Von Billa bis Runtastic: Diese österreichischen Firmen wurden zu Geld gemacht

Der Dienstag startete mit einem Paukenschlag für Österreichs Industrie: Der 1979 von Erwin Bernecker und Josef Rainer in der oberösterreichischen Marktgemeinde Eggelsberg gegründete Automationsspezialist B&R wurde vom deutschen Konzern ABB übernommen. Kolportierter Kaufpreis: zwei Milliarden Dollar.

Es ist nicht das einzige österreichische Unternehmen, das den Gründern viel Geld eingebracht hat. "Die Presse" stellt einige Unternehmen vor.

REUTERS

Automic

Auf wenig Medieninteresse ist heuer eine weitere große Übernahme gestoßen, jene der Automic Holding mit Hauptsitz in Wien. Das Software-Unternehmen wurde für 600 Millionen Euro an CA Technologies verkauft. Gegründet wurde Automic (früher UC4 Software) 1985 von Franz Beranek als Ein-Personen-Unternehmen in der 1500-Einwohner-Gemeinde Wolfsgraben. Der Anbieter von Lösungen zur Prozessoptimierung hat mittlerweile bereits mehrere Eigentümerwechsel hinter sich und betreut Kunden weltweit.

Automic

Billa

Auch Billa war einmal ein "Start-up": 1961 hat der Unternehmer Karl Wlaschek den "Billigen Laden" aus der Taufe gehoben. Das Konzept ging voll auf und wuchs zum BML-Konzern heran (Billa, Merkur, Litega). Er wurde im Jahr 1996 von der deutschen Rewe-Gruppe gekauft - um 1,1 Milliarden Euro. Heute hat Billa mehr als tausend Filialen in ganz Österreich. Gründer Wlaschek ist 2015 im Alter von 97 Jahren in Graz gestorben. Der ehemalige Barpianist hinterließ zwei Kinder, war fünf Mal verheiratet - und steinreich. "Beim G’schäft bin i guat, bei de Weiber bin i a Depp", sagte er einmal.

Imago

FACC

Nach einem Betrugsskandal nicht mehr ganz so gut angesehen ist der Flugzeugzulieferer FACC. 2009 war das noch anders: Hannes Androsch, der damals gemeinsam mit der Raiffeisenbank und Walter Stephan die Firma besaß, verkündete damals stolz den Verkauf: 91,26 Prozent der Anteile an der 1600-Mitarbeiter-Firma gingen an das chinesische Unternehmen XAC. Der Deal war auch deshalb besonders, weil es sich zum damaligen Zeitpunkt um den größte Kauf eines chinesischen Unternehmens in Mitteleuropa handelte. Über den genauen Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

APA/HANS KLAUS TECHT

Kika/Leiner

600 Millionen Euro zahlte der südafrikanische Konzern Steinhoff im Jahr 2013 für das österreichische Unternehmen Kika/Leiner. Nach über 100 Jahren im Familienbesitz hat die Eigentümerfamilie Koch beschlossen, dass der richtige Zeitpunkt für den Verkauf gekommen ist. Nach Außen hin wurde alles beim Alten gelassen.

APA/HELMUT FOHRINGER

Runtastic

Die Smartphone-App Runtastic kennt wohl fast jeder Hobbyläufer: Entwickelt wurde sie 2009 von einem Start-up aus Pasching bei Linz, schnell meldeten sich die ersten Interessenten. Zuerst gingen 50,1 Prozent der Anteile an den deutschen Springer-Verlag (um kolportierte 22 Millionen Euro), 2015 hat schließlich der Sportartikelhersteller Adidas um 220 Millionen alles aufgekauft. Die vier Gründer Christian Kaar, Florian Gschwandtner, Rene Giretzlehner und Alfred Luger (im Bild) leiten nach wie vor die Geschicke ihres Unternehmens.

Runtastic

Shpock

Auch dieses Start-up wurde ein voller Erfolg: die Flohmarkt-App Shpock und wurde mittlerweile mehr als mehr als 30 Millionen Mal heruntergeladen. Entwickelt wurde sie 2012 von Katharina Klausberger und Armin Strbac gleich nach ihrem Uni-Abschluss an der TU Wien. Mittlerweile gehören mehr als 90 Prozent der Anteile dem norwegischen Medienkonzern Schibsted.

Die Presse (Clemens Fabry)

Blue Tomato

Der damalige Snowboardprofi Gerfried Schuller gründete 1988 die Snowboardschule Blue Tomato und eröffnete 1994 seinen ersten Shop in Schladming. Das Erfolgskonzept: Schon sehr früh setzte der Sporthändler auf den Online-Verkauf. Das fand auch der US-Sportartikelhändler Zumiez interessant - 2012 schlug er zu und kaufte Blue Tomato um 82 Millionen Euro. Seitdem wird weiter expandiert

Blue Tomato

GGK

Vielen dürfte Hans Schmid als wenig erfolgreicher Käufer des ehemaligen SPÖ-Mediums "Arbeiterzeitung" bekannt sein, mit der er mehrere Millionen Euro verlor. Doch er war auch äußerst erfolgreicher Werber 1972 gründete er seine eigene Werbeagentur, die er mit der international erfolgreichen Agentur GGK fusionierte und schließlich im 2000 um kolportierte 40 Millionen Euro verkaufte. Heute ist er Präsident der Eishockeymannschaft Vienna Capitals und Besitzer zahlreicher wertvoller Weingärten in Wien.

Die Presse (Clemens Fabry)

Roman Scharf und Daniel Mattes

Erinnert sich noch jemand an JaJah? Der Dienst für webbasierte Telefonie wurde 2005 von den beiden den Österreichern Roman Scharf und Daniel Mattes entwickelt. Zwei Jahre später hatte es bereits drei Millionen Kunden weltweit. 2009 hat das spanische Telekommunikationsunternehmen Telefónica Jajah für 145 Millionen Euro übernommen, 2014 wurde der Skype-Konkurrent eingestellt.

JaJah

Fastlane

Schon mit 16 Jahren entwickelte der Niederösterreicher Felix Krause den Fahrradroutendienst Bikemap, wenige Jahre später folgte "Fastlane", das eine schnelle Veröffentlichung von iPhone-Apps möglich macht. Twitter kaufte 2015 zu einer nicht genannten Summe das Start-up des mittlerweile 22-jährigen und stellte ihn gleich mit an. In San Francisco arbeitet er nun weiter an seinem Projekt.

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