Heute vor 100 Jahren: Die lebende Armprothese

Die Betroffenen werden - im besten Fall - Seife, Bleistift und Werkzeuge bedienen können.

Neue Freie Presse am 24. Juli 1917

Oberbezirksrat Doktor Anton Nagy in Innsbruck teilt uns mit, daß er in der Beilage der „Wiener Medizinischen Wochenschrift“ vom 8. Mai 1915 eine neuartige Sehnenplastik beschrieben und mit Abbildungen erläutert hat, die im wesentlichen der „lebenden Prothese“ gleichkommt. Nachdem ein ähnlicher Vorschlag Ende 1915 bezüglich des chirurgischen Teiles von Professor Sauerbruch und bezüglich des mechanischen Teiles von Professor Stodola in den Fachblättern erschienen war, wurde von Dr. Nagy die Priorität seiner Erfindung in einer weiteren Publikation in der „Wiener Medizinischen Wochenschrift“ gegenüber den genannten Autoren nachgewiesen. Die Besucher der Kriegsfürsorgeausstellungen in Magdeburg, Charlottenburg und Köln hatten Gelegenheit, sich von der befriedigenden Funktion der Nagyschen Prothesenmechanik zu überzeugen. Dr. Nagy bevorzugt eine solide kolben-, knopf- oder pilzförmige Plastik aus den Sehnen und bedeckt diese mit normaler Haut. In günstigen Fällen wird ein an der Hand Verstümmelter folgende Verrichtungen des täglichen Lebens ausführen können: Er wird Seife, Kamm, Bürste und Handtuch ergreifen und festhalten können; er wird sich des Löffels, Messers und der Gabel bedienen, Bleistift und Feder benützen und die meisten Werkzeuge handhaben. Als Vorteile seiner Methode hebt Dr. Nagy hervor, daß die einfache und billige Prothese von denjenigen Muskeln in Tätigkeit gesetzt wird, die früher die (verloren gegangenen) Finger bewegt haben, daß für den Muskel dessen eigene Sehne verwendet wird, daß schließlich infolge der Einfachheit der Konstruktion der Prothese ihr Herstellungspreis ein sehr mäßiger ist, wodurch der Behelf wohl jedem Bedürftigen erhältlich wird.

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