Agrokor-Krise: Es klafft ein riesiges Finanzloch

Die Kontrollore stießen auf frisierte Bilanzen.

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Ante Ramljak – REUTERS

Zagreb. Die Revision von Bilanzen des krisengeschüttelten kroatischen Konzerns Agrokor bestätigt die Spekulationen, dass der Lebensmittelriese ohne Spezialgesetz längst in Konkurs hätte gehen müssen. Revidierte Bilanzen der neun wichtigsten Tochterunternehmen zeigten, dass ihr Wert um umgerechnet 1,79 Mrd. Euro überschätzt wurde. In den wichtigsten Konzernteilen ist der Verlust höher als das Eigenkapital, was bisher aus den Büchern nicht ersichtlich war.

In den Bilanzen für 2015 und 2016 haben die Buchprüfer von PricewaterhouseCoopers (PwC) massive Wertberichtigungen vorgenommen. Die größten Diskrepanzen zeigten sich bei der Handelskette Konzum: Ihr Wert wurde von den Prüfern um 1,33 Mrd. Euro vermindert. Ursprünglich hieß es, Konzum habe 2015 31,3 Mio. Euro Gewinn gemacht. Die Revision zeigte jedoch, dass tatsächlich ein Minus von 187,7 Mio. Euro erwirtschaftet wurde. 2016 waren es bereits 248 Mio. Euro Verlust.

Auch bei der Höhe des Kapitals gibt es große Abweichungen. In den offiziellen Büchern für 2015 wurde ein Kapital von 345 Mio. Euro ausgewiesen, doch die Revision zeigte ein negatives Kapital von 672 Mio. Euro. Im Vorjahr erreichte das negative Kapital von Konzum 989 Mio. Euro.

Nicht nur der Einzelhandel, auch die anderen zwei Segmente, Lebensmittel und Landwirtschaft, beendeten das Vorjahr mit roten Zahlen. Zusammen haben die neun Unternehmen einen Verlust von 442 Mio. Euro eingefahren. Die Revision durch PwC umfasste 27 Unternehmen in Kroatien sowie jeweils drei in Serbien und Bosnien.

Am Montag will sich der staatliche Sanierungsmanager, Ante Ramljak, auch zu etwaigen gesetzeswidrigen Handlungen des früheren Vorstands unter dem Agrokor-Besitzer Ivica Todorić äußern. (APA)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.10.2017)

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