Verbund profitiert von deutscher Energiewende

Österreichs größter Energiekonzern Verbund hofft auch in den kommenden Jahren auf stabile Einnahmen aus dem Geschäft mit der Stabilisierung des deutschen Stromnetzes.

Verbund-Finanzchef Peter Kollmann, CEO Wolfgang Anzengruber
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Verbund-Finanzchef Peter Kollmann, CEO Wolfgang Anzengruber
Verbund-Finanzchef Peter Kollmann, CEO Wolfgang Anzengruber – APA/HELMUT FOHRINGER

Trotz der 2018 geplanten Begrenzung des Stromverkaufs zwischen Deutschland und Österreich werde das millionenschwere Geschäft mit dem Ausgleich und der Stabilisierung der Netze nicht deutlich zurückgehen, kündigte Verbund-Finanzchef Peter Kollmann am Dienstag in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters an. Begründet wurde dies von dem ehemaligen Merril-Lynch-Banker mit den fehlenden Leitungen in Deutschland, um den Windstrom vom Norden des Landes in den Süden zu transportieren. "Viele rechnen damit, dass es bis zu zehn Jahre dauern wird, dass die Netze in Deutschland auf eine Art und Weise synchronisiert sind, dass sie mit der enormen Produktion im Norden und der starken Nachfrage im Süden umgehen können", sagte Kollmann.

Derzeit läuft das Geschäft so gut, dass erst kürzlich die Prognose nach oben revidiert wurde. Für 2017 erwarten der Wiener Konzern, dass er damit operativ 184 Millionen Euro verdienen wird nach 128 Millionen Euro im Vorjahr. Bislang waren sie von 166 Millionen Euro ausgegangen. Den Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) wird im laufenden Jahr bei rund 830 Millionen Euro gesehen.

Österreich und Deutschland hatten sich im Frühjahr darauf geeinigt, dass der bislang unbegrenzte Stromverkauf ab Oktober 2018 auf täglich maximal 4900 Megawatt beschränkt wird. Laut dem österreichischen Regulierer E-Control entspricht das etwa der Hälfte des österreichischen Verbrauchs zu Spitzenzeiten.

Wieviel das Geschäft mit den Stromlieferungen mittel- bis langfristig in die Kassen des Verbund spülen werde, sei aber unklar. "Es ist schwer abschätzbar, wieviel Engpassmanagement gebraucht wird. Daher geben wir keine Prognose für die nächsten Jahre", sagte Kollmann. Das Geschäft sei von vielen Variablen abhängig, die außerhalb von Österreich stattfinden. Als Beispiele nannte der Finanzchef die Winderzeugung in Deutschland oder den Ausfall von Atomkraftwerke in Frankreich.

Windkraftanlagen sind stark von der Witterung abhängig. Um die Spannung im Netz konstant zu halten, sind Kraftwerke nötig, die rasch auf die Stromspitzen und Flauten reagieren können. Der österreichische Energiekonzern profitieren davon, da er mit seinen Pumpspeicherkraftwerken Schwankungen in Angebot und Nachfrage rasch ausgleichen kann. Diese Kraftwerke können ein Überangebot aufnehmen, in dem Wasser vom Tal in höher liegende Reservoirs gepumpt wird. Wird Strom benötigt, können die Reservoirs entleert werden und Turbinen angetrieben werden. Von den insgesamt 127 Wasserkraftwerke des Verbund an großen Flüssen wie der Donau sind einige mit Speicherkapazitäten im Ausmaß von insgesamt 2000 Megawattstunden ausgestattet. Damit können in etwa 900 Stunden Speicherleistung bereitgestellt werden.

Das mehrheitlich im Staatsbesitz stehende Unternehmen deckt mit seiner Eigenerzeugung mehr als 40 Prozent des Strombedarfs in Österreich. Aber auch das Gaskraftwerk Mellach, dass der Verbund wegen der niedrigen Großhandelspreise noch vor einigen Monaten verkaufen wollen, wird immer stärker für den Netzausgleich eingesetzt. Im laufenden Jahr soll das Kraftwerk daher mit 1880 Stunden mehr als doppelt so lange laufen wie im Vorjahr.

(Reuters)

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