Lebensmittelindustrie wehrt sich: "Greenpeace erzählt ungeniert Märchen"

Laut NGO ist die angeführte Mindesthaltbarkeitsdauer bei Produkten häufig nicht realistisch. Dagegen verwahrt sich nun die Lebensmittelindustrie.

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Haltbarkeit von Lebensmittel – (c) Clemens fabry

Die Lebensmittelhersteller und die Politik müssten sich für realitätsnahe Mindesthaltbarkeitsdauer (MHD) bei Lebensmittel einsetzen, um den Wegwerf-Wahnsinn zu stoppen, schrieb die Umweltschutzorganisation Greenpeace vor Kurzem in einer Aussendung. In einem von der NGO durchgeführten Test war unter anderem ein Joghurt, das war nach 26 Wochen weiterhin unbedenklich verzehrbar war. Sechs der anderen sieben Lebensmittel, darunter Tofu, Eier und Wurst, haben auch deutlich länger gehalten, als es das Mindesthaltbarkeitsdatum vermuten lässt. In den österreichischen Haushalten landen jährlich 206.000 Tonnen Lebensmittel im Müll – und das obwohl diese oft noch genießbar sind. Schuld daran sei oft auch das MHD, so Greenpeace.

Scharf kontert nun der Fachverband der Lebensmittelindustrie die Kampagne der NGO in einer Presseaussendung. „Greenpeace erzählt weiter ungeniert Märchen zum MHD und will die Menschen scheinbar für dumm verkaufen. Lebensmittelsicherheit, europäische Gesetze und sachlich korrekte Information einfach zu ignorieren, ist ein starkes Stück“, sagte Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin des Verbandes. Allein die Aufforderung im Kampagnen-Inserat, nicht alles zu glauben, was auf einem Joghurt stehe und schon gar nicht das Mindesthaltbarkeitsdatum, sei eine unglaubliche Aussage.

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Beim MHD handelt es sich laut Industrie um ein Versprechen des Herstellers, dass – bei geeigneter Lagerung – das Lebensmittel „mindestens“ bis zu diesem Zeitpunkt sämtliche charakteristische Eigenschaften aufweise, welche die Konsumenten erwarten. Da gehe es auch um die Frische eines Produktes, dessen Geschmack, Aussehen, Farbe, Geruch, Konsistenz oder Nährwerte.

Greenpeace gehe unter falschen Voraussetzungen an das Thema heran. Die Hersteller haben das größte Interesse, dass bei Lebensmitteln Qualität, Sicherheit und Genuss gewährleistet sind. Niemand wolle, dass gute Produkte weggeworfen werden, sagt Koßdorff.

Fakten zum Mindesthaltbarkeitsdatum:

• Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist kein Wegwerfdatum. Es beschreibt vielmehr den Zeitpunkt, bis zu dem der Lebensmittelunternehmer garantiert, dass die Ware alle spezifischen Eigenschaften behält (zB Geschmack, Aussehen, ...).

• Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist zwingend wie folgt anzugeben:
„mindestens haltbar bis ...“, wenn der Tag genannt wird „mindestens haltbar bis Ende ...“, wenn Monat oder Jahr genannt werden

• Die Kennzeichnung des Mindesthaltbarkeitsdatums hat zu erfolgen nach:
Tag und Monat, wenn deren Haltbarkeit weniger als drei Monate,
Monat und Jahr, wenn deren Haltbarkeit zwischen drei und 18 Monaten, dem Jahr, wenn deren Haltbarkeit mehr als 18 Monate beträgt.

• In Verbindung mit der Angabe „mindestens haltbar ...“ ist entweder das Datum selbst oder die Stelle, an der es in der Etikettierung angegeben ist, einzusetzen. Das Datum ist eindeutig in der zwingenden Reihenfolge Tag, Monat, Jahr anzugeben.

• Bei Lebensmitteln wie Essig, Speisesalz, Zucker, Getränken mit einem Alkoholgehalt von 10 oder mehr Volumenprozent ist die Angabe des Mindesthaltbarkeitsdatums nicht erforderlich, da diese aufgrund ihrer Produkteigenschaften nicht „ablaufen“ können.

(red.)

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