Heute vor 80 Jahren: Österreich, ein Fixpunkt europäischer Politik

Dr. Guido Schmidt, Staatssekretär für die auswärtigen Angelegenheit, schreibt in der Osternummer der “Neuen Freien Presse” über die Bedeutung Österreichs.

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Neue Freie Presse am 28. März 1937

Unser kleines, schönes Vaterland kann im Grunde recht stolz sein, wenn es den geringen Raum, den es auf der europäischen Landkarte einnimmt, mit dem vergleicht, der ihm in der Weltpresse eingeräumt wird. Wir dürfen uns mit der Feststellung schmeicheln, daß wir unstreitig zu jenen interessanten Erscheinungen gehören, über die man in der großen Welt immer wieder spricht. Hier begnügt man sich nicht mit der Feststellung von Tatsachen, von Staatsbesuchen, mit der Wiedergabe von Kommuniqués, sondern pflegt Kommentare daranzuknüpfen. Oesterreich ist der Welt vielfach heute ebenso ein Rätsel, wie es das vor dreißig Jahren gewesen ist. Es ist vielleicht nicht uninteressant, einmal kurz darauf einzugehen, wie man die österreichischen Vorgänge sieht und deutet und worin die Gründe liegen, wenn man österreichische Ereignisse überschätzt, unterschätzt oder nicht richtig sieht. Dies kommt vor, nur allzu häufig liest man zwischen den Zeilen oder in den Zeilen von etwa bevorstehenden Kursänderungen, Achsenverschiebungen, außenpolitschen Neuorientierungen oder wie solche Dinge genannt werden. Es verhält sich wie im gesellschaftlichen Leben, da genügt auch manchmal ein Gespräch mit dem Freunde A und schon nimmt man an, daß man deshalb sich vom Freunde B entfernt hätte. Es mag hier die Freude am freien Spiel der Phantasie oder, wie es kritische Leute nennen, die Vorliebe für die falsche Nachricht wie in allem eine Rolle spielen. Die Betrachtung der österreichischen Verhältnisse bietet aber tatsächlich für den Ausländer mannigfaltige Schwierigkeiten. Oesterreich ist keine so einfache Sache. (...)

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