Fälschungsskandal um Stahlriesen Kobe größer als bisher vermutet

Gepanschte Metallprodukte mit manipulierten Zertifikaten könnten nicht nur wie bisher angenommen an rund 200, sondern möglicherweise an 500 Kunden ausgeliefert worden sein.

Kobe Steel President and CEO Kawasaki speaks to the media after meeting with Ministry of Economy, Trade and Industry's Director-General of Manufacturing Industries Bureau, Tada at the ministry in Tokyo
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Kobe Steel President and CEO Kawasaki speaks to the media after meeting with Ministry of Economy, Trade and Industry's Director-General of Manufacturing Industries Bureau, Tada at the ministry in Tokyo
Kobe Steel Präsident and CEO Hiroya Kawasak – REUTERS

Der Skandal um gepanschte Metallprodukte des japanischen Stahlriesen Kobe Steel zieht weite Kreise. Die Nummer drei der Branche gestand am Freitag, dass noch stärker als bisher angenommen geschwindelt worden sei. Es handelt sich um Stahl-, Kupfer- und Aluminiumprodukte im Volumen von mehr als 11.000 Tonnen, die in Japan, China, Malaysia, Thailand hergestellt und an über 100 Kunden ausgeliefert wurden. Kobe-Steel-Chef Hiroya Kawasaki entschuldigte sich. Er betonte, es werde intern untersucht, ob es noch weiteres Fehlverhalten gegeben habe.

Metalle und Metallverbindungen stecken als Werkstoffe in zahllosen Endprodukten. Kobe Steel räumte ein, dass Mitarbeiter bei Aluminium-, Kupfer- und Eisenpulverprodukten zur Verwendung in Autos, Zügen, Flugzeugen sowie militärischer Ausrüstung Inspektionsdaten etwa zur Materialstärke gefälscht hatten. Einige Fälle reichten ein Jahrzehnt zurück. Teils sollen auch Inspektionsprozesse abgekürzt worden sein.

Wie die japanische Nachrichtenagentur Jiji Press meldete, könnten betroffene Produkte nicht nur wie bisher angenommen an rund 200, sondern möglicherweise an 500 Kunden ausgeliefert worden sein. Laut einem Bericht der Finanzzeitung "Nikkei" vom Freitag hätten auch mehr als 30 Unternehmen im Ausland Zulieferungen von Kobe Steel mit gefälschten Zertifikaten erhalten. Darunter seien mehrere Autobauer sowie Luft- und Raumfahrtkonzerne.

Folgen noch nicht absehbar

Eine Daimler-Sprecherin sagte, Kobe Steel sei kein gelisteter Lieferant des Stuttgarter Konzerns. Bei Airbus in Toulouse sagte ein Sprecher der Deutschen Presse-Agentur, dass man nicht direkt Materialien von Kobe Steel beziehe. "Wir prüfen zurzeit die Lage in unserer Zulieferkette und werden - falls nötig - handeln."

Die Folgen des Fälschungsskandals für Kobe Steel selbst sind derzeit noch nicht absehbar. Sie dürften den seit zwei Jahren mit roten Zahlen kämpfenden Konzern jedoch teuer zu stehen kommen.

Japans größter Bahnbetreiber West Japan Railway hat bereits wissen lassen, dass man von Kobe Steel erwarte, für die Kosten für Ersatz von Aluminiumprodukten in Hochgeschwindigkeitszügen aufzukommen. Der Aktienkurs von Kobe Steel brach seit dem Bekanntwerden der Fälschungen um 40 Prozent ein. Damit wird Japans Industrie erneut von einem Skandal erschüttert. Zuvor waren schon andere Konzernriesen wie Toshiba durch Fehlverhalten in die Schlagzeilen geraten.

(APA/dpa)

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