Chefwechsel bei Rewe: „Es wird keine Revolution geben“

Marcel Haraszti kam zur Bipa-Rettung zurück nach Österreich. Als Chef verspricht er Kontinuität statt Umsturz.

Haraszti sprach beim Forum Alpbach über ein Thema, das ihn selbst betrifft: Nachfolgefragen.
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Haraszti sprach beim Forum Alpbach über ein Thema, das ihn selbst betrifft: Nachfolgefragen.
Haraszti sprach beim Forum Alpbach über ein Thema, das ihn selbst betrifft: Nachfolgefragen. – (c) Katharina Fröschl-Roßboth

Alpbach. Für die offizielle Thronfolgereinführung kann ein Unternehmen kaum eine öffentlichkeitswirksamere Plattform in Österreich wählen als das jährliche Forum Alpbach. Noch dazu, wenn ein ganzes Podium der eigenen Unternehmensnachfolge gewidmet ist.

Marcel Haraszti absolviert zurzeit an der Seite von Frank Hensel den gesellschaftlichen Parcours in der Höhenluft. Der wird sich im April als österreichischer Rewe-Chef zurückziehen. Das operative Geschäft hat er seinem Nachfolger bereits vor zwei Monaten übertragen. Billa, Bipa, Merkur und Adeg mitsamt ihren rund 70.000 Mitarbeitern hören auf Harasztis Kommando. Die lange Übergangsfrist für die restlichen Agenden ist ihm recht. „Man muss als Neuer lernen zuzuhören, weil man sich am Anfang schnell eine Meinung bildet, aber erst später die Zusammenhänge versteht“, sagt Haraszti. Diese Einsicht habe ihm während seines fast 15-jährigen „Nomadentums“ in den Chefetagen mehrerer osteuropäischer Rewe-Töchter geholfen.

Das klingt besonnen, vorsichtig. So wie der Wiener mit ungarischen Wurzeln schon seine bisherigen Auftritte anlegte, seit er im Oktober für die Schadensbegrenzung bei der strauchelnden Drogeriekette Bipa zurück nach Österreich kam. Er habe dort die „Leitblanken“ für die Neuorientierung gelegt. Dank Sortiments- und Konzeptwechsel liege der Umsatz mittlerweile wieder im Plan. Ab April könnte Haraszti dem gesamten Konzern mit zurzeit 16 Mrd. Euro Umsatz seine Prägung verleihen. Dann hat er auch die strategische Ausrichtung mitsamt dem von Hensel in den vergangenen zehn Jahren forcierten Onlinegeschäft sowie die Firmenkommunikation in der Hand. Was wird anders? „Gar nichts, das ist das Schöne, wenn man ein erfolgreiches Unternehmen übernimmt. Es wird keine Revolution geben, sondern eine Evolution.“

Kein Mann der Spekulationen

Es ist also unwahrscheinlich, dass die große Zeitenwende bevorsteht. Harasztis Aussagen decken sich mit denen seines Noch-Chefs: Innovation und der Mut zu Fehlern seien im schnelllebigen Lebensmittelhandel gefordert. „Besser, als man versäumt etwas.“ Eine Kooperation mit Online-Riesen wie Amazon lehnt er wie Hensel ab. Auf Spekulationen über die Sinnhaftigkeit von Partnerschaften mit Amazon und anderen Internetfirmen – wie sie jüngst in Amerika zu beobachten waren – lässt er sich nicht ein. „Das ist der amerikanische Markt. Ich konzentriere mich auf den österreichischen.“ Das Interesse eines Amazon am traditionellen Handel nennt er, vorsichtig formuliert, „interessant“.

Haraszti stammt aus einer Händlerfamilie. Nach dem Studium begann er als Trainee im Rewe-Konzern. Er habe immer in den Handel gehen wollen, wo sich etwas bewegt, wo die Menschen und der Umsatz sind. Das Image der Branche habe sich in den 15 Jahren, die er im Ausland war, zum Positiven verändert, sagt er. Dennoch hat Rewe Mühe, jährlich 700 Lehrstellen in Österreich zu besetzen. Da gehöre noch einiges an Überzeugungsarbeit geleistet. Die neuen Strukturen, die aktuell von der Vorstandsebene in Köln bis in die kleinste Filiale in Österreich implementiert werden, sollen helfen. Am Ende heißt das für den jungen Filialleiter mit vier bis fünf Mio. Umsatz laut Haraszti, dass er wie ein selbstständiger Unternehmer handeln muss. Zurzeit liefen Tests, wie viel Selbstständigkeit man dem Einzelnen bei Fragen des regionalen Sortiments oder der Mitarbeiter zumuten kann.

Auch Haraszti selbst betrifft die von oben angeordnete Verschlankung des Konzerns. Anlässlich der Abschiede von Hensel in Wiener Neudorf und Alain Caparros in Köln wird den Österreichern der Posten des Vorstandsvorsitzenden gestrichen. Auch wenn er sich ab April nicht so nennen darf, fühlt sich Haraszti durch die Änderung nicht in seiner Macht beschnitten, betont er. Die Hierarchie sei flacher geworden, da er direkt nach Köln berichte, ansonsten bliebe alles beim Alten. Es sei „eher ein Vertrauensbeweis“, dass man das gesamte vier Mrd. Euro schwere Diskontergeschäft mit der Marke Penny kürzlich seiner Zentrale in Wiener Neudorf überantwortet habe.

Noch halte er sich generell zurück. Wenn die Chefetage kommende Woche zurück in Wien einen Rückblick auf das laufende Geschäftsjahr geben wird, leitet Frank Hensel die Präsentation. Die Betonung ist Haraszti wichtig. Er wird an seiner Seite sitzen – und zuhören.

Zur Person

Marcel Haraszti übernimmt kommenden April den Chefposten beim Handelsriesen Rewe Österreich (Billa, Bipa, Merkur, Adeg) von Frank Hensel. 2016 beendete er sein „Nomadentum“ in mehreren europäischen Rewe-Töchtern, um die strauchelnde Drogeriekette Bipa neu aufzustellen. Zurzeit teilt er sich die Führung noch mit Hensel. Beide waren am Mittwoch in Alpbach, wo sie die Vorteile der langsamen Übergabe in einem Konzern mit 16 Mrd. Euro Umsatz betonten. Haraszti schwört auf Evolution statt Revolution, an der Ausrichtung der Kette dürfte sich nach April wenig ändern.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.08.2017)

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