Diesel: Konsumentenschützer nehmen Autobauer in die Pflicht

Die Konzerne sollen verbindliche Zusagen zu den nachrüstungen machen. Inzwischen bietet auch Opel eine Umstiegsprämie. Die Grünen fürchten indes einen Export alter Dieselmodelle in Entwicklungsländer.

Protest Dieselgipfel Umweltschutzverbaende protestieren vor dem Bundesministerium fuer Verkehr und dig
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Protest Dieselgipfel Umweltschutzverbaende protestieren vor dem Bundesministerium fuer Verkehr und dig
imago/Christian Mang

Harsche Post für die deutschen Autobauer: Deutsche Verbraucherschützer wollen sich im Dieselskandal von den Autokonzernen nicht mit billigen Versprechen abspreisen lassen. Sie fordern von den deutschen Autoherstellern verbindliche Zusagen für die geplanten Diesel-Nachrüstungen. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) kritisiert in einem Brief an Daimler, VW, BMW und den VDA, die beim Dieselgipfel zugesagte "Gewährleistung" für die Software-Updates lasse offen, welche Ansprüche die Kunden hätten und um welche Bauteile des Autos es dabei gehe.

Weiters wollen die Verbraucherschützer wissen, ob die angestrebte Minderung des Stickoxid-Ausstoßes der Diesel-Pkw auch bei kalten Temperaturen eingehalten wird, und wie die Autobauer ihre Kunden von den freiwilligen Nachbesserungen überzeugen wollen. Sie fragen die drei Konzerne und den Verband der Automobilindustrie (VDA) mit wie vielen dieser freiwilligen Umrüstungen sie rechnen und welchen Effekt sie von den Prämien erwarten, die Besitzer älterer Diesel nun für den Umstieg auf neuere Modelle oder Elektro- und Hybridantriebe bekommen sollen.

"Rechtsverbindliche Garantien"

"Es darf nicht zu Fahrverboten kommen, weil die Angebote der Automobilbranche zu kurz greifen", betonte Ingmar Streese, der beim vzbv für Verbraucherpolitik zuständig ist. "Die Hersteller müssen den Verbrauchern umfassende und rechtsverbindliche Garantien zusagen, um verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen und die Kunden von der freiwilligen Nachrüstung zu überzeugen."

Inzwischen überbieten sich die Konzerne mit Umstiegprämien: Nach VW, Daimler, BMW und weiteren Autobauern hat jetzt auch Opel eine Verschrottungsprämie für ältere Diesel im Programm. Die deutsche Tochter des französischen PSA-Konzerns bietet den Besitzern von Wagen der Abgasnorm Euro 4 und niedriger verschiedene Beträge an, wenn sie einen Opel-Neuwagen kaufen.

Dieser "Umweltbonus" liegt zwischen 1.750 Euro beim Kleinstwagen Karl und 7.000 Euro beim Spitzenmodell Insignia, wie das Unternehmen mitteilte. Der Käufer muss den Alt-Diesel verschrotten lassen. Andere Hersteller haben ähnliche Angebote - auch Ford. Der deutsche Ableger des US-Autokonzerns stht inzwischen ebenfalls unter Verdacht und muss ein Dieselmodell der Mondeo-Reihe vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) wegen des Verdachts illegaler Abgastechnik untersuchen lassen.

Ford muss prüfen lassen

Laut einem Bericht der "Wirtschaftswoche" hat das Verkehrsministerium in Berlin veranlasst, dass das KBA die Abgaswerte des Ford Mondeo 2.0 TCDi genauer unter die Lupe nimmt. Dies habe das Ministerium bestätigt. Es gebe Hinweise auf illegale Abschalteinrichtungen. Ford-Deutschland-Chef Gunnar Herrmann widersprach dieser Darstellung. "Bei der Abgasnachbehandlung unserer Dieselmodelle wurden keine illegalen Abschaltvorrichtungen verwendet", sagte er. Ein Sprecher ergänzte auf Nachfrage, alle Fahrzeuge und Motoren - einschließlich der modernen Dieselantriebe - erfüllten die vorgeschriebenen Richtlinien. Das deutsche Verkehrsministerium war für eine Stellungnahme am Nachmittag nicht zu erreichen.

Die Kaufanreize für neue Diesel bei Verschrottung eines alten sind Teil der Beschlüsse des Dieselgipfels mit der deutschen Regierung. Dort hatten sich die deutschen Hersteller verpflichtet, Maßnahmen zu finden, um ältere Wagen von der Straße zu holen. Jüngere Diesel der Euro-Abgasnormen 5 und 6 sollen hingegen mit einem Software-Update nachgerüstet werden, um ihre Schadstoffemissionen zu reduzieren.

Der Autoexperte Stefan Bratzel sieht Vor- und Nachteile des Prämienmodells. Zum einen dürften nur relativ hohe Zuschüsse wie diejenigen von VW Autofahrer zum Wechseln bringen, sagte er dem Fachdienst "Bizz Energy": "Rabatte wie die beim Golf von 20 bis 25 Prozent sind schon erheblich." Dass viele Besitzer alter Diesel nun plötzlich auf große SUVs wie etwa den Touareg umsteigen, hält er aber wegen des nach wie vor hohen Gesamtpreises für eher unwahrscheinlich.

Unterm Strich förderten die Prämien sicher den Absatz der Hersteller. Umwelt und Gesundheit profitierten jedoch auch, betonte Bratzel.

Aus Sicht des Grünen-Politikers Oliver Krischer dürfen zu verschrottende Wagen nicht ins Ausland gelangen. "Wenn ein alter Diesel irgendwo auf der Welt weiterbetrieben wird, verlagert sich das Problem nur, wird jedoch nicht gelöst", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Der Ex-Obmann der Grünen im Untersuchungsausschuss zur Abgas-Affäre warnte insbesondere davor, Alt-Diesel nun in afrikanische Länder auszuführen. Dort landen oft beispielsweise auch alte Elektrogeräte, die Umweltrisiken sind hoch.

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