USA: Der letzte Indianer-Kriegshäuptling ist tot

Joseph Medicine Crow gelang es im Zweiten Weltkrieg, alle vier Aufgaben zu erfüllen, die notwendig sind, um Kriegshäuptling seines Stammes zu werden.

US-Präsident Obama bei der Verleihung der Presidential Medal of Freedom im Jahr 2009.
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US-Präsident Obama bei der Verleihung der Presidential Medal of Freedom im Jahr 2009.
US-Präsident Obama bei der Verleihung der Presidential Medal of Freedom im Jahr 2009. – (c) Imago

Der 1913 im US-Bundesstaat Montana geborene Absarokee-Indianer Joseph Medicine Crow ist im Alter von 102 Jahren am Sonntag gestorben. Crow galt als der letzte Indianer, der Kriegshäuptling wurde. Sein Großvater "White Man Runs Him" nahm als Scout für General George Armstrong Custer an der berühmten Schlacht am Little Bighorn (1876) teil.

Crow kämpfte im Zweiten Weltkrieg in Europa in der 103rd Infantry Division der US-Army. Unter seiner Uniform trug er stets die Kriegsbemalung (rote Streifen auf den Armen) und unter seinem Helm eine gelbgefärbte Adlerfeder. Diese von einem Medizinmann geweihte Feder sollte ihn vor Schaden bewahren.

Im Kriegseinsatz gelang es ihm, alle vier erforderlichen Aufgaben zu erfüllen, die es bedarf, um Kriegshäuptling seines Stammes zu sein. Er berührte einen feindlichen Soldaten, ohne ihn zu töten. Er entwaffnete einen Feind, einen deutschen Soldaten. Er führte im Kampf eine Gruppe an und letztlich stahl er dem Feind in den letzten Kriegswochen dutzende Pferde.

"Habe niemals eine Schramme davongetragen"

"Ich habe niemals eine Schramme davongetragen", sagte Crow einmal in einem Zeitungsinterview. Sein Großvater, der Kriegshäuptling Medicine Crow, habe ihn in Kriegskunst unterwiesen. Er lernte dabei, seine Ängste zu besiegen, auf ungesattelten Pferden zu reiten, Fährten zu lesen und in bitterster Kälte zu überleben.

Crow schrieb Bücher über die Schlacht am Little Bighorn, war Historiker und promovierter Anthropologe. Steve Bullock, der Gouverneur von Montana, würdigte Crow in einer ersten Reaktion als "Inspiration für alle amerikanischen Ureinwohner".

2009 wurde Crow von US-Präsident Barck Obama mit der Presidential Medal of Freedom, der höchsten zivilen Auszeichnung der USA, ausgezeichnet. Obama nannte Crow in dessen Sprache einen "guten Mann".

(Red.)

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