Hindenburg-Katastrophe: Die fliegende Zigarre verbrennt

Die Bilder der brennenden "Hindenburg" besiegeln das Ende der Zeppelin-Luftfahrt. Bei der Katastrophe am 6. Mai 1937 sterben in Lakehurst, in der Nähe von New York, 35 Menschen. 22 Fahrgäste und 43 Besatzungsmitglieder überleben wie durch ein Wunder.

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Der Zeppelin LZ 129 "Hindenburg" ist neben seinem Schwesterschiff LZ 130 mit einer Länge von 245 Metern und einem maximalen Durchmesser von 41,2 Metern bis heute eines der beiden größten jemals gebauten Luftfahrzeuge. Vom Volumen her ist der Zeppelin mit der Titanic vergleichbar: 269 Meter Länge, 66,5 Meter Höhe, 28,19 Meter Breite.

Die "Hindenburg" ist aber auch ein geeignetes Propagandamittel des nationalsozialistischen Deutschlands.

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Am 1. August 1936 fliegt die "Hindenburg" zum Auftakt der Olympischen Spiele über Berlin. Sie verneigt sich vor Adolf Hitler: Damit sich die Bugnase senkt, müssen die Besatzungsmitglieder im Laufgang vor- und zurücklaufen.

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Benannt wurde der Zeppelin nach dem ehemaligen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg, der Hitler 1933 zur Macht verhalf, indem er ihn zum Reichskanzler ernannte.

Im Bild: Adolf Hitler mit Paul von Hindenburg.

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War Ferdinand Graf von Zeppelin beim Bau seiner ersten monströsen Luftschiffe noch auf Spendengelder angewiesen, ist die "Hindenburg" ein fliegendes Luxushotel.

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Der Zeppelin ist mit einem Speisesaal ausgestattet, mit eigens angefertigtem Porzellanservice.

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Es gibt eine eigene Speisekarte.

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Angetrieben wird die "Hindenburg" von vier Dieselmotoren. Sie erreicht eine Geschwindigkeit von bis zu 125 km/h. Gefüllt ist der Zeppelin mit 200.000 Kubikmetern Wasserstoff, einem leicht entzündlichen Gas - so bleibt sie in der Luft.

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Helium, das nicht brennt, wäre zwar sicherer. Allerdings verfügen die USA praktisch über eine Helium-Monopol. Sie liefern kein Helium an Deutschland, auch weil sie eine militärische Nutzung der Zeppeline fürchten.

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Die erste kommerzielle Passagierfahrt in Richtung USA startet genau ein Jahr vor der Katastrophe, am Abend des 6. Mai 1936 um 21:30 Uhr in Frankfurt. Nach der Rekordzeit von 61,5 Stunden landet das Luftschiff am 9. Mai um 6:10 Uhr am Ankermast von Lakehurst.

 

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Von der Inbetriebnahme am 4. März 1936 bis zum Unglück legt die "Hindenburg" rund 337.000 Kilometer während 63 Fahrten zurück.

Die silbernen Zigarren am Himmel werden von den Menschen am Boden begeistert gefeiert, egal wo sie auftauchen. Am Himmel war damals noch wenig los.

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Am Tag des Unglücks tobt ein Sturm über der Ostküste der USA. Blitze gehen nieder. Die "Hindenburg" hat eine Verspätung von mehr als zwölf Stunden. Dennoch soll sie um Mitternacht schon wieder starten, um rechtzeitig zur Krönung des englischen Königs Georg VI. zurück in Europa zu sein.

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Bei der Landung kommt es dann zum Unglück. Im Heck des Schiffes bricht aus bis heute ungeklärter Ursache ein Wasserstoff-Feuer aus, das sich rasant ausbreitet.

Möglicherweise haben die abgeworfenen, nassen Landetaue eine elektrische Ladung ausgelöst, die dann zur Katastrophe führte.

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Das Luftschiff verliert dadurch seinen statischen Auftrieb. Der Radioreporter Herbert Morrison schildert laut "Welt" die Geschehnisse:

"Es brennt und geht in Flammen auf; und,– es fällt auf den Mast am Ankerplatz. Und alle diese Menschen dazwischen, das is ja grauenhaft; das ist die, – eine der schlimmsten Katastrophen der Weltgeschichte. Und alle diese Menschen! Es stürzt ab, es brennt! In 130 bis 150 Meter Höhe!"

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"Ich muss jetzt für ein paar Minuten aufhören, weil ich meine Stimme verloren habe", sagt Morrison schließlich. "Das ist das Schrecklichste, was ich jemals gesehen habe."

Binnen 34 Sekunden befindet sich der Zeppelin brennend am Boden.

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Unter den Opfern befindet sich auch Luftfahrt-Pionier Ernst August Lehmann. Er ist als Beobachter der Geschäftsführung mit an Bord. Er überlebt zwar den Absturz, erliegt aber einen Tag später seinen Verletzungen.

 

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Seine im Krankenhaus geäußerte Mutmaßung, dass es sich um eine "Höllenmaschine" gehandelt haben müsse, die den Zeppelin zur Explosion gebracht habe, schürt bis heute alle möglichen Verschwörungstheorien.

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Nie zuvor wurde eine Katastrophe dieses Ausmaßes derart genau dokumentiert. Foto- und Zeitungsreporter sind genauso wie Filmteams vor Ort.

>>> Video einer US-Wochenschau

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Im April 2014 stirbt übrigens Werner Franz, der letzte Überlebende der Hindenburg-Katastrophe im Alter von 92 Jahren. Er war zum Zeitpunkt der Katastrophe 14 Jahre alt und verrichtete an Bord seinen Dienst als Kabeljunge. Es war sein fünfter Flug. Es gelang ihm, aus dem brennenden Zeppelin zu springen.

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