitische Alternative klare Vorteile.

Insgesamt sollte man von Arbeitszeitverkürzungen keine allzu großen Beschäftigungswirkungen erwarten. Sie sind im Rahmen des Produktivitätsfortschritts nicht schädlich, wenn sie als Alternative zu sonst möglichen Lohnerhöhungen verstanden werden. Arbeitszeitverkürzungen über den Produktivitätsfortschritt hinaus können theoretisch sogar mehr Arbeitsplätze schaffen. Sie lassen sich aber praktisch kaum kostenneutral umsetzen und wirken daher im Zweifelsfall eher negativ auf die Beschäftigung. Demgegenüber bietet eine freiwillige Arbeitszeitverkürzung ohne Lohnausgleich immerhin die Chance auf eine gewisse Entlastung des Arbeitsmarktes.

Literatur

Bontrup, H.-J., Masserat, M. (Hrsg.): Arbeitszeitverkürzung jetzt! 30-Stunden-Woche fordern!, Bergkamen 2013

Brenke, K.: Arbeitszeitverkürzung: Sind wir schon in einer klassenlosen Gesellschaft?, DIW-Wochenbericht 9/2013, S. 16

Dreger, C., Kolb, J.: Keine Beschäftigungseffekte durch Verkürzung der tariflichen Wochenarbeitszeit, Wirtschaft im Wandel 12/1998, S. 13-18

Flassbeck, H.: „Arbeitszeitverkürzung mit vollem Lohnausgleich" - Warum werden immer dieselben Fehler gemacht?, www.flassbeck-economics.de 2013

Koch, S.: Arbeitszeit und Beschäftigung im gesamtwirtschaftlichen Zusammenhang, MittAB 1/2001, S. 28-44

Oberhauser, A., Joß, S., Scherf, W.: Abbau der Arbeitslosigkeit durch Arbeitszeitverkürzung?, in: Volkswirtschaftslehre, B/VWA108 Konjunkturelle Entwicklung und Beschäftigungspolitik, Stuttgart 2000

Der Autor
Wolfgang Scherf (geb. 1956 in Trier) ist seit 1996 Professor für Volkswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Öffentliche Finanzen an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Seine Arbeitsgebiete umfassen: Öffentliche Einnahmen, Staatsverschuldung, Finanzausgleich, Beschäftigungspolitik, Verteilungspolitik, Makroökonomie. Scherf ist Mitglied von: Verein für Socialpolitik – Ausschuß für Finanzwissenschaft, International Institute of Public Finance, Finanz- und Steuerausschuss der IHK Gießen-Friedberg, Hessische Regierungskommission «Haushaltsstruktur».

Kooperation
Dieser Artikel wurde für "Ökonomenstimme", die Internetplattform für Ökonomen im deutschsprachigen Raum, erstellt. Die Presse ist exklusiver Medienpartner der Ökonomenstimme.

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25 Kommentare
 
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Wirtschaftsmodelle

Ich bin mit Volkswirtschaft leider nicht vertraut und stehe der 30 stunden woche neutral gegenüber. Ich stelle mir aber die frage, ob diese modelle nicht all zu vereinfachend sind. Ich bezweifle, dass es modelle gibt, welche der komplexen dynamischen natur unseres wirtschaftssystems gerecht werden.

DEUTSCHER FREIWIRTSCHAFTSBUND e.V

.


Presseerklärung

zur Bundestagswahl am 18. September 2005



Der Sprecher des Deutsche Freiwirtschaftsbund e.V. - Hermann Benjes - weist darauf hin, dass die von allen Parteien bedauerte Massenarbeitslosigkeit in Deutschland auch Vorteile bietet, die so kurz vor der Bundestagswahl nicht unerwähnt bleiben sollten. Wie der Börsenzeitschrift CASH zu entnehmen war, ist eine maßvolle Arbeitslosigkeit von 6 % grundsätzlich wünschenswert. Die Traumnote "ideal fürs Kapital" wird nach Ansicht der amerikanischen Notenbank Federal Reserve System allerdings erst bei einer Arbeitslosenquote von 10 % erreicht. Hohe Arbeitslosigkeit sorgt nämlich dafür, dass alle, die im Moment noch einen Arbeitsplatz haben, nicht mehr aufmucken können. Der Wegfall von Weihnachts- und Urlaubsgeld, ja sogar Lohnkürzungen bei verlängerter Arbeitszeit und andere "Grausamkeiten" sind schließlich nur in einem Umfeld nackter Verzweiflung zum Wohle des Kapitals denkbar und lassen sich unter dem Druck einer angedrohten Arbeitsplatzverlegung ins Ausland meistens auch problemlos durchsetzen.

Da die Mitglieder der Regierungsparteien und die der Opposition von der gleichen Kapital-Lobby bearbeitet werden, wird der Ausgang der bevorstehenden Bundestagswahlen keine nennenswerten Auswirkungen auf die Arbeitslosenquote haben. Auch die Arbeitslosen haben offenbar längst erkannt, dass man sich diese Wahl eigentlich schenken könnte.

Nachrichten abseits der Mainstream Medien

Nachrichten abseits der Mainstream Medien volksprotest de Lösungen siehe Forum...

EIR

bueso de

Viel zu Viel !

Ich arbeite schon jahrelang nur 20 Stunden die Woche und es tut mir verdammt gut !
Die Gier nach Geld und der Konsumrausch wird euch irgendwann vergehen, hoffendlich nicht wenn es zu spät ist. Es ist schön von der Sonne geweckt zu werden.Meine Freiheit und Freizeit ist mir mehr wert als ein paar €uronen.

Re: Viel zu Viel !

richtig erkannt -

wenig ist so wertvoll wie das Produktionsmittel Grund und Boden...

Eigenleistung ist übrigens maximal subversiv... da noch nicht versteuert... ich zahle für mein Obst, mein Gemüse meine Beeren und mein Holz keine Steuern, Abgaben und Gebühren - ich bin der subversive Klassenfeind... der dementsprechend wenig fürs gescheiterte System arbeitet...

ich werk halt am Open Source Banking Core um das Banksystem in toto zu sprengen... gilt noch nicht als Terrorismus

Weg in die Unabhängigkeit:

1) Hoher Qualitätsanspruch - edle Materialen die man selbst seinen Wünschen gemäß verarbeiten kann - Holz, Ton, Fasren, Wolle


Eine Replik zu dieser veralteten Ansicht

Gut, der Herr ist 1956 geboren, hat also die Entwicklungen der letzten ca. 30 Jahre in seinem Elfenbeiturm nicht mitbekommen. In seinem Modell geht er von der klassischen Industrie des 19. bis Mitte 20. Jhdts aus. Ein Heer von Arbeitern in Fabrikshallen, das genau 38,5 bis 40h voll produktiv an Maschinen steht, diese bestückt, wartet, Material zu- und Erzeugnisse abtransportiert. Jeder dieser Arbeiter tut sein Leben lang genau das, was er zwischen 14 und 20 gelernt hat - sehr gut, aber eben auch nie etwas Innovatives.

Bitte, lieber Herr Scherf, solche Zustände bekämpft man sogar in China!

Vielleicht gibt es noch vereinzelt solche Arbeitsverhältnisse, für die dieses Modell zutrifft. Jene Arbeitsverhältnisse jedoch, die ausgerechnet die viel beschworene Produktivität bringen, sind von Flexibilität, Innovationskraft und extremer Motivation getragen! Es geht ja überhaupt nicht darum, dass die Leute nur mehr 30h arbeiten - das nennt man Normalarbeitszeit. Die faktische durchschnittliche Arbeitszeit liegt jetzt bereits bei 60-80h im Schnitt! Außer im Management, dort beträgt sie 20h. Würde man die NAZ auf 30h reduzieren, hätten die Leute endlich Zeit sich auch um etwas Innovatives zu kümmern - die de-facto-Arbeitszeit wäre ja weiterhin so hoch wie jetzt. Nur würde sie sinnvoller genutzt werden. Zur Lohnentwicklung: die liegt seit 30 Jahren weit unter dem Produktivitätszuwachs und unter der Inflationsrate, also auch hier kein Problem, zumal die Produktivität ja steigen würde.

Re: Eine Replik zu dieser veralteten Ansicht

Presseerklärung

zur Bundestagswahl am 18. September 2005



Der Sprecher des Deutsche Freiwirtschaftsbund e.V. - Hermann Benjes - weist darauf hin, dass die von allen Parteien bedauerte Massenarbeitslosigkeit in Deutschland auch Vorteile bietet, die so kurz vor der Bundestagswahl nicht unerwähnt bleiben sollten. Wie der Börsenzeitschrift CASH zu entnehmen war, ist eine maßvolle Arbeitslosigkeit von 6 % grundsätzlich wünschenswert. Die Traumnote "ideal fürs Kapital" wird nach Ansicht der amerikanischen Notenbank Federal Reserve System allerdings erst bei einer Arbeitslosenquote von 10 % erreicht. Hohe Arbeitslosigkeit sorgt nämlich dafür, dass alle, die im Moment noch einen Arbeitsplatz haben, nicht mehr aufmucken können. Der Wegfall von Weihnachts- und Urlaubsgeld, ja sogar Lohnkürzungen bei verlängerter Arbeitszeit und andere "Grausamkeiten" sind schließlich nur in einem Umfeld nackter Verzweiflung zum Wohle des Kapitals denkbar und lassen sich unter dem Druck einer angedrohten Arbeitsplatzverlegung ins Ausland meistens auch problemlos durchsetzen.

Da die Mitglieder der Regierungsparteien und die der Opposition von der gleichen Kapital-Lobby bearbeitet werden, wird der Ausgang der bevorstehenden Bundestagswahlen keine nennenswerten Auswirkungen auf die Arbeitslosenquote haben.

@Vielleicht gibt es noch vereinzelt solche Arbeitsverhältnisse

Solche Arbeitsverhältnisse sind weit überwiegend die Norm ...

aufwachen du träumer

Warum die 30-Stunden-Woche keine Arbeitsplätze schafft

über so einen geistigen Schwachsinn sollte man sich nicht einmal unterhalten, geschweige den ein Wort schreiben.

Diese alten von Gewerkschaften in den 78er und 80er Jahren propagierte Maßnahme hat schon einen Bart wie Methusalem.


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Re: Warum die 30-Stunden-Woche keine Arbeitsplätze schafft

Der pythagoräische Lehrsatz ist über 2500 Jahre alt, da kann mab gar nicht mehr von Bart sprechen....

volkswirtschaftlich - also für eine große Anzahl gleichwertiger Arbeitskräfte - kann man an eine beschäftigungswirksame Arbeitszeitverkürzung glauben, aber wie soll das in einem Kleinbetrieb funktionieren?

Ein großer Teil unserer Dienstnehmer arbeitet in Kleinbetrieben, die nur wenige Arbeiter beschäftigen. Wie soll dort eine Arbeitszeitverkürzung um 15 Prozent durch mehr Arbeitskräfte ausgeglichen werden? Man kann ja nicht nur ein paar Prozent eines Arbeiters einstellen. Deshalb muss das dort notgedrungen zu entsprechend weniger Arbeit, dadurch weniger Produktion und weniger Betriebsergebnis, also weniger Gewinn, führen. Viele Kleinbetriebe, die jetzt schon ums Überleben kämpfen, würden diese Gewinneinbußen nicht aushalten und müssten schließen.

Eine Arbeitszeitverkürzung führt bei Kleinbetrieben deshalb nicht zu weniger, sondern ganz im Gegenteil zu mehr Arbeitslosigkeit, was die Wirkung dieser Maßnahme auch für die ganze Volkswirtschaft zweifelhaft erscheinen lässt!

eine sehr spezielle Argumentation

35 Stunden sind nicht gleich 30 Stunden. 35 Stunden bleiben eher ohne Effekt, da die 5 fehlenden Stunden in die 35 hineingepresst werden. Bei 30 ist das nicht mehr so leicht. Darüber hianus gäbe es Mittelwege zwischen voller Lohnausgleich und kein Lohnausgleich, die um einiges gangbarer wären.
Und ob es geht, hängt, ob man will oder nicht, mit der Gangart anderer Länder diesbezüglich und damit mit Zoll- und Steuerpolitik zusammen. Wenn in den Bricsstaaten 45-60 Stunden zu weniger Lohn gearbeitet wird, dann hat das eine Bedeutung für die Möglichkeiten in Europa.

"Warum die 30-Stunden-Woche keine Arbeitsplätze schafft" und "Mehr Beschäftigung bei Lohnverzicht"

Was ist das für ein Professor, der Herr Scherf???
Ein Propagandist eines neo-liberalen Think-Tanks??!!??

Ein selbsternannter Elitärer mit Zukunfts-Blick "Feudal-Wirtschaft"!!

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Pseudowissenschaft

die Formel (Y/W)/(Y/A) ist dadurch zustandegekommen, dass Zähler und Nenner in der Formel B=A/W mit Y multipliziert wurden, also B=Y*A/Y*W. Somit trägt Y in dieser Formel nichts zu B bei!
Die isolierte Betrachtung der Grössen in der tautologisch erweiterten Formel ist deshalb ebenfalls unzulässig, da Y im Zähler und Nenner steht!

Re: Pseudowissenschaft

Wie dem Text zu entnehmen ist, wird auch nicht versucht, B durch Y zu erklaeren.

Um Y wurde nur deshalb erweitert, weil die Arbeitsproduktivitaet (Y/A) fuer sich eine relevante Groesse ist. Wie sollte man ueber die Auswirkungen einer Aenderung der Arbeitsproduktivitaet diskutieren, solange sie im Modell nicht ersichtlich ist?

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Re: Re: Pseudowissenschaft

Nein, weil Y im Nenner und im Zähler vorkommt!

Re: Re: Re: Pseudowissenschaft

Es geht aber nicht um Y, sondern um Y/A

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Re: Re: Re: Re: Pseudowissenschaft

Aber Y/W steht im Nenner, in Bezug auf B hebt sich das auf!

Re: Re: Re: Re: Re: Pseudowissenschaft

Das ist immer so, wenn man einen Bruch erweitert.

Klarer für den Mathematiker wäre es, wenn man für Y/A ein eigenes Symbol eingeführt hätte, z.B. P wie Produktivität. Dann hieße es P/(Y/W) bzw. P*W/Y, und es fiele nicht mehr weiter auf, daß Y auch in P enthalten ist.

Der gute Professor beherrscht die Grundrechenarten nicht

Bei einer angenommenen Arbeitslosigkeit von ca. 10% (offizielle Zahl+Leute in Schulungen, usw.) könnte man rein rechnerisch die Wochenarbeitszeit auf nur ca. 35 Stunden senken, sonst droht Arbeitskräftemangel.

Re: Der gute Professor beherrscht die Grundrechenarten nicht

Warum das nicht geht, ist im Artikel eigentlich gut dargelegt. Vielleicht lesen Sie ihn nochmal und versuchen auch den Sinn zu erfassen. (Und der Vorwurf von Ihnen ist schon ein bisserl peinlich, finden Sie nicht?)

Re: Re: Der gute Professor beherrscht die Grundrechenarten nicht

Dann erklären Sie es in einfach verständlichen Worten!

Re: Der gute Professor beherrscht die Grundrechenarten nicht

die in Schulungen etc befindlichen Personen sid oft unvermittelbar bzw sind nicht in der Lage, offene stellen zu besetzen.

was hilft mir eine afrikanistikabsolvent, wenn ich teilchenphysiker brauche...

Re: Re: Der gute Professor beherrscht die Grundrechenarten nicht

Wieviele Teilchenphysiker braucht Österreich?

Re: Re: Re: Der gute Professor beherrscht die Grundrechenarten nicht

Gut; dann was hilft mir ein Teilchenphysiker, wenn ich einen Afrikaner benoetige?

 
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Hobbyökonom

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