Privatkindergärten rutschen in die Insolvenz

Nach der Causa Alt-Wien gibt es nun wieder Probleme mit einem privaten Kindergarten Trägerverein in Wien. Der Verein betreibt sieben "Multika"-Standorte mit 242 Kindern.

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(c) AFP (JOHN MACDOUGALL)

Wie der AKV Europa am Donnerstag per Presseaussendung mitteilte, wurde über dass über das Vermögen der "MULTIKA. Multikultur–Linguistik–Integration-Kinderbetreuung-Ausbildung" ein Konkursverfahren eröffnet.

Dem Betreiber von sieben Privatkindergärten mit 242 Kindern wurde bereits Anfang Jänner vorgeworfen, zu wenig Gehalt bezahlt und zu wenig Personal beschäftigt zu haben. Hinweise auf konkreten Fördergeldmissbrauch wie bei Alt-Wien gebe es derzeit aber nicht.

Draufgekommen auf die Ungereimtheiten ist man im Zuge einer vertiefenden Prüfung der Vereinstätigkeit in den Jahren 2014 und 2015. Diese sei kürzlich abgeschlossen worden, die entsprechenden Ergebnisse seien am Montag dem Verein übermittelt worden. Dieser hat nun - so sieht es das in solchen Fällen übliche Prozedere vor - bis 23. Jänner Zeit, Stellung zu nehmen bzw. einen Plan vorzulegen, wie die Sache wieder in Ordnung gebracht wird.

"Wenn das nicht gemacht wird, sind Konsequenzen nicht ausgeschlossen", versicherte Eva Reznicek, stellvertretende MA 10-Leiterin, im APA-Gespräch. 

Der Träger war bereits insolvent. Das damalige Verfahren wurde mit der Annahme eines Sanierungsplanes beendet.

Zur Höhe des unberichtigt aushaftenden Gesamtobligos gibt es noch keine Informationen.

Von der Insolvenz sind folgende Standorte betroffen:

  • 1170 Wien, Hernalser Hauptstraße 112
  • 1170 Wien, Kalvarienberggasse 23
  • 1030 Wien, Kelsenstraße 7
  • 1170 Wien, Kastnergasse 19
  • 1170 Wien, Klopstockgasse 39
  • 1210 Wien, Donaufeldstraße 101
  • 1230 Wien, Ketzergasse 105

Stadt Wien hat Förderungen gestoppt

Die Stadt Wien hat die Förderzahlungen für die "Multika"-Kindergärten mit Beginn des Konkursverfahrens gestoppt. "Wir haben die Förderungen jetzt eingestellt", sagte die stellvertretende Leiterin der zuständigen MA 10, Eva Reznicek, am Donnerstag im APA-Gespräch. Vereinsobfrau Alissa Baumgartner-Capatu bekräftige indes gegenüber der APA, dass alle Standorte vorerst weiter betrieben werden.

Reznicek wies darauf hin, dass nun der Masseverwalter die Leitung des Trägers übernommen habe. Es werde sich erst in den nächsten Wochen im Detail herausstellen, wie die Vermögenswerte des Vereins aussehen und wie es mit den sieben Standorten weitergehen kann. Die Vizechefin der MA 10 adressierte an verunsicherte Eltern, die eventuell ihre Kinder ummelden wollen, dass man gerne Hilfestellung biete. Generelle Infos gibt es telefonisch unter 01/2775555, im Falle einer konkreten Platzsuche werde man dann an die entsprechenden Servicestellen weiterverwiesen.

Reznicek vergaß nicht zu betonen, dass die Stadt mit rund 500 Kindergarten-Trägerorganisationen zusammenarbeite - und zwar mit dem überwiegenden Großteil sehr gut. Es könne halt nie ausgeschlossen werden, dass einzelne Organisationen sich als nicht so verlässlich und gut herausstellten.

Die "Multika"-Vereinsleitung versicherte gleichzeitig, dass man alles tue, um die Kindergärten fortzuführen. "Eine Sanierung wird angestrebt", so Baumgartner-Capatu. Der Grund für die abermaligen finanziellen Probleme sei, dass man im Herbst zu wenig Kinder gehabt habe. Die Obfrau sprach von einem Rückgang um rund 15 Prozent. Das bedeute auch weniger Fördergelder, da diese pro Kind ausbezahlt werden.

Erst im Dezember sei die Auslastung wieder gestiegen. "Ich hoffe, dass die Eltern uns treu bleiben werden", appellierte sie in Richtung der Väter und Mütter. Der Verein "Multika" ist seit 2009 in Wien aktiv.

 

(akh/APA)

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