Westbahn fährt in Richtung Gewinn

Westbahn-Eigner Haselsteiner erwartet, 2019 um neue Bahnstrecken gegen die ÖBB mitbieten zu dürfen. Mit neuen Zügen fährt die Westbahn künftig auch zum Hauptbahnhof Wien.

Im Vorjahr fuhren fünf Millionen Passagiere mit der Westbahn. 2020 sollen es doppelt so viele sein.
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Im Vorjahr fuhren fünf Millionen Passagiere mit der Westbahn. 2020 sollen es doppelt so viele sein.
Im Vorjahr fuhren fünf Millionen Passagiere mit der Westbahn. 2020 sollen es doppelt so viele sein. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wien/St. Pölten. Für Hans Peter Haselsteiner ist die Sache klar: Seine Westbahn wird künftig nicht nur zwischen Wien und Salzburg unterwegs sein. „Wir fahren gern in den Süden, und wir fahren gern noch weiter in den Westen“, sagte der Haupteigner des privaten ÖBB-Konkurrenten. Einziger Haken: Die Entscheidung, ob das etwas wird, trifft nicht er, sondern das SP-geführte Verkehrsministerium, das den Betrieb der Strecken im Zehnjahresrhythmus vergibt. Bisher gingen die Milliardenaufträge allesamt ohne Ausschreibung an die ÖBB.

„2019 (wenn die nächsten Vergaben anstehen, Anm.) wird das anders sein“, ist Haselsteiner überzeugt. „Auch ein roter Bundeskanzler kann es sich politisch nicht mehr leisten, diesen teuren Weg zu gehen.“ Die Realität sieht derzeit noch anders aus. Zwar fordert die EU die Liberalisierung des Personenverkehrs ab 2023. Bis dahin können die Staaten aber im Alleingang entscheiden. Und wie „Die Presse“ am Freitag exklusiv berichtete, setzt die Partei des früheren ÖBB-Chefs Christian Kern alles daran, der Staatsbahn noch eine letzte Direktvergabe zu sichern und ihr Monopol so um mindestens sechs Jahre auszudehnen. Während die Bahngewerkschaft Beifall klatscht, blockiert die Volkspartei das neue Vergabegesetz, solange darin nicht mehr Wettbewerb für die Bahn verankert ist. Auch die Neos kündigten an, den „Klientelismus der SPÖ“ nach Kräften verhindern zu wollen.

 

Noch 180 Mio. Euro Schulden

Die Westbahn stehe in jedem Fall bereit und werde in Zukunft wohl „bei allen Ausschreibungen in Österreich mitbieten“, versicherten die beiden Eigentümer. Was das – neben geringeren Zuschüssen – für die Österreicher bringen könnte, ist seit fünfeinhalb Jahren auf der Strecke Wien – Salzburg zu beobachten. Seit 2012 macht die Westbahn den staatlichen ÖBB hier gehörig Konkurrenz. Im Vorjahr erreichte das Unternehmen mit fünf Millionen Kunden 23 Prozent Marktanteil. Die Ticketpreise sanken auf dieser Strecke dank der neuen Konkurrenz auch bei den ÖBB.

Diesen Erfolg haben sich Haselsteiner (49,89 Prozent) und Mitinvestor Erhard Grossnigg (32,7 Prozent) einiges kosten lassen. Bisher haben die Investoren rund 300 Millionen Euro in das Unternehmen gesteckt, 180 Millionen Euro an Schulden sind noch vorhanden. Den Eigentümern wurde „zu Beginn eine hohe Leidensfähigkeit abverlangt“, bestätigte auch Westbahn-Chef Erich Forster. Mittlerweile aber stimme der Kurs. Das Ergebnis vor Steuern und Abschreibungen (Ebitda) drehte von minus elf (2012) auf knapp plus elf Millionen Euro (2016). Im vergangenen Jahr sei sich sogar erstmals ein Plus beim Gewinn vor Steuern (EGT) ausgegangen. Um jedoch die Abschreibungen regelmäßig zurückverdienen zu können, wäre in Zukunft ein Ebitda von 14 bis 15 Mio. Euro notwendig.

 

Traum: alle 15 Minuten ein Zug

In den kommenden Jahren dürfte dieses Ziel etwas schwieriger zu erreichen sein. Denn die Westbahn investiert noch einmal 130 Millionen Euro in zehn neue Züge (Kiss 2) vom Schweizer Hersteller Stadler. „Das reißt uns natürlich eine Delle ins Ergebnis“, so Grossnigg. Dafür soll der Umsatz steigen. Mit den neuen Zügen will die Westbahn ab Dezember doppelt so oft von Wien nach Salzburg fahren wie bisher. Im Halbstundentakt werden dann Westbahn-Züge erstmals abwechselnd vom Westbahnhof und auch vom Hauptbahnhof in Richtung Westen starten. Das Unternehmen hofft, die Passagierzahl so bis 2020 auf zehn Millionen im Jahr verdoppeln zu können.

Sein „Traum“ sei es, dass in Wien alle 15 Minuten ein Zug in den Westen abfahre, so Haselsteiner. Gemeinsam mit den ÖBB könnte er das heute schon anbieten. Der Staatsbetrieb habe aber freilich wenig Interesse, sein Geschäft freiwillig mit der Konkurrenz zu teilen, meint Haselsteiner: „Auch das wird also nur gehen, wenn es die Regierung fordert.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.05.2017)

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