EasyJet hat rot-weiß-rote Lizenz zum Fliegen

Die britische Billig-Airline erhält für ein Drittel des Geschäfts die beantragte Fluglizenz in Österreich und kann so auch nach dem Brexit Flüge in Europa anbieten.

ERSTES EASYJET EUROPE FLUGZEUG UNTER OE-HOHEITSZEICHEN IN WIEN-SCHWECHAT GELANDET: MCCALL/LEICHTFRIED/SOMMERBAUER
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ERSTES EASYJET EUROPE FLUGZEUG UNTER OE-HOHEITSZEICHEN IN WIEN-SCHWECHAT GELANDET: MCCALL/LEICHTFRIED/SOMMERBAUER
ERSTES EASYJET EUROPE FLUGZEUG UNTER OE-HOHEITSZEICHEN IN WIEN-SCHWECHAT GELANDET: MCCALL/LEICHTFRIED/SOMMERBAUER – (c) APA/ROBERT JAEGER (ROBERT JAEGER)

Das ließ sich Carolyn McCall nicht nehmen: Kurz nachdem EasyJet am Donnerstagfrüh die nach den überraschend hohen Halbjahresverlusten sehr gute Zahlen für das dritte Quartal bekanntgegeben hatte, kam die Chefin von Europas zweitgrößter Billig-Airline auf den Wiener Flughafen zu einem besonderen Event: EasyJet erhielt die Lizenz zum Fliegen – und zwar von Österreich aus, also dem europäischen Festland. Damit kann EasyJet die negativen Folgen des Brexit, nämlich die Flugrechte in Europa zu verlieren, ausbremsen.

Der erste Jet mit österreichischen Hoheitskennzeichen (OE-IVA) landete um 10.26 Uhr und wurde - wie in der Luftfahrt bei Premieren üblich - mit Wasserfontänen der Flughafenfeuerwehr begrüßt.   

Möglich macht es das von der Airline vor kurzem bei der Austro Control und dem Verkehrsministerium beantragte Luftverkehrsbetreiberzeugnis (AOC, Air Operator Certificate). Die Behörden arbeiteten außergewöhnlich schnell, um den Brexit-Flüchtling nach Österreich zu locken, wobei sich, wie die „Presse“ berichtete, Bundeskanzler Christian Kern, Finanzminister Hans Jörg Schelling und Infrastrukturminister Jörg Leichtfried besonders ins Zeug gelegt haben sollen. Für die rasche Genehmigung sorgte Austro-Control-Boss Heinz Sommerbauer – jetzt liegt der positive Bescheid vor.

"Das ist ein wichtiger Tag für uns und ein Meilenstein", sagte McCall. "Wir haben viele Staaten geprüft und uns für Österreich entschieden, weil die Austro Control für höchste Sicherheitsstandards bürgt und Erfahrung mit großen Airlines hat. die sind ein professioneller Partner."  Zudem hob McCall die Unterstützung der Regierung hervor. "Wir haben nicht mit Steuerdumping, sondern mit Qualität gepunktet", betonte Minister Leichtfried. Auch die politische Stabilität Österreichs habe im Wettbewerb eine Rolle gespielt.    

110 Flugzeuge und 4000 Mitarbeiter

Mit dem AOC kann Easyjet nun eine „EasyJet Europe“ gründen. Unter das Dach der neuen Gesellschaft, die ihr Headquarter in Wien hat, kommt gut ein Drittel des Geschäfts mit 4000 Beschäftigten und 110 Flugzeugen, die künftig unter österreichischen Hoheitszeichen fliegen. Für McCall ist das ein erfolgreicher Abschluss ihrer siebenjährigen Karriere als EasyJet-Chefin: Sie führt ab Jänner 2018 den Privatsender ITV.

Derzeit kann jede EU-Airline in jedes Mitgliedsland fliegen und auch beliebig Inlandsverbindungen anbieten. Basis ist das Regelwerk European Common Aviation Area (ECAA), jeder der 28 EU-Staaten ist Mitglied. Diese Möglichkeit drohte EasyJet nach dem Brexit zu verlieren – und damit einen Gutteil des Geschäfts. Denn rund die Hälfte der 78 Millionen Passagiere kommen aus den EU-Staaten. Neben dem Hauptsitz in Großbritannien (mit 140 Fliegern und 6000 Mitarbeitern) hat die Airline deshalb auch schon ein Standbein in der Schweiz. Dort fliegen 25 Flugzeuge mit 950 Mitarbeitern unter dem Schweizer AOC.

Darüber hinaus muss eine europäische Fluglinie auch mehrheitlich europäische Eigentümer haben. Das sieht EasyJet auch künftig als kein Problem: Denn schon jetzt halten Aktionäre aus den EU-27 Mitgliedsstaaten nahezu die Hälfte der Aktien. Großaktionär mit rund einem Drittel ist Stelios Haji-Ioannou und seine Familie. Der Sohn einer griechisch-zypriotischen Reederdynastie, der in London Wirtschaft studierte, gründete 1995 die Fluglinie – und lieh sich dafür von seiner Familie fünf Mio. Pfund. EasyJet war die erste Billig-Airline Großbritanniens und ist inzwischen die Nummer zwei in Europa nach der irischen Ryanair.

Konkurrenz für die AUA

Die 110 Flugzeuge übersiedeln zwar nicht nach Wien, sondern bleiben an ihren bisherigen Standorten in Europa. Dennoch droht der AUA durch den neuen „Staatsbürger“ mehr Konkurrenz. Denn Easyjet wächst sehr rasch – was wiederum den Flughafen Wien freut. Dort geht man davon aus, dass die Briten, die im ersten Halbjahr von Wien, Innsbruck, Klagenfurt und Salzburg eine Million Passagiere befördert haben, künftig ihr Angebot in Österreich ausweiten werden. McCall schloss nicht aus, künftig auch Maschinen in Wien zu stationieren. Das hänge von der Passsagierentwicklung ab. Ebenso würden laufend neue Strecken geprüft.

"Darüber hinaus werden wir uns, wie alle anderen europäischen Airlines, weiterhin für ein Flugabkommen zwischen Großbritannien und der EU einsetzen, das es uns zumindest ermöglicht, zwischen der EU und Großbritannien zu fliegen", sagte McCall.

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