Heute vor 150 Jahren: Kontroverse um das Schwarzenberg-Denkmal

Heutigen Tages sieht es noch ziemlich wüst aus, und gerade am traurigsten in der Nähe des neuen Monumentes.

Neue Freie Presse am 22. Oktober 1867

Wien ist um ein treffliches Monument reicher geworden. Es war eine schwere Aufgabe für den Dresdner Bildhauer E. J. Hähnel, den Entwurf für eine Reiterstatue des Fürsten Karl Schwarzenberg, des Führers der verbündeten Heere im deutschen Befreiungskriege, zu machen. Alle Umstände vereinigten sich, um die Schwierigkeit, diesen Gegenstand plastisch glücklich zu behandeln, zu vermehren. Der Fürst Karl Schwarzenberg ist seiner körperlichen Erscheinung nach betrachtet - wie ihn viele unserer Zeitgenossen noch kennen, wie er in der Vorstellung derer lebt, welche sich aus der Lectüre ein Bild dieses Mannes gemacht haben - der Typus einer unplastischen Gestalt; dazu kommt noch das Unkleidsame der Uniform jener Zeit, die dazu geschaffen ist, eine unschöne Gestalt noch unschöner zu machen und eine schöne Gestalt in unkünstlerische Form zu zwängen. Wenn man von dieser Seite aus den Fürsten Schwarzenberg betrachtet, so ist das Urtheil der Künstler ganz richtig, welche sagen, es läßt sich aus einer solchen Figur wenig machen. Die Schwierigkeit ist analog jener, welche bei dem Schubert-Monument hervortritt. Von der idealen Seite aus betrachtet, ist Fürst Schwarzenberg, wenn auch ein tapferer Degen, so doch vorwiegend ein diplomatischer Führer, ein Mann der Ueberlegung und der Klugheit, keiner jener Männer, welche das Volk und das Heer mit sich reißen - wie ein Glücher oder Scharnhorst, wie Erzherzog Karl, Radetzky oder Prinz Eugen. Das schwierige Geschäft, Heere und Fürsten, welche die verschiedensten Interessen verfolgen, Einem und demselben Ziele zuzuführen, lag in den entscheidensten Momenten in seiner Hand. Viele würden für Schwarzenberg eine andere Art Denkmal passender finden, als eine Reiterstatue. (...)

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