Sektsteuer "größter Schwachsinn der vergangenen Jahre"

Die Wiener Sektkellerei Schlumberger feiert Jubiläum. Und wächst trotz der „Marktverzerrung“.

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Der heimische Markt für Sekt brach nach der Wiedereinführung der Schaumweinsteuer ein. Profitiert hat das Konkurrenzprodukt Frizzante, das nicht mit der Steuer belastet ist. – (c) APA/GEORG HOCHMUTH

„Der größte Schwachsinn der letzten Jahre.“ Das Thema treibe ihm immer noch den Puls in die Höhe. Beim Stichwort Schaumweinsteuer lässt Schlumberger-Chef Eduard Kranebitter seinem Unmut freien Lauf.

Seit der Wiedereinführung dieser „Wahnsinnssteuer“ im März 2014 sei der österreichische Sektmarkt eingebrochen. „Ein kleines, feines Geschäftsfeld wurde dadurch drastisch beeinflusst. Und es trifft vor allem die österreichischen Hersteller.“ Diese Behauptung untermauert der Chef der Wiener Sektkellerei mit Zahlen: Mengenmäßig verzeichnete der heimische Sektmarkt demnach in den Jahren 2014 und 2015 ein Minus von insgesamt rund 20 Prozent, heuer gab es in den ersten drei Quartalen immer noch knapp zwei Prozent Rückgang.

Wachstum bei Frizzante

Das überwiegend von ausländischen Herstellern stammende Konkurrenzprodukt Frizzante erzielte dagegen allein heuer ein Plus von sieben Prozent, Champagner ein Plus von 13 Prozent. Frizzante ist von der Schaumweinsteuer nicht betroffen – und Champagner befindet sich in einer Preisklasse, in der ein Aufpreis von 90 Cent pro Flasche, wie er durch die Steuer entsteht, für die Kunden kaum noch eine Rolle spielt.

Und der Effekt der Steuer fürs Budget? „36 Millionen Euro pro Jahr hätte sie bringen sollen, rund 19 Millionen brutto waren es im Vorjahr tatsächlich“, sagt Kranebitter. Netto, nach Abzug aller Kosten und der wegfallenden Einnahmen – etwa durch das Minus an Mehrwertsteuer – bleibe dem Staat ein Fiskaleffekt von gerade einmal 2,5 Millionen Euro. Sein Fazit: „Wir werden weiterhin gegen diese wettbewerbsverzerrende Steuer kämpfen.“ Wir – damit meint er sein Unternehmen und das Österreichische Sektkomitee, in dem eine Reihe österreichischer Sektkellereien und Winzer vertreten sind.
Die gute Nachricht aus Sicht der heimischen Produzenten: Bei den Absatzrückgängen scheint die Talsohle erreicht zu sein. Nach dem Wert habe es – trotz der weiteren leichten Abnahme der abgesetzten Mengen – branchenweit heuer sogar einen Anstieg um 3,2 Prozent gegeben, sagte Kranebitter gestern, Dienstag, vor Journalisten.

14 Mio. Gläser zu Silvester

Die Schlumberger AG selbst erzielte heuer in den ersten drei Quartalen 112 Millionen Euro Umsatz und damit ein Plus von zwei Prozent. Vom Ergebnis her stehe man nach neun Monaten bei einer schwarzen Null, das sei in Ordnung, „weil in den ersten drei Quartalen die Ausgaben anfallen und erst im letzten Quartal der Ertrag“. Mit Abstand am meisten Sekt wird eben immer noch zu Weihnachten und Silvester getrunken, laut dem Schlumberger-Chef sind es allein zum Jahreswechsel zwei Millionen Flaschen oder 14 Millionen Gläser.
Das gute Quartalsergebnis war aber nicht der Hauptgrund, warum die Schlumberger AG Journalisten in die Sektkellerei in Wien Döbling lud. Und auch nicht der Ärger über die Steuer. Vor allem ging es um die Einstimmung aufs kommende Jubiläumsjahr: 2017 feiert die Sektkellerei ihr 175-jähriges Bestehen. Der Firmenchef kann auch das in Gläser Sekt umlegen – auf rund eine Milliarde laufe die Menge hinaus, die das Traditionshaus produziert habe, seit Unternehmensgründer Robert A. Schlumberger „die erste Flasche veredelt hat“. Nach der Champagnermethode, wie betont wird – Schlumberger erlernte sein Handwerk bei Dom Ruinart in Frankreich. Er nannte sein Produkt denn auch „Schlumberger Champagner“. Erst 1919, mit der Unterzeichnung des Friedensvertrags von Versailles, war damit Schluss, seither ist der Begriff „Champagner“ als Herkunftsbezeichnung geschützt.

Ziel: Noch mehr Export

Für das Jubiläumsjahr und die Zeit danach hat man bei Schlumberger viel vor: Vor allem soll ins Exportgeschäft investiert werden, die aktuelle Exportquote von 36 Prozent soll bis zum Jahr 2021 auf über 50 Prozent wachsen. Dafür will man auch personell aufstocken: Insgesamt soll die Zahl der Exportmitarbeiter verdreifacht werden, in Wien, aber auch in den Exportländern, wo Mitarbeiter direkt vor Ort den Markt bearbeiten sollen. Auch auf dem Inlandsmarkt will man weiter wachsen. Und, wie Kranebitter sagt, den schnelllebigen und häufig wechselnden Konsumgewohnheiten durch Innovationen gerecht werden – so habe man für aktuelle Trends, wie bio, vegan, alkoholfrei, bereits Entwicklungen in der Pipeline.

Die weniger gute Nachricht für Konsumenten: Ab Jänner werde es eine Preisanpassung geben, anders gesagt, Sekt aus dem Haus Schlumberger wird um sechs bis neun Prozent teurer. Begründet wird das mit den Wetterkapriolen des heurigen Jahres. Diese hätten zu Mengenverlusten bei der heimischen Traubenernte geführt. Und zu entsprechend höheren Preisen. Billigere Qualität einkaufen könne er aber nicht, sagt Kranebitter. „Das wäre kurzfristiges Denken.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.11.2016)

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