Wien/jaz. Eigentlich hätte das Vorjahr für die heimische Post ja ein hartes Jahr werden müssen. Denn seit 1. Jänner 2011 ist der Postmarkt in Österreich vollständig liberalisiert. Allerdings hat die Post eine „Gnadenfrist“ bis zum Jahresanfang 2013 bekommen. Denn erst ab dann müssen sämtliche Hausbrieffachanlagen so umgestellt sein, dass jeder Anbieter problemlos Zugang erhält.
Brief-Umsatz steigt wieder
2011 musste sich die Post daher trotz Liberalisierung im Briefsegment noch nicht mit Konkurrenten messen (bei Paketen gibt es diese schon seit Längerem). Und erstmals seit Jahren konnte dieser bislang stetig schrumpfende, aber immer noch größte Geschäftsbereich der Post auch wieder zulegen. So stieg der Brief-Umsatz um 4,4 Prozent auf 1,35 Mrd. Euro – obwohl das Volumen neuerlich um drei Prozent zurückgegangen ist.
Dies sei jedoch kein Beweis dafür, dass die im April erfolgte Tarifumstellung von Gewicht auf Format einer Preiserhöhung gleichgekommen sei, so Post-Chef Georg Pölzl bei der Präsentation der Post-Bilanz. „Es hat nämlich auch eine Veränderung im Brief-Mix – hin zu teureren Briefen – gegeben, da beispielsweise Amazon kleinere Produkte immer häufiger nicht mehr mit einem Paket, sondern per großem Brief sendet“, sagt Pölzl weiter. Und dies sei bei der Post deutlich spürbar.
Der Internethandel war für die Post auch in Summe der größte Wachstumstreiber. So konnte der Umsatz des Konzerns um 4,2 Prozent auf 2,35 Mrd. Euro wachsen. Unter dem Strich verdiente die Post dadurch mit 123,8 Mio. Euro um 4,6 Prozent mehr als 2010.
Von diesem Ergebnis sollen auch die Aktionäre profitieren, indem die Dividende um 6,3 Prozent auf 1,70 Euro je Aktie steigt. Dies entspricht im Verhältnis zum Jahresultimo einer Dividendenrendite von 7,3 Prozent. „Wir sind damit nicht nur in Wien der dividendenstärkste Titel, sondern auch in Europa ganz vorne dabei“, sagt Pölzl.
Auch der Rückblick auf die Entwicklung seit dem Börsengang am 30. Mai 2006 zeige, dass der Kurs seither zwar nur um 22,6 Prozent (bis Ende 2011) zugelegt hat, inklusive der kräftigen Dividendenzahlungen der „Total Shareholder Return“ der Aktie jedoch rund 70 Prozent betrage. Wer also 2006 einen Euro investierte, hat jetzt bereits 1,70 Euro.
Teile von Transoflex verkauft
Für heuer erwartet die Post erneut eine leichte Steigerung bei Umsatz und Ergebnis. Helfen soll dabei, dass die defizitäre belgische und holländische Sparte der deutschen Tochter Transoflex am Donnerstag an die holländische Post verkauft wurden. Und auch der Mitarbeiterstand soll von derzeit 24.000 ähnlich wie im Vorjahr um rund 800 sinken.
An der Börse wurde die Post-Bilanz freudig aufgenommen. Auch die Analysten sind positiv gestimmt: Von zwölf von Bloomberg befragten Analysten sagen fünf „Kaufen“ und sieben „Halten“.
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