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Stronach: „Das ist alles viel zu kompliziert“

25.03.2012 | 18:37 |   (Die Presse)

Juristische Debatten, wie man Mitarbeiter am besten am Erfolg eines Unternehmens beteiligt, interessierten Magna-Gründer Frank Stronach nicht. Er setzte auf markige Sprüche und warb so um Reformen.

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Graz/Red. Frank Stronach ist besorgt. „Die meisten Leute spüren, dass etwas nicht stimmt“, so der Austro-Kanadier. Deshalb mache er sich „große Sorge um Österreich“, sagte er vergangene Woche beim „Rechtspanorama am Resowi“ an der Grazer Karl-Franzens-Universität. Der Magna-Gründer, der an der Uni Graz die „Frank Stronach Forschungsgruppe“ zu demokratie- und gesellschaftspolitischen Fragen sponsert, legte seine Bedenken dreischichtig dar. Da wäre zunächst der Schuldenberg. „Jede Hausfrau und jeder Bauer weiß, dass man nicht mehr ausgeben als einnehmen kann – nur die Politiker wissen es nicht. Da stimmt etwas nicht, das kann nicht so weitergehen“, übt sich der Milliardär als vernünftige Stimme des Volkes.

Nächste Sorge: Steuergesetze. „Da kennt sich keiner aus“, wettert Stronach und fordert einfachere Gesetze. Es könne nicht sein, dass sich die Leute vor Staatsdienern fürchten, wenn es um Steuerprüfungen gehe. Mit einer richtigen Steuergesetzgebung könne man „eine Wüste mit Wirtschaft beleben“, wird er blumig und wiederholt seine Forderung nach einer 20-prozentigen Flat Tax in Österreich. Dritte Sorge: Die aufgeblähte Verwaltung. Stronach drängt auf Effizienz. Die Politiker wüssten um die Fehler, die sie machen – „und machen sie trotzdem immer wieder“ (Stronach). „Absicht oder Dummheit?“, stichelt er. Und schiebt seine Vermutung nach: „Ich glaube, eine Mischung aus beidem.“ Die Regierung sei „nicht leistungsbereit“: „Wenn Manager in der Privatwirtschaft so agieren, würden sie von den Aktionären entlassen werden.“ Beim Publikum im überfüllten Hörsaal trifft er mit seinen plakativen Angriffen den Nerv. Stronach spürt den Rückenwind, unterhält mit launigen Zwischenrufen und Understatement. „Ich werde nie sagen, dass mein Programm das beste ist, aber einer muss ja einmal etwas vorschlagen, denn das derzeitige System erwürgt die Wirtschaft.“ Wenn nichts geändert werde, fahre das System an die Wand. Das eigentliche Thema des Abends, „Recht auf Gewinnbeteiligung für Mitarbeiter“, rückt in den Hintergrund. Es ist das im Raum stehende Antreten einer Stronach-Partei, das stattdessen für aufgewühltes Interesse sorgt.

 

Keine eigene Stronach-Partei

Stronach selbst relativiert eilig: Er habe nie gesagt, eine eigene Partei gründen zu wollen. Sehr wohl werde er aber eine Bewegung finanziell unterstützen, die seine Reformvorhaben verfolge. Zudem halte er eine reine Wirtschaftspartei ohnehin für einen „Blödsinn“. Eine Partei müsse für alle da sein. Für nicht mehr zukunftsfähig hält Stronach unter anderem auch die Pflichtmitgliedschaft in den Kammern. „Wenn die Kammern so gut wären, bräuchte es keinen Zwang“, attackiert er den ebenfalls auf dem Podium sitzenden steirischen Wirtschaftskammerpräsidenten Josef Herk. Der blockt mit Verweis auf das Wohlstandsniveau Österreichs ab: „So schlecht kann unser System nicht sein.“ Auf einer Linie mit Stronach findet sich Herk aber mit der Forderung nach einer allgemein unternehmerfreundlicheren Kultur. Es dürfe nicht heißen „Her mit dem Zaster“, richtet der VP-Mann seiner Parteikollegin ÖAAB-Chefin Johanna Mikl-Leitner aus.

Auch in Sachen Mitarbeiterbeteiligung gehen Herk und Stronach in der Generalausrichtung weitgehend konform: Beteiligung als Motivationsfaktor ja, Zwang nein. Den Einwand von Gunter Nitsche, Professor für Unternehmens- und Wirtschaftsrecht, neben dem Mitarbeitereigentum seien auch steuerlich begünstigte Leistungsprämien möglich, lässt Stronach nicht gelten. „Das ist alles viel zu kompliziert“, fährt der gelernte Werkzeugmacher dem emeritierten Hochschulprofessor frontal in die Parade. Auch Michael Schickhofer, Nationalratsabgeordneter der SPÖ, hält Mitarbeiterbeteiligung per se für durchaus positiv. Gefährlich sei es aber, wenn es sich auf Inflationsbereinigung und eine Gewinnbeteiligung reduziere und die allgemeine Produktivitätssteigerung nicht berücksichtigt werde. Auch grundsätzlich bezweifelt Schickhofer – vor seiner Politkarriere selbst in Stronachs Magna-Konzern beschäftigt – die Umsetzbarkeit der Visionen seines Ex-Chefs: „Bei Magna waren Entscheidungen auf seine Person konzentriert, im österreichischen Parteiensystem sind Koalitionen und Kompromisse notwendig.“ Auf Kompromisse hat Stronach aber keine Lust: „Es muss einmal wer aufstehen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.03.2012)

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8 Kommentare
Gast: heiko17
28.03.2012 12:52
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Stronach: Das ist alles viel zu kompliziert ....

Ich möchte die vom EU-Gericht als Ungleichbehandlung - aufgehobene Pensionsreform 2008 dahingehend überprüfen
lassen

. wer hatte diese Idee 540.000 zu diskriminieren?

. warum hat der Nationalrat, Bundesrat, Bundespräsident dem zugestimmt?War das juristisch nicht schon absehbar?

. warum will der BM Hundsdorfer nur den klagenden die NACHHALTIGE Anerkennung der 1,1%-igen Nachzahlung zuerkennen?.Soll man zukünftig mit Vorbehalt jede Entscheidung einklagen?

. die übrigen sollen nur die 1,1%-ige Nachzahlung erhalten?Großzügig verspricht er sich einzusetzen, dass nicht jeder einzeln dies bei seiner Pensionsversicherung machen muß!!!

.Die Aufrollung der Pension ( somit Nachhaltigkeit) ist lt. Urteil nicht geboten und aus administrativen Gründen n i c h t möglich
weil viel zu kompliziert - deswegen darf man aber u n g e r e c h t sein- Wie passt dies zur neuen gerechteren Verteilungslinie der SPÖ??

Als Denkanstoß könnte man auch die ungleiche Behandlung der Nichtzuerkennung der Ausgleichszulage bei Ehepaaren, deren Partner über eine bessere Pension verfügt, nachdenken.
Vielleicht unterstützt jemand diese Ausführungen.

Gast: pensionär
27.03.2012 19:44
0 0

Mitarbeiterbeteiligung

... alles Lüge, betrachtet man die Patentabfindungen für Ingenieure. Die sind nämlich unter Dienstnehmererfindung so gehalten, dass der Erfinder kaum eine oder gar keine Abfindung für seine Leistung erhält.
Darüber sollten Abzocker wie Stronach mal berichten und die Wahrheit zur Kenntnis nehmen - aber was halten Leute seines Schlages schon von Wahrheit.

ein paradeunternehmer und in seiner magna

hatte er lobbyisten (früher sagte man anders dazu) - vorsorglich jeder couleur - angestellt.

Stronach und seine Bewertungen!

Nur wer legal finanziell unabhängig ist und die großen gesellschaftl. Zusammenhänge kennt, kann auch öffentlich sagen, was unserem System schadet! Der Rest, ausgenommen sind die Hüter und Vollzieher unser Rechtsordnung, ist befangen und versucht seine Existenz und Broterwerb zu verteidigen und zu schützen!

Stronach und unser Abstieg-System!

Ja zu Stronach und seinen Bewertungen! Gerade, weil er, finanziell sowieso, aber auch, was seinen Job betrifft, jetzt unabhängig und frei von jeglichen Unterstützern, Förderer, Gönner ist und auch die großen politischen und gesellschaftl. Zusammenhänge kennt, sind seine Aussagen realitätsbezogener, als Aussagen von all jenen, die ihren Job schützen und somit das tun, was ihnen persönlich nützt! Ob`s für unser Wirtschafts- und Gesellschaftssystem gut ist, ist eher zweitrangig!

aufmerkasamskeitsdefizit, profilierungsneurose und senilität

einfach nur schlimm. seine abschmierereien, kassierte förderungen und politikerstreicheln, als er noch operativ davon profitierte sind vergessen? ich könnt nicht so viel fressen, wie ich speiben wollt...

Antworten Gast: vorbildwirkung
27.03.2012 18:44
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Re: aufmerkasamskeitsdefizit, profilierungsneurose und senilität

jeder kann und darf um förderungen ansuchen. wüsste nicht dass dies was illegales wäre, oder?

wenn Sie von anderen verlangen dass sie auf dinge freiwillig verzichten die ihnen zustehen, dann seien Sie selbst ein positives vorbild und leben es!!!
oder verzichten Sie freiweillig auf diverse sozialleistungen (zb pension, krankenkassen- oder arztleistungen, etc.) oder andere leistungen vom hause staat?

Und was tun Sie?

Ein Mensch, noch dazu ein erfolgreicher, ist in der Pension vom System nicht mehr erpressbar und braucht sich nicht mehr zu fürchten, anders als zu Zeiten, wo er Unternehmer und damit erpressbar war.
Statt auf der faulen Haut zu liegen, engagiert er sich auch noch im Alter, die Dinge zu ändern, um anderen ein besseres System mit weniger Erpressung zu bieten.

Und dafür nimmt er sogar Motschkerer wie Sie in Kauf, die anscheinend nur kritisieren, statt konstruktive Beiträge zu bringen.

Was tun Sie, um das System zu verändern? Wie kämpfen Sie für Reformen? Oder finden Sie, es ist eh alles bestens?