Ingenieure streiten über Qualifikationen

Sollen Praxiszeiten ein Studium ersetzen können?

Wien. Am am 5. Oktober findet in Wien der Engineers Day statt. Klingt technisch, ist es aber nicht: Eines der Hauptthemen werden künftige gesetzliche Rahmenbedingungen für Ingenieurleistungen sein. Ein Streitpunkt dabei ist die Deregulierung: Die EU-Kommission macht Druck in diese Richtung, Staaten und Interessengruppen sind aber uneins. Etwa wenn es darum geht, inwieweit Ausbildung durch Praxiszeiten ersetzt werden kann.

In Österreich geht es da um die Gleichstellung von HTL-und Diplomingenieur. „Natürlich gibt es exzellente Ingenieure, die ohne akademische Ausbildung durch Berufspraxis ihre Fertigkeiten erlangt haben“, sagt etwa Klaus Thürriedl, Ziviltechniker und Generalsekretär des Europäischen Rates der Ingenieurkammern. Für manche Ingenieuraufgaben sei jedoch das dahinterstehende theoretische Wissen unabdingbar, meint er mit Verweis auf die Verknüpfung mit Themen wie Sicherheit und Gesundheit.

 

Ingenieurgesetz prescht vor

Um Qualifikationen und Kompetenzen vergleichbar zu machen, hat die EU den Europäischen Qualifikationsrahmen für lebenslanges Lernen (EQR) entwickelt. Darin werden die Qualifikationen acht Stufen zugeordnet. Die Länder sollen nun nationale Qualifikationsrahmen entwickeln. In Österreich versucht das Ingenieurgesetz 2017 das zum Teil vorwegzunehmen, indem es (indirekt) vorgibt, dass der Ingenieur-Titel, gleichwertig dem Bachelortitel, in Stufe 6 eingereiht werden kann. Detail am Rand: Die Einstufung von HTL-Ingenieuren mit dreijähriger Berufspraxis in Stufe 6 war sogar schon Thema einer parlamentarischen Petition. Eingebracht vom Abgeordneten (Ing.) Norbert Hofer. (cka)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.10.2017)

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