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Kopf-an-Kopf-Rennen um Air Berlin

Mit Niki Lauda und Thomas Cook/Condor erwächst der Lufthansa ein ernst zu nehmender Rivale im Rennen um die insolvente Airline und deren Tochter Niki.

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(c) APA/AFP/JOE KLAMAR

Berlin/Wien. Als Niki Lauda wissen ließ, dass er an einem Kauf – genau genommen Rückkauf – der Österreich-Tochter der insolventen Air Berlin interessiert sei, hieß es, der Ex-Formel-1-Weltmeister und Flugunternehmer wisse, wie man die Publicity-Maschine am Laufen hält. Jetzt, einen Tag bevor die Frist für verbindliche Angebote endet, ist alles ernst. So sehr, dass es nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Lauda, der mit dem Reiseriesen Thomas Cook und dessen Ferienflieger Condor antritt, und der Lufthansa aussieht.

Die AUA-Mutter will für 90 Maschinen von Air Berlin und Niki gut 100 Mio. Euro auf den Tisch legen. 38 Flugzeuge samt Crews hat die Lufthansa schon zu Jahresbeginn von der Air Berlin übernommen, fünf gingen an die AUA.

Lauda und seine finanzkräftigen Partner wollen für 17 Maschinen der Air Berlin und die bisher nicht insolvente Niki auch rund 100 Mio. Euro springen lassen, wie er am Donnerstag im ORF-„Morgenjournal“ erzählte.
Ob da andere Interessenten noch eine Chance haben? Der Textilunternehmer Hans Rudolf Wöhrl glaubt nicht an eine faire Chance. Im Magazin „Stern“ erhob er schwere Vorwürfe gegen die Lufthansa – sie hätte die deutsche Regierung über den Tisch gezogen. Die britische Billig-Airline EasyJet hat zwar Interesse angemeldet, zuletzt jedoch nichts mehr verlautet. Ryanair hat abgewunken. Im Spiel soll noch die chinesische Betreibergesellschaft des Flughafens Parchim in Mecklenburg-Vorpommern, LinkGlobal Logistics, sein.

Die Konkurrenten Lufthansa und Lauda kennen einander gut aus ihrer gemeinsamen Vergangenheit. Die Condor gehörte seit den 1960er-Jahren der Lufthansa – über sie stieg die Lufthansa Anfang der 1990er-Jahre bei der Lauda Air ein. 1997 beteiligte sich der Erzfeind AUA mit rund einem Drittel an der Lauda Air. 2001 übernahm die AUA ganz, 2013 verschwand die Marke Lauda Air. 2007 wollte die Air Berlin die Condor kaufen, scheiterte 2008 jedoch.

Lauda hat Niki 2003 aus der insolventen Aero Lloyd gegründet und Air Berlin schrittweise beteiligt. 2011 stieg er komplett aus. Nun will er ausschließlich touristische Ziele auf der Kurz- und Mittelstrecke anfliegen. Das hat Niki schon zuletzt getan. Mit Condor könnte das gelingen, denn Thomas Cook würde nicht nur die Passagiere liefern, sondern auch das lebenswichtige Vertriebs- und Buchungssystem. Ein Sprecher von Thomas Cook wiederholte, man sei mit Condor bereit, eine aktive Rolle bei der Restrukturierung von Air Berlin und deren Tochter Niki zu spielen. Es würden alle Optionen geprüft.

Auch die Lufthansa, die mit Air Berlin und Niki ihre Billigtochter Eurowings auffetten will, bietet die Infrastruktur. Niki war nämlich unter Lauda erfolgreich, weil Verwaltung, Vertrieb, Verkauf und Marketing über die Air Berlin liefen. „Ich habe als Eigentümer von Anfang an alle überflüssigen Kosten verhindert“, sagte Lauda dazu. Einen Alleingang würde Niki nicht schaffen, zumal ihr die Air Berlin auch rund 60 Mio. Euro schuldet.

Wer immer zum Zug kommt – es muss rasch gehen. Wegen den durch kranke Piloten verursachten Hunderten Flugausfällen verpufft der 150 Mio. Euro schwere Staatskredit rasch. Der Gläubigerausschuss soll die Entscheidung auf 25. September vertagt haben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.09.2017)

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