Frankenkredit: Kreditnehmer waren zu blauäugig

Schlecht beraten? Nicht, wenn man eine Konvertierung hinnimmt.

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(c) Bloomberg (Philipp Schmidli)

Wien.Ein Ehepaar klagte eine Vermögensverwaltungsgesellschaft, die sie mit ihrem Devisenmanagement betraut hatte, auf Schadenersatz. Sie seien bei der Vermittlung eines Fremdwährungskredites unrichtig und/oder unzulänglich über die damit verbundenen Risiken aufgeklärt worden. Weder das Zins- noch das Währungsrisiko noch die Risiken im Zusammenhang mit dem Tilgungsträger wären Thema gewesen. Erst 2011 hätten sie diese Gefahren registriert, ihre Ansprüche seien deshalb auch noch nicht verjährt. Anders als das Erstgericht wies das Berufungsgericht die Klage wegen Verjährung ab. Denn: Schon im September 2008 hat besagte Vermögensverwaltungs-GmbH die Kläger in einem Schreiben davon in Kenntnis gesetzt, dass ihr Kredit wegen der negativen Entwicklung des Wechselkurses in Euro konvertiert worden sei. Die Anleger hatten in der Folge zur Deckung der eingetretenen Verluste einen weiteren Kredit in der Höhe von 20.266 Euro aufzunehmen.

Damit sei, so urteilte das Berufungsgericht, klar geworden, wie risikoträchtig das gewählte Finanzierungskonzept ist. Der Schaden sei für die Kläger erkennbar gewesen und die Verjährungsfrist damals in Gang gesetzt worden.

 

Kein Beschwichtigungsversuch

Die beiden Kläger dürften jedoch ihr Vertrauen in den Schweizer Franken nicht verloren haben, denn sie verlangten von ihrem Vermögensberater, den in Euro konvertierten Kredit wieder in Franken umzuwandeln. Diese Entscheidung bereuten sie später offenbar. Sie warfen dem Berater vor Gericht vor, er hätte sie damals wieder nicht über das damit verbundene Risiko aufgeklärt. Sein Verhalten käme deshalb einem unzulässigen Beschwichtigungsversuch gleich.

Diese Rechtsansicht teilte der Oberste Gerichtshof allerdings nicht. Von einer Beschwichtigung könne gesprochen werden, wenn beim Geschädigten ein entstandener Verdacht, er habe nicht die begehrte Anlage erhalten, wieder zerstreut werde. Das aber haben die Kläger auch gar nicht behauptet.

Der Vermögensverwaltungs-Gesellschaft hätte sich auch nicht der Unterlassung schuldig gemacht, ihre Kunden erneut aufzuklären. Mit der Information über die Konvertierung sei alles gesagt gewesen. (hec)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.02.2017)

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