Heute vor 110 Jahren: Eine kurze Geschichte vom Cobenzl

Graf Philipp Cobenzl gab dem Berg seinen Namen. Über einen Mann, “der auszog, ein großer Staatsmann zu werden, und nichts wurde, als ein großer Pfuscher.”

Neue Freie Presse am 29. Juni 1907

Graf Philipp Cobenzl hat hier zuerst gewohnt. Er gab dem Berge, er gab dem Schlosse seinen Namen, und dieser Name verdrängte im Wiener Volksmunde den früheren Namen Reisenberg, und dieser Name ist alles, was heute von dem einst so mächtigen Geschlechte übrig bleibt. Graf Philipp hatte sich nie verheiratet, und er war der letzte seines Stammes. Mit allen Enttäuschungen, die ihm die Schlußjahre seines Lebens zeitigten, zog er sich dort hinauf in jene liebliche Einsamkeit zurück und begann mit der Welt zu grollen, die ihn vor kurzem noch verhätschelte. Der stolze Herrensitz wandelte sich in die Klause eines Einsiedlers. Dem Walde konnte er nun erzählen, wie viel er zeitlebens gekündigt, wie wenig er ersprießlich die Werke seiner ärmlichen Staatskunst gewesen, und der Wald rauschte es wieder, und durch die Wipfel der herrlichen Bäume wehten die Nachklänge eines but bewegten und doch eintönigen Lebenslaufes, säuselte die Geschichte von einem, der auszog, ein großer Staatsmann zu werden, und nichts wurde, als ein großer Pfuscher.

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