Der mächtigste Gangster Chicagos war offiziell nur ein Steuersünder

Am Ende soll sich der einst mächtigste Gangster Chicagos auf dem geistigem Stand eines 12-Jährigen befunden haben. Vor 70 Jahren, am 25. Jänner 1947, starb Al Capone an den Folgen der Syphilis. Der 48-Jährige hatte seine letzten Lebensjahre zurückgezogen auf seinem Anwesen auf Palm Island in Florida verbracht. Die Ära der schillernden Chicagoer „Mobster“, die er wesentlich geprägt hatte, war zu diesem Zeitpunkt bereits zu Ende.

 

 

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Alphonse „Al“ Capone wird am 17. Jänner 1899 als Sohn einer neapolitanischen Einwandererfamilie im New Yorker Stadtteil Brooklyn geboren. Mit 14 fliegt er von der Schule, nachdem er eine Lehrerin geschlagen hat. Auf ein paar Gelegenheitsjobs folgt der Beginn seiner (zunächst klein-) kriminellen Karriere in New Yorker Jugendbanden.

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Mit 19 flieht Capone vor der Rache einer verfeindeten Gang nach Chicago, wo ihn der Unterweltkönig Johnny Torrio unter seine Fittiche nimmt.

1920 tritt die Prohibition in Kraft – und lässt das Geschäft mit Alkohol erst so richtig aufblühen. Allein in Chicago entstehen tausende „Flüsterkneipen“ (speakeasies), getarnt als Lebensmittelläden, Apotheken oder Drogerien. „60 Prozent meiner Leute stecken im Alkoholgeschäft“, sagt der Polizeichef der Stadt einmal. Die Chicagoer Banden schmuggeln Alkohol aus dem Ausland ein und bestechen in großem Stil Behörden und Politik.

(Bild: Beschlagnahmter Alkohol wird vernichtet)

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1925 zieht sich Torrio nach einem Attentat aus dem Geschäft zurück und übergibt sein Imperium an Capone. Der 26-Jährige herrscht über Nachklubs, Bordelle, Spielsalons, Rennbahnen und sogar Gewerkschaften. Eine Armee von 700 Schlägern und Killern sichert sein Leben und seine Macht.

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Um die 60 Menschen soll Capone mit eigener Hand getötet und mehr als 400 Morde in Auftrag gegeben haben. Er fährt er einen gepanzerten Cadillac mit versenkbarer Heckscheibe, um Verfolger beschießen zu können (Bild).

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In einer Hotelsuite hält Capone zwischen Säcken voller Bargeld Hof. Er gibt Pressekonferenzen und Interviews, wird wie ein Star verehrt. „Die Polizei gehört mir“, prahlt er.

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1929 wird Capone in Philadelphia wegen unbefugten Waffenbesitzes zu einem Jahr Haft verurteilt. Seine Verhaftung soll er aus Angst vor verfeindeten Gangstern selbst eingeleitet haben. Vom Gefängnis aus führt er seine Geschäfte weiter – der Staat stellt dem Unterweltboss sogar ein eigenes Telefon in die Zelle.

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Nach seiner Freilassung geriert sich Capone mitten in der Großen Depression als Wohltäter, verteilt Geld und richtet Suppenküchen ein. Doch die vielen Gewalttaten auf Chicagos Straßen bringen die Bevölkerung zunehmend gegen die „Mobster“ auf. Die Bürgerinitiative „Chicago Crime Commission“ veröffentlicht eine Liste von 28 „public enemies“ - mit Capone auf Platz eins. Der Verfolgungsdruck steigt.

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Als „die Unbestechlichen“ (untouchables) sind die Männer der Chicagoer Prohibitionsbehörde um Eliot Ness (Bild) bekannt. Aber auch die legendäre Truppe schafft es mit ihren Razzien lediglich, Capones Imperium etwas finanziellen Schaden zu bereiten.

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Zu Fall bringen den Gangster die Steuerfahnder, die seine Einnahmen auf mehrere Hundert Millionen pro Jahr schätzen. 1931 klagen sie ihn wegen Steuerhinterziehung von 200.000 Dollar an. Capone wird mit elf Jahren Gefängnis und 50.000 Euro Geldstrafe bestraft – so hart wie nie ein Steuersünder zuvor.

"Es war die reinste Ironie, dass ein Mann, der Hunderte von Morden angeordnet und in einigen Fällen sogar persönlich seine Hand im Spiel gehabt hatte, nur bestraft werden konnte, weil er das Geld, das er mit eben diesen Morden verdient hat, nicht ordentlich besteuert hatte", kommentiert der damalige US-Präsident Herbert Hoover in seinen Memoiren.

Bild: Steuerfahnder Elmer Irey (Bild)

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Die ersten Gefängnisjahre verbringt Capone erneut in relativem Luxus, bevor er 1934 auf die Insel Alcatraz verlegt wird, wo der Kontakt zur Außenwelt stark eingeschränkt ist. Zunehmend machen ihm auch die Folgenn einer Syphilis zu schaffen. 1939 wird er wegen guter Führung aus der Haft entlassen. 1947 stirbt er, vermutlich nach einer Hirnblutung, in seiner Villa (Bild).

 

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Sein Begräbnis hat nichts mehr von den Prunkzügen, die früher bei verstorbenen Gangstern üblich waren. Nur eine Handvoll Menschen gesellt sich zur engeren Familie. Die schillernden Zeiten der Chicagoer Mobster sind ebenso wie die Prohibition vorbei. Die nachfolgenden Generationen führen ihre „Geschäfte“ zurückgezogener. Und sie perfektionieren die Geldwäsche, um dem Schicksal Capones zu entgehen.

(Bild: Zelle im Zellenblock D von Alcatraz für besondere Gefangene wie Al Capone)

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