O2-​Chef übernimmt Lufthansas Billigtochter Eurowings

Thorsten Dirks, bislang Chef von Telefonica Deutschland (O2), wird zum 1. Mai 2017 neuer Konzernvorstand der Eurowings.

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APA/HERBERT PFARRHOFER

Die Lufthansa beruft den langjährigen Mobilfunk-Manager Thorsten Dirks zum Vorstand für die Billigfluglinie Eurowings. Der Chef der unter der Marke "o2" bekannten Telefonica Deutschland werde den Vorstandsposten im Mai von Karl Ulrich Garnadt übernehmen, teilte die größte deutsche Fluglinie am Mittwoch mit. Garnadt tritt aus Altersgründen ab. Der gebürtige Hamburger Dirks erhalte einen Vertrag über drei Jahre und solle neben Eurowings auch die digitalen Geschäfte der Lufthansa voranbringen. Zudem ist er für Töchter wie den Catering-Ableger LSG zuständig. Seinen Rückzug bei "o2" kündigte der 53-jährige erst vor zwei Wochen an. Damals nannte er seinen nächsten Arbeitgeber noch nicht.

Die Berufung eines Branchenfremden in die Konzernspitze ist ungewöhnlich für die Lufthansa. Das Traditionsunternehmen rekrutiert seine Führungskräfte am liebsten aus dem eigenen Haus. Der neue Finanzchef Ulrik Svensson ist da schon eine Ausnahme, da seine letzte Station in der Luftfahrt als Swiss-Finanzchef schon zehn Jahre zurückliegt.

Mit Dirks ist einem Unternehmens-Insider zufolge bewusst ein Manager ohne Lufthansa-Stallgeruch gewählt worden. "Der Konzern wollte jemanden, der sich durch den Ausbau von Eurowings nicht seine eigenen Wurzeln bei der Lufthansa abschneidet", sagte eine mit der Berufung vertraute Person zu Reuters. Deshalb werde der Neue auch mehr Verantwortung übernehmen und am Eurowings-Hauptsitz in Köln arbeiten. "Er soll der Lufthansa-Zentrale in Frankfurt auch widersprechen können."

Eurowings ist bei Gewerkschaften unbeliebt

Dirks übernimmt mit Eurowings eines der zentralen Zukunftsprojekte der Airline und einen der schwierigsten Jobs im Konzern. Für die Lufthansa hat der rasche Ausbau von Eurowings Priorität, um den Vormarsch von großen Low-Cost-Airlines wie Ryanair in Deutschland zu stoppen. Dazu soll die Neugründung 40 Prozent günstiger fliegen als die Lufthansa selbst. Allerdings ist die Flotte wegen einer alten Vereinbarung mit den Piloten auf 23 Flugzeuge begrenzt. Die Lufthansa stationiert deshalb verstärkt Eurowings-Jets im Ausland, wo die Crews weniger verdienen. Die Spartengewerkschaften von Piloten und Flugbegleitern treibt das auf die Barrikaden. Letztere bestreikten Eurowings bereits und der Konflikt ist immer noch ungelöst. Der Streit um die Airline ist einer der Gründe, warum sich der Ausstand der Flugzeugführer seit gut zweieinhalb Jahren hinzieht. Seine Fähigkeiten wird der ehemalige Mobilfunkmanager nun benötigen. "Dirks hat bewiesen, dass er wirtschaftlichen Erfolg mit eiserner Kostendisziplin erreicht", sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr.

Dirks prägte Mobilfunkbranche

Der studierte Elektrotechniker Dirks hat die deutsche Mobilfunkbranche in den vergangenen zehn Jahren geprägt wie wenige. Zum Start des Handy-Booms Mitte der 90er Jahre kam er zu E-Plus, nach vielen Stationen wurde er dort 2007 Chef. Er schaffte es, den Mobilfunkanbieter aus Düsseldorf trotz begrenzter finanzieller Mittel und löcherigem Netz zur Cash Cow für die Mutter KPN in den Niederlanden zu machen. Mit zahlreichen Discount- und Spezialmarken wie etwa Ay Yildiz für türkischsprachige Kunden in Deutschland besetzte E-Plus viele Marktnischen, die Rivalen wie die Telekom ignorierten. Zudem ist er in der Branche bekannt für seine direkten Worte. So erzählte er auf einem Telekom-Kongress verblüfften Managern einst, dass sie sich auf ihr Kerngeschäft - Telefonieren und Datentarife zu günstigen Preisen - konzentrieren sollten, anstatt ständig neuen Ideen hinterherzurennen. Im Herbst 2014 schluckte der Rivale o2 aus München, eine Tochter des spanischen Mobilfunkriesen Telefonica, E-Plus für 8,5 Milliarden Euro. Damit rückte Dirks an die o2-Spitze und leitete die Fusion der Unternehmen. Zuletzt gab es aber großen Ärger, da die o2-Hotlines nicht erreichbar waren.

(Reuters)

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