C&A stemmt sich mit neuem Filialkonzept gegen Abwärtstrend

Der Modehändler will sich mit einem neuen Design und dem Fokus auf Biobaumwolle von seiner Billigkonkurrenz abheben. Der Umsatzrückgang hielt 2016 an.

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Die neue C&A-Filiale – C&A

Es ist kein Geheimnis: Österreichs Modehandel ging es schon einmal besser. Im Vorjahr schrumpfte der Textilhandel erneut um 1,6 Prozent – mehr als jede andere Einzelhandelsbranche. "Wir sind weniger geschrumpft", sagt Norbert Scheele, der das C&A-Geschäft in Zentral- und Osteuropa leitet. Das klingt aus seinem Mund wie ein kleiner Sieg. Österreichs zweitgrößter Modehändler nach H&M machte 2016 einen Umsatz von 410 Mio. Euro - nach 414 und 417 Mio. Euro in den Jahren zuvor. Der Jahresgewinn erhöhte sich etwas von 6,4 auf 6,6 Mio. Euro. Der 175 Jahre alte Konzern aus Holland spürt den Markteintritt von Ketten wie Primark, die in seinem Preissegment mitfischen und die Konkurrenz von Onlinegrößen wie dem deutschen Zalando. 15 Prozent der Modeumsätze, schätzt Scheele, würden heute schon im Netz gemacht, aber nur ein schwer messbarer Bruchteil bleibe in Österreich.

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Die neue Filiale von Innen
Die neue Filiale von Innen – C&A
Eine Befragung unter 20.000 Kunden beruhige ihn jedoch. "Wir haben gemerkt, dass sie noch Beratung haben wollen. Daher setzen wir in der Zukunft auf beide Kanäle", so Scheele. Wenn man das Einkaufserlebnis richtig gestalte, auf Nachhaltigkeit und Komfort setze und den 2011 gestarteten Onlineshop professionell mit den 134 österreichischen Läden verschränke, gebe es eine Zukunft. 2,7 Mio. Euro ließ sich C&A die Umsetzung dieser Zukunftsvision in Wien kosten. Am Donnerstag eröffnet auf der Meidlinger Hauptstraße die erste Filiale, die komplett nach dem neuen Konzept ausgerichtet wurde – mit extragroßen Kabinen, breiten Gängen und kundenfreundlichen Details wie Handyladestationen. Mehr als zehn Millionen sollen für fünf weitere Standorte in Österreich noch 2017 in die Hand genommen werden.

Verlagerungen statt Schließungen

Bis wann das Konzept auf ganz Österreich ausgerollt werden soll, will Scheele nicht sagen. Aber der Trend ist klar: C&A setzt deutlich auf Wachstum und Investitionen in einem schrumpfenden Markt. Zum Vergleich: Im Geschäftsjahr 2015/16 gab man insgesamt 4,8 Mio. Euro für Modernisierungen und Umbauten aus. In Deutschland und Belgien, wo der Textilkonzern sein neues Konzept früher gestartet hatte, habe er zweistellige Umsatzzuwächse verzeichnet. Ähnliches erhofft sich Scheele nun auch in Österreich. Wachstum bedeute aber nicht gezwungenermaßen auch Expansion. C&A sei mit den 134 Läden und einem Marktanteil von 8,5 Prozent in Österreich gut vertreten. Von Rückzügen wie jüngst am Villacher Hauptplatz will Scheele nichts wissen. Er spricht lieber von "Relocation", also einer Verlagerung der Filialen. Die Kunden würden mittlerweile nicht nur im Internet oder am Handy, sondern auch an anderen Plätzen shoppen. Da gehe C&A mit der Zeit.

"Müssen glaubhaft bleiben"

Womit sich der Textilhändler sonst von Konkurrenten wie Primark abgrenzen will, wird in der neuen Meidlinger Filiale schnell deutlich. "Wir sind der weltweit größte Anbieter von Biobaumwolle", steht in großen Buchstaben über der Rolltreppe. Auf den Flatscreen-Fernsehern laufen Filme von glücklichen Baumwollpflückern. Die Hauptproduktionsländer von C&A sind Bangladesch, China und Indien. Hinweise darauf findet man auf den Etiketten nicht. Dafür habe man alle Produktionsstätten seit dem Vorjahr auf der Homepage aufgelistet und gebe jederzeit auf Nachfrage Auskunft, sagt ein Firmensprecher. "Wir haben nichts hinter dem Berg zu halten." Lieber betont man bei C&A, dass 40 Prozent aller Baumwollprodukte aus biologischem Anbau kommen und der Konzern seit 2012 der größte Anbieter von Biobaumwolltextilien weltweit ist. Diese Kleidungsstücke kosteten in der Produktion fünf bis zehn Prozent mehr, würden aber zum gleich Preis verkauft. Hier müsse man "glaubhaft bleiben", sagt Scheele. Mit einem Seitenblick auf seine Konkurrenten im In- und Ausland fügt er hinzu: "Zu viel nach links und rechts zu schauen, kann auch gefährlich sein."

Zum Unternehmen

C&A hat in Österreich 134 Filialen und beschäftigt 2.116 Mitarbeiter. Die erste C&A-Filiale eröffnete 1983 in Wels. In ganz Europa betreibt der Textilkonzern 1500 Filialen, außerdem gibt es ihn in Brasilien, Mexiko und China. In das neue Filialkonzept, das die Läden mehr nach den Geschmack von 20.000 befragten Kunden ausrichten soll, werden in Österreich heuer mehr als zehn Mio. Euro investiert.

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