Rewe will Amazon bei Lebensmitteln die Stirn bieten

Rewe-Chef Alain Caparros
Rewe-Chef Alain CaparrosAFP (OLIVER BERG)
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Rewe-Chef Alain Caparros verabschiedet sich mit Höchstmarken bei Umsatz und Gewinn von dem Kölner Einzelhandels- und Touristikriesen.

Rewe will sich von einem Einstieg des Online-Riesen Amazon in den Lebensmittelhandel nicht Angst machen lassen. Die Kölner lägen im deutschen Online-Handel mit frischen Lebensmitteln vorn, sagte der scheidende Rewe-Chef Alain Caparros am Dienstag in Köln. Es werde auch für Amazon schwer sein, in dem Segment Geld zu verdienen. Rewe sei gut aufgestellt: "Wir haben einen Vorteil durch unsere Märkte."

Zudem habe Rewe im vergangenen Jahr im Online-Geschäft den Umsatz um 60 Prozent gesteigert und arbeite an der Verschränkung von Geschäften und Internet-Shop. Caparros sieht Rewe für die Zukunft gut gerüstet und verabschiedet sich mit Höchstmarken bei Umsatz und Gewinn von dem Einzelhandels- und Touristikkonzern.

Rewe schreibe im Zukunftsgeschäft Online bei den Lebensmitteln Verluste, räumte der für das Geschäft verantwortliche Vorstand Jan Kunath ein. Der Umsatz steige aber schneller als die Verluste. Auch sei der Handel über das Internet Teil des Gesamtgeschäfts: "Uns fragt auch keiner, ob eine Wurst- und Fleischtheke separat Verluste schreibt."

Insidern zufolge bereitet Amazon bei frischen Lebensmitteln den Sprung auf den deutschen Markt vor. Die Deutsche Post solle für den US-Riesen ausliefern, hatten mit dem Vorgang vertraute Personen gesagt. Amazon habe dazu eine exklusive Kooperation für seinen Lebensmittel-Dienst "Amazon Fresh" mit der Post-Tochter DHL geschlossen. Zunächst sei ein Testlauf in Berlin geplant. "Wir werden uns entsprechend aufstellen und uns in Berlin nicht das Wasser abgraben lassen", sagte Rewe-Manager Kunath.

Über einen Vorstoß Amazons in den hart umkämpften deutschen Lebensmittelhandel wird in der Branche bereits seit Jahren spekuliert. Zahlreiche Konzerne haben sich in Stellung gebracht. Der Umsatz Rewes in dem Geschäft lag in Deutschland Caparros zufolge zuletzt bei mehr als 100 Millionen Euro. Rewe beschäftigt im Digital-Geschäft insgesamt rund 2.300 Mitarbeiter. Der Online-Umsatz mit Lebensmitteln soll nach Prognosen des Marktforschers GfK von 1,1 Milliarden Euro im Jahr 2014 auf jährlich mehr als sieben Milliarden Euro im Jahr 2025 wachsen.

"Mein Job ist beendet"

"Rewe ist sehr gut aufgestellt und ich glaube, dass wir eine sehr gute Zukunft haben", bilanzierte Caparros: "Mein Job ist beendet." Der Umsatz klettere im vergangenen Jahr um fünf Prozent auf 45,6 Milliarden Euro, der Konzerngewinn stieg um über 20 Prozent auf 463 Millionen Euro. Rechnet man die Erlöse der selbstständigen Rewe-Einzelhändler hinzu, summierte sich der Umsatz sogar auf 54,14 (Vorjahr: 51,59) Milliarden Euro.

Caparros will Rewe zum 30. Juni 2017 verlassen. Sein Nachfolger heißt Lionel Souque. Damit sei Rewe in "guten Händen". "Es ist höchste Zeit, dass ich das Parkett räume", fügte Caparros hinzu. In die Geschäfte der Kölner will er sich nach seinem Abschied nicht mehr einmischen: "Ich hasse diese alten CEOs, die immer beraten."

Zum weit verzweigten Rewe-Reich gehören neben den gleichnamigen Supermärkten auch der Discounter Penny, der Händler Billa, die Toom-Baumärkte und die DER Touristik. Ins Geschäftsjahr 2017 sei Rewe gut gestartet, betonte Caparros.

In Österreich ist Rewe mit Billa, Merkur, Penny, Adeg und Bipa sowie mit der Rewe Austria Touristik (u. a. mit den Reiseveranstaltermarken ITS Billa Reisen, Jahn Reisen) vertreten.

(Reuters)

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