Code of Conduct: Viel zu verbessern

So manches Dax-Unternehmen sollte seinen Code of Conduct überdenken.

Traders work at their desks in front of the German share price index DAX board in Frankfurt
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Traders work at their desks in front of the German share price index DAX board in Frankfurt
Themenbild: DAX – (c) REUTERS (STAFF)

Wien. Mitte Dezember 2016 hat das französische Parlament die Lex Sapin II verabschiedet. Demnach müssen Unternehmen in Frankreich nun einen Code of Conduct einführen und einen Compliance-Prozess implementieren. Dafür haben sie sechs Monate Zeit.

Doch auch Deutschland muss punkto Compliance einen Zahn zulegen. Das zeigte das Magazin des Berufsverbandes „Compliance Manager“ auf. Es führte sich die Regelwerke von 27 Dax-Unternehmen zu Gemüte und kam zu einem beunruhigenden Fazit: Nur vier verdienen, so die Ansicht der Juroren, die Note „sehr gut“. Adidas und Daimler sind die großen Vorbilder. Ihre Codes of Conduct seien sprachlich gut verständlich formuliert und beschränkten sich nicht nur auf Verbote. Sie würden unmittelbar an die Mitarbeiter appellieren und versuchten ein gemeinsames Verantwortungsgefühl zu bewirken.

 

Unpersönliche Formulierungen

Ganz anders macht das die Deutsche Bank. Sie richte sich tendenziell drohend und unpersönlich an ihre Mitarbeiter und sei vor allem darauf bedacht, den Aktionären ein bestimmtes Image zu vermitteln. Nur noch schlechter macht es nach dem Magazin die Deutsche Börse.

Über den Verhaltenskodex der Lufthansa gibt es allerdings gar nichts zu sagen, denn das deutsche Luftfahrtunternehmen verzichtet gleich ganz auf einen solchen. SAP hat zwar einen Code of Conduct, allerdings nur in englischer Sprache. Das Unternehmen setzt voraus, dass ihn jeder versteht.

Volkswagen kassiert bei dem Ranking ein Befriedigend. Kritisiert wird, dass in dem Code of Conduct – er stammt noch aus der Ära von Ex-Vorstand Martin Winterkorn – keine Person genannt ist, die Mitarbeiter bei Auffälligkeiten kontaktieren können. Nur von einer „fachlich zuständigen Stelle“ sei die Rede.

Nachdem die Compliance-Verantwortliche, Vorstand Christine Hohmann-Dennhardt, nach nur einem Jahr den Konzern schon wieder verlässt, wird sich wohl ihre Nachfolgerin Hiltrud Werner, die bisher bei Volkswagen die Konzernrevision leitete, um eine neue Version des Code of Conduct kümmern müssen. Keine leichte Aufgabe, wie der abrupte Abgang ihrer Vorgängerin gezeigt hat. (hec)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.02.2017)

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